Daimler will Online-Vertrieb gemeinsam mit dem Handel ausbauen

Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Jens Rehberg

Vertriebschef Ola Källenius erwartet, dass sich der Autokauf noch wesentlich stärker ins Internet verlagert. Daimler will diesen Kanal deshalb forcieren, seine Händler aber angeblich nicht außen vor lassen.

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(Bild: Grimm)

Daimler rechnet damit, dass der Anteil an Kunden, die den Autokauf komplett online abwickeln wollen, in den nächsten Jahren stark zunehmen wird. „Gerade in Deutschland kaufen bislang noch nicht viele Leute online ein Auto, aber das wird kommen“, gibt sich Daimlers Vertriebsvorstand Ola Källenius auf dem Tag der Automobilwirtschaft in Nürtingen überzeugt. Der Hersteller werde deshalb den eigenen Online-Vertrieb weiter forcieren, „aber wir werden das nicht vorbei an unseren Händlern machen“, so Källenius.

Generell bleibe der Handel ein wichtiger Baustein bei Daimler. „Unsere Händler sind das Rückgrat unserer Vertriebsstruktur“, sagte Källenius. Gleichzeitig müssten sich die Mercedes- und Smart-Partner durch die voranschreitende Digitalisierung aber auf einige Veränderungen einstellen. „Die persönliche Ansprache unserer Kunden im Autohaus bleibt wichtig, aber die digitale Ansprache hat mittlerweile denselben Stellenwert“, so der Vertriebsvorstand.

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Schon jetzt finde die Informationsphase des Kunden praktisch ausschließlich online statt, auch die Transaktionsebene wandere zunehmend ins Netz ab und müsse deshalb weiter digitalisiert werden, so Källenius. Für den Händler bedeute dies, dass er weniger als klassischer Autoverkäufer, sondern vielmehr als gezielter Berater rund um das Produkt agieren müsse. Källenius: „Entscheidend wird sein, dem Kunden das perfekte Produkterlebnis im Autohaus zu bieten. Vielleicht braucht es dafür in Zukunft keine gigantischen Schauräume mehr, aber das muss man abwarten.“ Wichtig sei es, einen gelungenen Mix aus persönlicher und digitaler Ansprache des Kunden zu erreichen.

Neben der Digitalisierung sprach Källenius auch über weitere zentrale Zukunftsbereiche von Daimler. Der Hersteller habe dabei vor allem die Themen Konnektivität, Elektromobilität und Sharing-Mobility im Auge. Gerade in Sharing-Angeboten sehe der Stuttgarter Hersteller mehr Chance als Gefahr für den eigenen Absatz. „Wer sich keinen Mercedes leisten kann, hat durch Sharing die Möglichkeit, Mercedes zu fahren und könnte in der Zukunft zum Kunden werden“, so Källenius. Dabei sei Daimler im Sharing-Bereich auch jederzeit offen für Kooperationen mit anderen Anbietern.

Unklarheit über Jobverluste durch E-Mobilität

Bei der Elektromobilität peilt Daimler mit dem kürzlich in Paris vorgestellten Mercedes EQ den Durchbruch an, Ende des Jahrzehnts soll das E-SUV in Serie gehen. „Wir sind überzeugt: Der Wandel in den Köpfen der Kunden hin zu alternativen Antrieben findet statt“, sagte Källenius. Deswegen werde Daimler künftig stärker auf Elektroautos, Hybride und Co. setzen. „Emissionsfreie Mobilität ist keine Frage des ob, sondern des wann, deshalb müssen wir hier viel mehr machen“, so Källenius.

Auch auf die Befürchtungen, dass der stärkere Fokus auf E-Mobilität bei Daimler viele Stellen kosten könnte, ging Källenius ein. Es sei zu früh, eine exakte Prognose abzugeben, wie viele Jobs die Elektromobilität gefährden werde, so der Vertriebsvorstand. „Klar ist aber auch: Immer wenn eine Revolution über eine Branche kommt, entstehen auch neue Jobs. Wir müssen die nächsten fünf bis zehn Jahre abwarten und sehen, wie sich das entwickelt.“

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility / Entwicklungsredakteur