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DBL: Wird auch Berufsbekleidung digitalisiert?

| Autor: Steffen Dominsky

In Branchenkreisen spricht man von sogenannter „Smartwear“, von „Functional Clothing“ und „Wearable Technology“. Mit anderen Worten: Auch dem guten alten Blaumann könnte die Digitalisierung drohen. Was geht beziehungsweise was möglich ist und was nicht, verrät Fachmann Jan Kuntze.

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Künftig könnte eine intelligente Berufskleidung Schäden an sich selbst automatisch melden beziehungsweise sich selbst reparieren.
Künftig könnte eine intelligente Berufskleidung Schäden an sich selbst automatisch melden beziehungsweise sich selbst reparieren.
(Bild: DBL)

Kleidung passgenau aus dem Drucker? Sogenannte „Smartwear“, die unsere Vitalwerte misst? Was bringt die Zukunft der Berufskleidung? Jan Kuntze, Geschäftsführer des DBL-Vertragswerkes Kuntze & Burgheim Textilpflege, schildert, wie er die (nahe) Zukunft einschätzt.

Redaktion: Tragen wir bald Berufskleidung aus dem 3-D-Drucker?

Jan Kuntze: Interessante Ansätze gibt es tatsächlich. Allerdings steht dem Drucken die sehr erfolgreiche Technik des Webens gegenüber, die bereits 32.000 Jahre alt ist. Im Gegensatz zu dieser steckt der 3-D-Druck noch in den Kinderschuhen und kann die positiven Eigenschaften klassischer Gewebe derzeit nicht dastellen – etwa die Flexibilität, die Optik oder auch die Wasserdampf-Permeabilität. Vorstellbar ist allerdings, dass bestimmte Elemente der Berufskleidung – etwa Stoßdämpfer, Polster oder auch Verschlusssysteme – künftig im 3-D-Druck entstehen.

Gibt es denn bereits Versuche mit 3-D-Druck?

Den Einsatz des 3-D-Drucks sehe ich eher in der Produktion statischer Teile. Das schnellste flächenbildende Verfahren für Gewebe, das wir kennen und bereits per 3-D-Druck funktioniert, ist das Vlies. Doch diese gedruckten Vliese fühlen sich auf der Haut seifig glatt an, sind also wenig angenehm zu tragen. Sie fallen zudem aufgrund der fehlenden Strukturen sackartig aus, wirken auch optisch wenig attraktiv. Daher sind sie momentan nicht mit klassischen Herstellungsmethoden konkurrenzfähig. Ich sehe derzeit weder bei den Produktionskosten noch bei der Geschwindigkeit Vorteile für ein neues Herstellungsverfahren. Allein das Thema Individualisierung und der Bedarf an geringeren Stückzahlen könnten für Nachfrage sorgen.

Jan Kuntze ist Geschäftsführer beim DBL-Vertragspartner Kuntze & Burgheim Textilpflege GmbH.
Jan Kuntze ist Geschäftsführer beim DBL-Vertragspartner Kuntze & Burgheim Textilpflege GmbH.
(Bild: DBL)

Digitale Schnittstellen sind in aller Munde, auch im Fall Berufskleidung?

„Functional Clothing“ und „Wearable Technology“ sind zwei Schlagworte für neue Produktwelten der kommenden Jahre. Doch noch sind Aufwand und Kosten enorm, sowohl bei der Produktion wie für die Wartung und Pflege dieser Kleidung. Daher sehe ich, wenn wir beispielsweise das Thema Messung von Vitalwerten betrachten, aktuell vorhandene Technologien wie die Smartwatch eindeutig vorn. Vor Jahren habe ich Schutzkleidung für Feuerwehrleute gesehen, auf der LED-Leuchten angebracht waren. Diese zeigten die Innentemperatur der Kleidung an – um zum Beispiel bei großer Wärmeentwicklung ein Kreislaufversagen der Feuerwehrleute zu vermeiden. Leuchtete die LED grün, ist alles o.k.; Rot führte zum Einsatzabbruch. Solche Funktionen übernehmen heute Technologien wie die Smartwatch.

Die digitale Technologie bietet aber Möglichkeiten ...

Natürlich. Gerade bei der Schutzkleidung und bei anderen Artikeln zur persönlichen Schutzausstattung ist es eine gute Idee, wenn Sensoren bei bestimmten Ereignissen und Gefahren Alarm schlagen. Schauen Sie sich die Schweißerschutzkleidung an. Wenn hier bei starker Hitzeeinwirkung das Gewebe verletzt wird, könnte ein automatischer Alarm erfolgen. So ist heute schon möglich, entsprechende Metallfäden in das Gewebe einzuarbeiten und miteinander so zu verknüpfen, dass sie, wenn sie kurzschließen oder reißen, ein Warnsignal abgeben.

Fehler melden geht klar. Was ist mit Fehler beheben?

Bleiben wir bei Schutzkleidung: Hier könnte ich mir ein Gewebe vorstellen, das sich selbstständig schließt beziehungsweise repariert. Etwa wenn im Gewebe ein Loch entstanden ist, das eine Sicherheitslücke offenbart. Wenn dann entsprechend eingearbeitete Substanzen aufquellen, die das Loch selbstständig schließen, würde dies zusätzliche Sicherheit bringen. Etwa bei Geweben mit Gore-Tex. Es wäre eine echte Innovation, wenn sich die hier eingesetzten Membrane bei Verletzungen von alleine mit Hilfe bereits eingearbeiteter Stoffe wieder schließen könnten – und so mögliche Löcher und Risse wieder verschwinden. Aber das ist noch Wunschdenken.

Was sagt der Datenschutz zu digitalen Zukunftstechnologien bei der Berufskleidung?

Hier gibt es sicherlich noch viele Fragen zu klären. Grundsätzlich besteht bei Einsatz digitaler, in die Kleidung integrierter Elemente immer die Möglichkeit einer Überwachung – etwa welche Räume ein Mitarbeiter betritt oder wie lange er am Kaffeeautomaten steht. Darum setzt der DBL-Verbund weiterhin auf den Barcode. Für uns ein zeitgemäßes Mittel, um Kleidung für einen Träger zu personalisieren, ohne dass sensible Daten von Dritten ausgelesen werden können.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group