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Deutschland hilft China bei der Elektromobilität

| Autor: Edgar Schmidt

China ist der mit Abstand größte Markt für E-Fahrzeuge. Rund ein Drittel der bisher weltweit zugelassenen E-Autos fahren auf chinesischen Straßen. Doch die Chinesen haben ein Problem: Ihnen fehlt Fachpersonal für Service und Wartung an den Fahrzeugen. Hier kann Deutschland helfen.

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Die deutsche Delegation bei der Eröffnung des Deutsch-Chinesischen Kompetenzzentrums für Elektromobilität.
Die deutsche Delegation bei der Eröffnung des Deutsch-Chinesischen Kompetenzzentrums für Elektromobilität.
(Bild: Yizeng Technician College)

China gilt bei vielen Experten als das Musterland der Elektromobilität. Denn in kaum einem anderen Land sind die Zuwächse an Autos mit Elektro- und Hybridantrieb derzeit größer. Der Bestand an Elektroautos lag nach Analysen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) Anfang 2018 bei über 1,2 Millionen Fahrzeugen, wovon fast die Hälfte allein 2017 auf die Straßen gekommen sind. Auch wenn in Norwegen durch die intensive Förderung der Anteil an den Neuzulassungen deutlich höher ist (46,7 Prozent gegenüber 3,5 Prozent), kann China allein durch seine Größe mit imposanten Zulassungs- und Bestandszahlen aufwarten.

Und doch braucht der Gigant Nachhilfe. Nämlich dann, wenn es um die handlungs- und praxisorientierte Ausbildung von Kfz-Mechatronikern geht, die die modernen E-Fahrzeuge warten und reparieren sollen. Und diese Unterstützung kann Deutschland den Chinesen geben. Bereits seit über 20 Jahren besteht eine intensive Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Berufsbildung, die erst im Sommer dieses Jahres erneut von deutschen und chinesischen Bildungspolitikern bekräftigt wurde.

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Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist das Kompetenzzentrum für Elektromobilität am Technician College der ostchinesischen Stadt Yizheng. Entstanden ist es durch eine Zusammenarbeit der Bildungsbehörde in Yizheng mit dem Institut für Berufsbildung Niedersachsen e.V., dem Kfz-Landesverband Niedersachsen, der Heinrich-Büssing-Berufsschule in Braunschweig, der Adolf-Kolping-Berufsschule in Lohne, der Handwerkskammer Hannover und der Leibniz-Universität Hannover. Es ist Chinas erstes Zentrum für Elektromobilität, in dem angehende Kfz-Mechatroniker im Bereich der Hochvolttechnik nach deutschen Standards ausgebildet werden und soll damit Modellcharakter für weitere Ausbildungszentren haben. Denn eigene Standards haben die Bildungsbehörden in China bisher nicht entwickelt. Das neue Kompetenzzentrum umfasst moderne Schulungsräume, in denen die Lehrer und Ausbilder Theorie und Praxis hervorragend miteinander verknüpfen können. Künftig soll es um eine Hochvoltwerkstatt erweitert werden, in der die Schüler dann an Fahrzeugen arbeiten können.

Nachhilfe in praxisorientiertem Unterricht

Was in Deutschland in vielen Schulen selbstverständlich ist, ist in China bisher noch die Ausnahme. Denn handlungs- oder praxisorientiertes Lernen in einem dualen System, in dem Betriebe und Schulen zusammenarbeiten, gibt es hier noch nicht. Die Ausbildung erfolgt ausschließlich in Berufsoberschulen, die sich oft Colleges nennen, denn in China galt eigentlich nur das Studium als erstrebenswerte Bildungsform. Nun aber soll die Ausbildung handlungsorientierter werden, da sich viele Unternehmen über nicht ausreichend qualifizierten Berufsnachwuchs beklagen. Ein Bildungspartner der Chinesen dafür ist Deutschland. Und das ist zum beiderseitigen Vorteil, denn nicht zuletzt durch die Bildungskooperation haben sich gute wirtschaftliche Beziehungen ergeben. China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner.

