Continental-Fahrradgeschäft: Riemen gerissen

Autor: Jan Rosenow

Im großen Continental-Konzern spielen Produkte für Fahrräder nur eine Nebenrolle. Doch ein Debakel bei den Antriebsriemen könnte nun eine zweistellige Millionensumme kosten und die ohnehin angespannte Situation beim Zulieferer weiter verschärfen.

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Continental-Zahnriemen (Mitte) und Zubehörteile: Tausch gegen Konkurrenzprodukt nötig.
Continental-Zahnriemen (Mitte) und Zubehörteile: Tausch gegen Konkurrenzprodukt nötig.
(Bild: Jan Rosenow/»kfz-betrieb«)

Beim Autozulieferer Continental kracht es derzeit gewaltig. Angesichts eines stark gesunkenen Aktienkurses und zurückgehender Umsatz- und Gewinnprognosen hatte sich der Vorstand des Konzerns jüngst sogar in einem geharnischten Brief an sein Management gewandt und Probleme in „einem halben Dutzend“ der 27 Geschäftsbereiche angeprangert.

Ob darunter auch der Antriebsspezialist Contitech war, ist nicht bekannt. Allerdings hat Contitech ein Produktdebakel zu verantworten, das den Konzern nach Berechnungen von »kfz-betrieb« im schlimmsten Fall eine zweistellige Millionensumme kosten könnte – und das in einem Geschäftsfeld, das bei Conti nur eine kleine Nebenrolle spielt.

Es geht um Antriebsriemen für Fahrräder. Bereits im Frühjahr hatte das Unternehmen Probleme bei seinen Riemen vom Typ CBD 8 mm eingeräumt. In einzelnen Fälle sollen diese gerissen sein, was zu Stürzen geführt hat. Continental betont zwar, dass die Riemen „alle geforderten Normen und Standards erfüllen“. Allerdings besäßen sie nicht die Reserven, um größere Montage- oder Fertigungstoleranzen zu ertragen. Deshalb hat sich Continental entschlossen, die Riemen nicht mehr auszuliefern, und den Fahrradherstellern empfohlen, den Kunden Lösungen für bereits verkaufte Modelle anzubieten. Um einen offiziell angeordneten Rückruf handelt es sich aber nicht.

Rückkauf oder Umbau – beides ist teuer

Das Problem: Der Weltkonzern sieht sich außerstande, den Kunden ein verbessertes eigenes Produkt anzubieten, sondern ist gezwungen, die ausgelieferten Fahrräder zurückzukaufen oder Fremdteile einbauen zu lassen – vom Konkurrenten Gates. Prominentester Continental-Kunde war das Möbelhaus Ikea, das sein Fahrradmodell Sladda mit dem Riemen ausgestattet hat. Ikea nimmt das Sladda zum vollen Kaufpreis (bis zu 799 Euro) zurück. Unwahrscheinlich, dass die sparsamen Schweden das selbst bezahlen – sie dürften sich das Geld von Continental zurückholen. Auch andere Radhersteller wie Prophete bieten ihren Kunden an, das Fahrrad zurückzukaufen.

Die andere Möglichkeit ist, den Riemen gegen ein Gates-Produkt auszutauschen. Auch hier kommt Continental für alle Kosten auf. Da auch beide Riemenräder sowie die Abdeckung ausgewechselt werden müssen, was ungefähr zwei Stunden dauert, belaufen sich die Kosten nach Angaben eines Fahrradhändlers auf rund 200 Euro.

Mindestens 100.000 Riemen ausgeliefert

Continental wollte sich auf Anfrage von »kfz-betrieb« nicht zu den Kosten der Umtauschaktion äußern. Auch die Zahl der ausgelieferten Riemen verriet das Unternehmen nicht. Die „Hannoversche Allgemeine“ berichtete jedoch, es handle sich um eine sehr niedrige sechsstellige Zahl. Selbst wenn man die niedrigste sechsstellige Zahl – 100.000 – als Basis nimmt, dürfte leicht eine zweistellige Millionensumme zusammenkommen. Je nachdem, wie viele Räder umgebaut oder komplett zurückgekauft werden, können es auch 50 Millionen sein.

Ganz aufgeben will Continental das zukunftsträchtige Fahrradgeschäft indes nicht. „Wir sehen im Markt für Antriebsriemen auch weiterhin ein großes Wachstumspotenzial“, sagte ein Sprecher gegenüber »kfz-betrieb«. „Continental wird sich entsprechend positionieren und im Premiumsegment mitwachsen.“

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group