Daimler: Reine Verbrenner sind nicht mehr vorgesehen

Hersteller will CO2-Bilanz verbessern

| Autor: dpa

Der künftige Daimler-Chef Ola Källenius will sich nicht auf eine Antriebstechnologie für die Zukunft festlegen.
Der künftige Daimler-Chef Ola Källenius will sich nicht auf eine Antriebstechnologie für die Zukunft festlegen. (Bild: Daimler)

Die weltweit von Daimler verkauften Neuwagen sollen nach den Plänen des Autobauers in 20 Jahren kein CO2 mehr ausstoßen. Welche Technologien allerdings genau zum Einsatz kommen werden, will sich der Autobauer offen halten. „Jetzt zu sagen, exakt in jedem Markt der Welt, wo die Reise hingeht – das wäre nicht seriös“, meinte Entwicklungsvorstand Ola Källenius am Montag in Sindelfingen. Der Fokus liege aktuell auf batterieelektrischer Mobilität.

Ausschließlich mit Verbrennungsmotoren betriebene Autos sind in dem Plan nicht mehr vorgesehen. Um das Ziel zu erreichen, plane man, nur noch Elektroautos und Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid-Motoren zu verkaufen, sagte der Leiter der Motorenentwicklung, Torsten Eder.

Eine zweite Bedingung sei, dass die Verbrennungsmotoren in den Hybrid-Fahrzeugen mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden können, die aus regenerativen Energien gewonnen werden und somit CO2-neutral sind.

Auf EU-Ebene ist Daimler angesichts der künftigen Grenzwerte gezwungen, den CO2-Ausstoß der jährlich verkauften Autos zu senken. Bis 2021 muss der Wert von zuletzt 132 auf 102 Gramm je Kilometer sinken. Bis 2030 sollen davon noch einmal 37,5 Prozent abgehen.

Dann will Daimler die Hälfte seiner Autos vollelektrisch oder als Plug-in-Hybrid verkaufen. Parallel arbeitet der Hersteller auch weiter an der Brennstoffzelle. Auch die könne Verbrennungsmotoren ablösen, so Eder. Um die Strategie für den Umstieg auf neue Antriebsarten hatte es zuletzt Streit zwischen BMW und VW gegeben. VW-Chef Herbert Diess plädierte dafür, sich auf batteriebetriebene E-Autos zu konzentrieren.

Daimler bleibt hinter den Ankündigungen mancher Konkurrenten zurück

Darüber hinaus sollen nicht mehr nur die deutschen, sondern auch die europäischen Pkw-Werke von Daimler bis 2022 klimaneutral arbeiten. Die Standorte weltweit sollen folgen – wann, das ließ der künftige Vorstandschef Källenius offen, ebenso, wie viel Geld der Konzern dafür in die Hand nimmt. Für den Ausbau der E-Auto-Palette investiert Daimler zehn Milliarden Euro.

Im Lkw-Geschäft arbeitet Daimler an einem ähnlichen Programm zur Klimaneutralität. Ein Ziel, wann der CO2-Fußabdruck des gesamten Konzerns auf Null reduziert wird, gab Källenius nicht aus.

Damit bleibt Daimler hinter den Ankündigungen anderer Konzerne zurück. Der Autozulieferer Bosch hatte vergangene Woche mit dem Plan überrascht, Produktion und Verwaltung schon 2020 CO2-neutral zu gestalten. Volkswagen lässt sich länger Zeit. „Bis 2050 wollen wir den gesamten Volkswagen Konzern CO2-neutral machen“, sagte VW-Chef Diess im März.

CO2-Neutralität wird zur Bedingung für Zulieferer

Die meisten Konzerne gehen dabei ähnlich vor. Sie versuchen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren – im Falle von Bosch etwa durch Energieeffizienz – und stellen auf erneuerbare Energien um. Wo das nicht hilft, werden vielerorts Emissionen mit Hilfe von CO2-Zertifikaten kompensiert. Die Frage, wie etwa Lieferanten zur Klimafreundlichkeit erzogen werden können, gehen die meisten Firmen erst in einem zweiten Schritt an. Daimler will CO2-Neutralität zur Bedingung für die Vergabe von Lieferanten-Verträgen machen.

Umweltschützer halten das Vorgehen für längst überfällig: „Es ist höchste Zeit, dass die Konzerne überlegen, wie sie umsetzen, was vor dreieinhalb Jahren bei der Klimakonferenz in Paris entschieden wurde“, sagte ein Greenpeace-Sprecher. Damals war ein weltweiter Aktionsplan entworfen worden, der die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzen soll. Dabei dürfe es nicht nur um „Ablasshandel“ mit CO2-Zertifikaten und den Einkauf von Ökostrom gehen, so der Greenpeace-Sprecher. „Es braucht jetzt klare Schritte.“

Bislang setzen sich die Unternehmen solche Ziele größtenteils freiwillig. Nur Konzerne mit großen Industrieanlagen – wie eben auch Daimler – sind in der EU schon verpflichtet, Zertifikate für CO2-Emissionen zu kaufen.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45914452 / Neuwagen)

Plus-Fachartikel

Byton: „Ein digitales Erlebnis“

Byton: „Ein digitales Erlebnis“

45.000 Euro netto will das chinesische Start-up Byton für sein Elektro-SUV M-Byte verlangen. Nach dem Start in China Anfang 2020 soll das Auto ein Jahr später auch nach Europa kommen. Byton-Manager Andreas Schaaf erläutert die Pläne des Fabrikats. lesen

Caroobi: Räuber oder Robin Hood?

Caroobi: Räuber oder Robin Hood?

Caroobi schaltet sich immer häufiger zwischen freie Werkstatt und Endkunde. Aus Sicht der Berliner geschieht das nur zum Vorteil der Betriebe. Die künftigen Pläne des Start-ups erläutert Geschäftsführer Philipp Grosse Kleimann. lesen