Großvolumige Motoren

Die Ära der Vielzylinder geht zu Ende

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Downsizing und der Verlust automobiler Ingenieurskunst

Angesichts ihrer recht kleinen Stückzahlen ist der Einfluss aufs Weltklima zwar beschränkt. Dafür geht mit den großen Motoren eine Epoche zu Ende, klagt Designprofessor und Automobilphilosoph Paolo Tumminelli. „Zugegeben, Elektromotoren sind leichter und leistungsfähiger“, sagt er, „Dafür sind Verbrennungsmotoren mit die raffinierteste Konstruktion, die sich der Mensch je ausdenken konnte.“ Es werde zurecht von Motorenkunst gesprochen. Und je komplexer der Motor sei, desto höher sei auch die Kunst. Für die Umwelt möge Downsizing gut sein. „Für unsere Zivilisation ist die Abschaffung der Vielzylinder als ultimatives Monument des Maschinenzeitalters und Sinnbild des ingeniösen Genies ein tragischer Verlust.“

Charakteristische Motorengeräusche werden fehlen

Im Old- und Youngtimer-Bereich werde der größte Teil dieser Motoren noch lange leben, ist Frank Wilke überzeugt. Schließlich sei es vor allem das typische Klangbild eines charakteristischen Motors, das die Faszination eines Klassikers ausmache, so der Chef des Marktbeobachters Classic Analytics.

Er schwärmt vom Blubbern eines V8, dem Kreischen eines Sechszylinder-Boxers oder dem staubsaugerartigen Summen eines V 12: „Diese Motorenkonzepte standen für Luxus, Leistung, Exklusivität, aber auch für eine gewisse Individualität.“

Und er hat noch einen Trost: Auf die Preisentwicklung vielzylindriger Oldtimer werde ihr Wegsterben im Neuwagenbereich keinen messbaren Einfluss haben. Denn das Angebot sei für jedes dieser Motorenkonzepte – vom 16-Zylinder einmal abgesehen – mehr als reichhaltig.

Auch die Betriebskosten können die Besitzer nicht schocken. „Wer so ein Auto kauft, der weiß, auf was er sich einlässt“, sagt er. „Das ist ähnlich wie bei Spritpreisen, die noch nie einen Einfluss auf Oldtimerpreise hatten – sonst wäre der Fiat 500 viel teurer“.

Mit elektrischer Unterstützung in die Verlängerung

Aber vielleicht müssen die Fans großvolumiger Motoren gar nicht zum Gebrauchtwagen- oder gar zum Oldtimer-Händler pilgern. Denn Stephan Winkelmann lässt ein Dutzend Zündkerzen der Hoffnung brennen: Zwar wird sich auch die eilige Elite zumindest mit einem Hybrid-Modul anfreunden müssen.

Doch hat der Lamborghini-Chef zum Auslauf des Aventador gerade erst bestätigt, dass auch der Nachfolger des Spitzenmodells wieder einen V12-Motor bekommen wird – und das glorreiche Dutzend noch einmal in die Verlängerung geht.

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