Continental macht sich schon wieder fit für den Winter

Autor: Jan Rosenow

Klimawandel? Kein Grund, sich nicht bereits auf den nächsten Winter vorzubereiten. Continental tut das mit neuen Winterreifen, einem superschnellen ABS und Spikes mit Gummihülle.

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Fahrspaß im Schnee: Das ist der Job von Contis neuem Wintercontact TS 860 S.
Fahrspaß im Schnee: Das ist der Job von Contis neuem Wintercontact TS 860 S.
(Bild: Jan Rosenow)

Auf seinem Testgelände im nordschwedischen Arvidsjaur hat Continental eine Reihe von Produkten für den Winter vorgestellt. Am interessantesten für den mitteleuropäischen Markt ist zweifellos der UHP-Reifen Wintercontact TS 860 S, der in Größen von 18 bis 21 Zoll auf den Markt kommt und sich für stark motorisierte Limousinen und Sportwagen eignet.

Der Reifen soll vor allem kurze Bremswege und hohe Lenkpräzision bieten. Da er auch den Erstausrüstern angeboten werden soll, stand ein niedriger Rollwiderstand ebenfalls auf dem Aufgabenzettel. Die kurzen Bremswege erreicht Conti durch das sogenannte Bremsband, eine breite und stabile Mittelrippe, die hohe Haftung bietet. Die breiten Schulterblöcke an der Außenseite sorgen für Kurvenstabilität und exaktes Fahrverhalten. Komplexe 3-D-Lamellenkonstruktionen ermöglichen gute Fahrstabilität und zuverlässige Schneetraktion durch eine Vielzahl von Griffkanten.

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Der neue Wintercontact TS 860 S wird derzeit in 14 Dimensionen hergestellt; die Breiten reichen von 225 bis 315 Millimeter, der Querschnitt von Serie 60 bis 30. Der höchste Speed-Index ist W (270 km/h). Alle Versionen besitzen das gleiche Profilbild; die unterschiedlichen Eigenschaften, die sich die Autohersteller für ihre markenspezifischen Versionen wünschen, will Continental allein durch maßgeschneiderte Mischungen sicherstellen. Das spart Kosten für die Formen.

Für den Aftermarket gibt es eine eigene Mischung mit ausgewogenen Eigenschaften. Auf dem EU-Reifenlabel kommt der Winterreifen im Nassbremswert auf die Note C und beim Rollwiderstand je nach Spezifikation auf B, C oder E.

Viking-Reifen für den echten Winter

Auch wenn Conti den TS 860 S in Schweden auf knackig-kaltem Schnee präsentierte, fährt man im hohen Norden andere Reifenkonstruktionen mit besonders weicher Gummimischung: sogenannte Softcompounds. Für dieses Marktsegment haben die Hannoveraner mit dem Vikingcontact 7 ebenfalls ein neues Produkt vorgestellt.

Das Gripniveau auf Schnee liegt noch einmal spürbar höher als beim TS 860 S, aber dafür ist der Viking nur bis 190 km/h zugelassen und würde auf Asphalt rasant verschleißen. Mit Schneematsch und Wasser auf den Straßen soll der Skandinavier aber trotzdem zurechtkommen – schließlich sind auch dort die Winter nicht mehr das, was sie einmal waren.

Wie wichtig Continental die nordischen Märkte nimmt, zeigt eine dritte Neuheit: die Rubberspikes. Spikereifen bieten auf Eis und hartgefahrenem Schnee enormen Grip, beschädigen aber den Asphalt, wenn dieser frei liegt. Deshalb sind sie in Deutschland nicht zulässig.

Spikes bestehen üblicherweise aus einem Aluminium-Tragekörper, in den ein Hartmetall-Pin eingelassen ist. Das Aluminium verschleißt aber bei Kontakt mit Asphalt und „rächt“ sich dafür mit Abrasion der Straße. Beim Rubberspike hingegen ist der Hartmetallpin mit einer Gummihülle umgeben, die die Straße schont und dem Spike zudem mehr Flexibilität verleiht, was zu besserer Eistraktion führt. Kleine Ursache – große Wirkung. Der Rubberspike ist aber noch im Prototypenstatus.

Superschnelles ABS beherrscht Reibwertsprünge

Noch deutlich beeindruckender als die Fortschritte in der Reifentechnik war die Leistung, die Contis neue ABS-Generation 3 auf das nordische Eis zauberte. Auf einem zugegebenermaßen recht exotischen Versuchsaufbau – einer schachbrettartig mit Asphalt und Schnee bedeckten Fläche – brachte sie das Testfahrzeug 25 Prozent früher zum Stehen als die heutige Generation ABS 2. Das Schachbrett sollte Reibwertsprünge darstellen, wie sie auf normalen Straßen durchaus vorkommen, wenn auch vielleicht nicht so extrem.

Das ABS 3 kann die Bremsdruckregelung viel schneller vornehmen als die bisherige Technik und passt sich damit besser an unterschiedliche Reibwerte an. Und diese können längst nicht nur im Winter eintreten: Split, Laub am Fahrbahnrand oder eine Lehmspur vom querenden Traktor kommen auch in unseren Breiten vor.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group