Die Chinesen wollen durch die Bildungspartnerschaft zwar nicht das deutsche duale System kopieren, aber doch den Praxisanteil in der Berufsausbildung erhöhen. Dafür schulen deutsche Bildungsprofis chinesische Lehrer und bilden vor Ort chinesische Schüler aus. Außerdem reisen Delegationen von Lehrern und Schülern nach Deutschland, um hier in Praktika neue Lehr- und Lernmethoden kennenzulernen. Immer wieder legen chinesische Berufsschüler auch eine deutsche Gesellenprüfung ab.

Das bisherige Bildungssystem in China ist noch von sehr vielen traditionellen Ansichten geprägt. Das ist einerseits auf den Philosophen Konfuzius zurückzuführen, dessen Lehren schon vor über 2.000 Jahren zur chinesischen Staatsphilosophie erhoben wurden. Für Konfuzius war das Studium die Voraussetzung für das Verständnis der Ordnung des Himmels und der Menschen. Außerdem konnten einfache Leute nur über das Studium in höhere soziale Schichten aufsteigen. Allerdings scheinen die Chinesen dabei heute einen wichtigen Grundsatz des Konfuzius vergessen zu haben. Er soll gesagt haben: „Lernen ohne zu denken ist sinnlos; aber denken ohne zu lernen ist gefährlich.“ Das chinesische Schulsystem ist jedoch noch vielfach geprägt von sturem Auswendiglernen; der Druck auf die Schüler ist von Anfang an sehr hoch. Denn der Wechsel in weiterführende Schulen ist immer mit einer zentralen Prüfung verbunden, die die Schüler am besten bestehen können, wenn sie das abgefragte Wissen vorher auswendig lernen. Kritisches und analytisches Denken sind nicht Teil des Lehrplans. Das liegt vielleicht auch an den großen Klassen mit oft 40 oder sogar 50 Schülern, in denen die Lehrer gar keine andere Chance haben, als den Lehrstoff vorlesungsartig vorzutragen.

Schüler, die am Ende ihrer neunjährigen Pflichtschulzeit den Sprung auf eine allgemeinbildende Oberschule nicht schaffen und auf die Berufsoberschule gehen müssen, werden dort in drei bis fünf Jahren auf einen späteren Beruf vorbereitet. Der bisher nur geringe Praxisanteil dieser Berufsausbildung führt dazu, dass sowohl chinesische als auch ausländische Unternehmen mit der Qualifikation der Absolventen inzwischen unzufrieden sind. Das betrifft insbesondere die ausländischen Autohersteller, die dadurch nicht genug qualifiziertes Personal für den Bau und die Wartung ihrer Fahrzeuge finden.

Jahrelange Unterstützung

Hier setzt das Projekt in Yizheng an. Wesentlichen Anteil daran hat Klaus Bierschenk, Vorstand des Instituts für Berufsbildung Niedersachsen e.V. und ehemaliger Landesfachberater Kfz-Technik in Niedersachsen sowie Berufsschullehrer an der BBS 6 in Hannover. Seit Jahren reist er immer wieder nach China, um Lehrer weiterzubilden und ihnen beizubringen, wie man handlungsorientierten Unterricht durchführt. Sein Wissen ist dort inzwischen so begehrt, dass er gemeinsam mit VW Shanghai Lehrpläne für Berufs- und Fachoberschulen erarbeitet, bei chinesischen Autoherstellern den Werksunterricht verbessert sowie Lehrer von staatlichen und Privatschulen gefördert hat. Eine Arbeit, die wichtig ist, um den explodierenden Automarkt unter Kontrolle zu bringen und dafür zu sorgen, dass moderne Autos auch gewartet werden können. In Yizheng gibt es dafür jetzt ein Kompetenzzentrum, das nach neuesten didaktischen und pädagogischen Gesichtspunkten gestaltet ist.

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Über den Autor

 Edgar Schmidt

Edgar Schmidt

stellv. Chefredakteur »autoFACHMANN/autoKAUFMANN«