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Corona-Exit in China: Kunden greifen zu deutschen Autos

| Autor: Svenja Gelowicz

In Europa gibt die Nachfrage nach Autos wenig Anlass für Optimismus. In China hingegen hat die Regierung bereits den Absatz angekurbelt. Vor allem deutsche Marken profitieren davon.

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Deutsche Marken sind bei chinesischen Kunden auch beim Wiederanlauf nach der Corona-Hochphase gefragt.
Deutsche Marken sind bei chinesischen Kunden auch beim Wiederanlauf nach der Corona-Hochphase gefragt.
(Bild: Audi)

Wenn der Branchenverband Acea für den europäischen Markt einen Einbruch bei den Pkw-Neuzulassungen im März verkündet, der alleine in Italien zu einem Minus von 85 Prozent führt, lohnt sich ein Blick nach China für ein wenig Zuversicht. So rechnet zum Beispiel Volkswagen laut „dpa“ mit deutlichen Aufholeffekten. „Wir sehen sicherlich eine aufgestaute Nachfrage im Markt“, sagte Volkswagens China-Chef Stephan Wöllenstein am Freitag (17. April) in Peking in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Gerade junge Kunden seien in China derzeit auf der Suche nach dem ersten Auto.

Wie nachhaltig dieser Effekt sein kann, hänge von unterstützenden Maßnahmen durch die chinesische Regierung ab. „Wir gehen davon aus, dass rund um den Volkskongress auch ein sehr starkes Konjunkturpaket verabschiedet werden wird“, sagte Wöllenstein. Wann der stattfinden wird, sei offen, laut Wöllenstein könnte es Mitte Mai soweit sein.

Wie die chinesische Regierung die Autoindustrie stützt

Schon im März hat die chinesische Regierung die Weichen für Autobauer und Verbraucher gelegt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Automobilberatung Berylls berichtet von mehr als 20 Provinzen und Regionen, darunter Peking, Tianjin, Schanghai, Chongqing, Guangdong, Xinjiang, Hainan, Shandong, Jiangsu und Zhejiang, die den Absatz mit verschiedenen Maßnahmen steigern wollen.

  • Lockerung der Kauf- und Zulassungsbeschränkungen: In Hangzhou, der Hauptstadt der Provinz Zhejiang, gilt seit Ende März eine einmalige Erhöhung der üblicherweise stark beschränkten Zulassungszahlen konventioneller Autos um 20.000 Einheiten. In der Hafenstadt Guangzhou dürfen 50.000 Pkw mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden, südlich in Shenzhen gilt das für 40.000 Stück.
  • Subventionen für den Neuwagenkauf
  • Förderung „alt für neu“: Eine Maßnahme analog zur Abwrackprämie
  • Verstärkte und konzertierte Werbung
  • Unterstützung für den Gebrauchtwagenmarkt: Aufhebung der Beschränkungen für den überregionalen Verkauf von Gebrauchtwagen und Streichung der Mehrwertsteuer beim Gebrauchtwagenkauf. Einige Regionen haben auch spezielle Fonds zur Förderung des Gebrauchtwagenverkaufs eingerichtet.

„Wir sehen klare Anzeichen dafür, dass die Anreize und die Subventionen funktionieren. Das Verkaufsvolumen von Pkw im März betrug 1,04 Millionen Einheiten, es ist zwar ein Rückgang von 40 Prozent im Jahresvergleich, aber auch ein deutlicher ein Anstieg von 317 Prozent im Vergleich zum Februar“, sagt Jan Burgard, geschäftsführender Partner bei Berylls Strategy Advisors.

VW hofft: Im Juni wieder auf Vorjahresniveau

Der VW-Konzern in den ersten drei Monaten mit knapp 614.000 Fahrzeugen 35 Prozent weniger verkauft. Im März lief es nach dem Einbruch vom Februar mit einem Rückgang von knapp 36 Prozent wieder etwas besser, im Vormonat waren die Verkaufszahlen um fast drei Viertel in die Knie gegangen. Wöllenstein bestätigte die Einschätzung, dass im Juni das Vorjahresniveau wieder erreicht werden könnte – wenn die Erholung weiterläuft wie bisher. Bei den Verkaufspreisen muss der Konzern derzeit nach Angaben des Managers keine nennenswerten zusätzlichen Rabatte geben.

Die bekannten chinesischen Marken entwickeln sich laut der Berylls-Analyse „verhalten positiv“: So musste Geely einen Rückgang von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen, Chang'An ein Defizit von 21 Prozent und Great Wall vermeldet einen Rückgang um gut die Hälfte.

Deutsche Premiummarken mit geringeren Verlusten

Die chinesischen Joint Ventures der deutschen Autohersteller könnten sich hingegen sehen lassen: FAW-Volkswagen verzeichnet beispielsweise einen verhältnismäßig geringen Rückgang um 25 Prozent im Vorjahresvergleich. Vor allem das Luxussegment präsentiert sich im März robust. „Besonders auffällig waren BBAC (Beijing Benz) und BBA (Brilliance BMW), die beim Absatz unter allen OEMs den fünften und zehnten Platz in der Top-Ten-Liste erreichten“, schreiben die Analysten von Berylls in einer Mitteilung. Ihr Defizit fiele geringer aus als dass der Volumen-Wettbewerber unter den Joint Ventures.

Außerdem konnten die Mercedes Benz C-Klasse, der Audi A4, die BMW 3er-Serie und die Mercedes Benz E-Klasse im März in die Top-20 der Autoverkäufe einsteigen.

(ID:46520453)

Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin