Autoservicetage Die Elektromobilität verändert (fast) alles

Autor: Jan Rosenow

In sechs interessanten Vorträgen bekamen die Teilnehmer der Autoservicetage viele Ratschläge für den Umgang mit Elektroautos. Besonders bei einem Thema brechen wahrlich neue Zeiten für die Kfz-Betriebe an.

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Die Autoservicetage 2020 wurden online ausgestrahlt. Nur einige Referenten waren im Vogel Convention Center anwesend.
Die Autoservicetage 2020 wurden online ausgestrahlt. Nur einige Referenten waren im Vogel Convention Center anwesend.
(Bild: Johannes Untch)

Die Entwicklung der Verkaufszahlen von Elektroautos und Hybriden kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Und immer mehr Hersteller bieten elektrifizierte Autos an. Das bedeutet letztlich für alle Händler, dass sie ihren Betrieb fit machen müssen für die Elektromobilität. Informationen, die ihnen dabei helfen, gab es am 24. November bei den Autoservicetagen von »kfz-betrieb«.

Eine wichtige Aufgabe ist die Bereitstellung der notwendigen Ladeinfrastruktur. Matthias Pfau vom Kfz-Gewerbe Bayern zeigte in seinem Vortrag, was Autohäuser hier beachten müssen. Denn die Elektroinstallation in vielen Betrieben ist nicht auf die hohen Leistungen und Dauerlasten ausgelegt, die beim Laden von Elektroautos anliegen.

Oft reicht noch nicht einmal die Anschlussleistung des Betriebs aus, vor allem, wenn in der Umgebung andere stromfressende Unternehmen angesiedelt sind. Ladesäulen oder Wallboxen dürfen zudem nur von einem beim Energieversorger zugelassenen Fachbetrieb angeschlossen werden. Bei Leistungen über 12 kW muss der Netzbetreiber der Installation sogar zustimmen.

Großer Dokumentationsaufwand bei der Batteriereparatur

Für Wartungs- und Reparaturarbeiten an E-Mobilen muss der Betrieb außerdem in neue Werkstattausrüstung investieren. Katia Melz-Giovanella, Senior Product Manager E-Mobility beim Diagnosespezialisten AVL Ditest, gab in ihrem Vortrag einen Überblick, welche Anschaffungen nötig sind.

Neben der Hebetechnik für das Auto selbst sowie die bis zu 700 Kilogramm schwere Batterie muss der Betrieb die persönliche Schutzausrüstung für die Elektrofachkräfte bereitstellen. Zusätzlich braucht man spezielle Messgeräte, mit denen sich die Spannungsfreiheit des Autos, der Isolationswiderstand und viele andere elektrische Größen messen lassen, die für die Diagnose von E-Autos wichtig sind.

Außerdem stellte Katia Melz-Giovanella dar, wie komplex der Ablauf sowie die Dokumentation einer Batteriereparatur sind – hier brechen für Kfz-Betriebe wahrlich neue Zeiten an. Beispielsweise muss bei jeder Batteriereparatur ein Reparaturreport angefertigt werden.

Die Ausbildung bleibt wie sie ist – fast

Max Rejek von Dekra informierte die Teilnehmer über die Neuerungen, die in Sachen Hochvolt-Qualifikation auf die Branche zukommen. Die branchenweit anerkannte Grundlage dafür, die DGUV-I 200-005, wird nämlich derzeit überarbeitet. Betriebe müssen hier aber keine großen Änderungen befürchten: Es ändert sich lediglich die Bezeichnung der einzelnen Qualifikationsstufen, aber nicht die Ausbildung als solche. Auch wird zukünftig voraussichtlich nicht mehr zwischen eigensicheren und nicht eigensicheren Fahrzeugtypen unterschieden.

Ein Vortrag auf den Autoservicetagen beschäftigte sich mit dem Absatz von Elektrofahrzeugen: Axel Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbands Fuhrparkmanagement, erklärte den Zuhörern, was Flottenbetreiber von E-Autos und Autohändlern erwarten.

Die wohl interessanteste Erkenntnis: Im Mittelpunkt der Erwartungen steht gar nicht die Fahrzeugtechnik, zum Beispiel die Reichweite, sondern vielmehr die klassischen Soft Facts wie eine gute Fachkompetenz und hohe Beratungsqualität. Fuhrparkbetreiber wünschen sich, dass Autohändler ihnen nicht nur „Blech“ verkaufen, sondern sie umfassend beraten, welche Fahrzeuge für das jeweilige Nutzungsprofil am besten geeignet sind. Auch bräuchten die Händler Einblicke in die Mobilitätserfordernisse ihrer gewerblichen Kunden.

Autohändler sollen Mobilitätspartner werden

Eine Zukunftsvision für das Kfz-Gewerbe skizzierte Katja Diehl, Expertin für Mobilitätsthemen, in ihrer abschließenden Keynote. Ihrer Ansicht nach sollten Autohäuser in ihrer Region jeweils der wichtigste Ansprechpartner für die Mobilitätsbedürfnisse ihrer lokalen Kunden werden. „Kunden vertrauen den Händlern mehr als der jeweiligen Fahrzeugmarke“, betonte Katja Diehl. „Die Beratungskompetenz vor Ort ist extrem wichtig. Aber dafür dürfen Händler nicht nur die Showrooms ihrer Hersteller sein.“

Laut der Mobilitätsexpertin würden sogar Mineralölkonzerne damit beginnen, sich zum Mobilitätsanbieter zu wandeln und ihre Tankstellen entsprechend umzugestalten. „Das müssten eigentlich die Autohäuser machen, vor allem die in den ländlichen Regionen“, regte Katja Diehl an.

Die Autoservicetage sind ein Forum für das Werkstattgeschäft im markengebundenen Autohaus. Die Veranstaltung wird unterstützt von der Prüforganisation Dekra und dem Werkstattausrüster Maha. In diesem Jahr fanden die Autoservicetage als Online-Event statt, das mit einem speziell entwickelten Frontend eine hohe Interaktivität und den Austausch zwischen den Teilnehmern ermöglichte. Die nächsten Autoservicetage sind für den 30. November 2021 geplant.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group