Control Expert verlangt Geld für „Postmaster“

Autor / Redakteur: Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz / Jens Rehberg

Die derzeit kostenlose Nutzung des von Control Expert angebotenen Kommunikationsmediums „Postmaster“ wird ab dem 01.01.2016 kostenpflichtig. Der ZDK-Vorstand ruft zum Widerspruch auf.

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(Foto: Control Expert)

Nachdem der Prüfdienstleister Control Expert fünf Jahre lang das Kfz-Gewerbe mit der kostenlosen Software „Postmaster“ geködert hat, schlägt das Langenfelder Unternehmen nun zu: Künftig ist das Programm, das der elektronischen Übermittlung von Daten an Versicherungen und Schadensteuerer dient, nur noch kostenpflichtig zu bekommen.

Control Expert hat hierfür ein Preismodell entwickelt, das die unterschiedlichen Nutzungsgewohnheiten der Betriebe berücksichtigt und den Betrieb bis zu 600 Euro pro Jahr kosten kann.

Doch die Betriebe hängen nun nicht unbedingt am Fliegenfänger des Langenfelder Unternehmens. Vielmehr weist der ZDK ausdrücklich darauf hin, dass auch andere Dienstleister entsprechende Programme vorhalten, beispielsweise die DAT mit „Myclaim Pro“. Zwar gibt es diese Programme auch nicht kostenlos, jedoch hatten die dazugehörigen Dienstleister die Autohäuser und Werkstätten nie damit geködert, ihnen eine kostenlose Software zur Verfügung zu stellen.

Lesen Sie im nachfolgenden Interview, was der Bundesinnungsmeister und ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk zum Vorgehen von Control Expert sagt. Hülsdonk weist insbesondere auf die Widerrufsfrist hin, die der Anbieter eingeräumt hat und die die Betriebe in Anspruch nehmen sollten.

Redaktion: Control Expert hat angekündigt, ab dem 1. Januar 2016 für die Nutzung seines „Postmasters“ Geld zu verlangen. Was sagen Sie dazu?

Wilhelm Hülsdonk: Das Thema war Gegenstand der ZDK-Vorstandssitzung am 3. Dezember. Der Vorstand hat das Vorgehen von Control Expert scharf kritisiert. Das entspricht auch meiner Meinung.

Warum?

Control Expert hat seinen „Postmaster“ fünf Jahre lang zur elektronischen Übermittlung von Daten im Rahmen der Schadenabwicklung kostenlos zur Verfügung gestellt. Das geschah durchaus nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern zur Ankurbelung des eigentlichen Geschäfts von Control Expert, nämlich der Überprüfung dieser Daten im Auftrag der Versicherer.

Ähnliche Praktiken gibt es auch sonst in der Wirtschaft …

Mag sein, aber hier kommt Folgendes hinzu: Nachdem der „Postmaster“ durch die kostenlose Nutzung eine gewisse Verbreitung erfahren hat, wähnt sich Control Expert in der Lage, nun plötzlich hierfür Kosten von bis zu rund 600 Euro jährlich zu erheben. Dies auch deshalb, weil inzwischen manchen Beteiligten im Rahmen der Schadensabwicklung die Verwendung des „Postmaster“ zwingend vorgegeben wurde und dieser deshalb, so das Kalkül, nicht ohne weiteres zu ersetzen ist.

Wie wollen Sie verhindern, dass dieses Kalkül aufgeht?

Die Übermittlung von Schadendaten ist kein Hexenwerk. Die Kalkulationssysteme von Audatex und der DAT mit ihrem neuen Tool „Myclaim Pro“ zur elektronischen Schadensabwicklung halten ebenfalls die Möglichkeit zur elektronischen Übertragung bereit. Auch aus verschiedenen Dealer-Management-Systemen heraus können Schadendaten an die Versicherer übersandt werden. Und schließlich kann man ja auch immer noch die gute, alte E-Mail nutzen.

Was raten Sie also den betroffenen Betrieben?

Nach den uns vorliegenden Unterlagen räumt Control Expert den Betrieben noch bis zum 15. Dezember 2015 die Möglichkeit ein, der angekündigten Kostenpflicht schriftlich zu widersprechen. Der unfreundlichste, aber nicht auszuschließende Akt wäre, dass Control Expert als Reaktion auf einen Widerspruch den „Postmaster“ zum Jahreswechsel bei den betreffenden Betrieben deaktiviert. Dafür sollte man sich durch Nutzung anderer Übertragungswege wappnen. Der ZDK drängt aber gegenüber Control Expert auf eine vernünftige Lösung.

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Chefredakteur, Redaktion »Fahrzeug+Karosserie«