Daimler-Vorstand droht dem Betriebsrat „Die Kluft zwischen der Konzernführung und der Belegschaft wird immer größer“

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Bei Daimler liegen Management und Arbeitnehmervertreter aktuell im Clinch. Jüngstes Kapitel: Die Zukunftsperspektive des Mercedes-Stammwerks in Untertürkheim. Nun packt der Vorstand ein neues Druckmittel aus.

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Unternehmensführung und Betriebsrat ringen um die Zukunftsperspektiven für das Mercedes-Stammwerk in Untertürkheim.
Unternehmensführung und Betriebsrat ringen um die Zukunftsperspektiven für das Mercedes-Stammwerk in Untertürkheim.
(Bild: Daimler)

Bei Daimler schaukelt sich der Streit um den künftigen Kurs und die Sparpläne der Konzernführung um Vorstandschef Ola Källenius weiter hoch. Nach diversen Angriffen der Betriebsräte in den vergangenen Tagen reagierte der Autobauer am Mittwoch. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter drohte er mit einem Aus für das geplante Kompetenzzentrum Elektromobilität im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim, wenn die Arbeitnehmervertreter weiter auf ihren Forderungen beharrten. Truck-Chef Martin Daum wies derweil, ebenfalls per Schreiben an die Belegschaft, die Warnungen vor einem „Kahlschlag“ in den deutschen Lastwagenwerken zurück.

Betriebsräte und IG Metall hatten sich zuletzt immer offener gegen die Umbau- und Sparpläne positioniert und erst am Montag zu einer bundesweiten „Solidaritätsaktion“ an sämtlichen Standorten aufgerufen. „In den Werken zittern die Beschäftigten und haben Angst um ihre Zukunft. Die Belegschaft in der Verwaltung fühlt sich verstoßen“, hieß es. Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht warf dem Management vor, es agiere „absolut beratungsresistent“.

Besonders im Fokus steht, wie schon oft in der Vergangenheit, das Stammwerk in Untertürkheim. Am Sitz der Unternehmenszentrale direkt am Neckar entwickelt und fertigt Mercedes-Benz Motoren, Getriebe und Achsen. Damit ist das Werk deutlich stärker von der Transformation der Branche betroffen als etwa die Fahrzeugfertigung in Sindelfingen, 4.000 der rund 19.000 Stellen sollen nach Angaben der Arbeitnehmerseite bis 2025 wegfallen.

Daimler will in Untertürkheim einen „Campus Mercedes-Benz Drive Systems“ errichten und Batterien und elektrische Antriebe entwickeln. Der Betriebsrat will das auch, besteht aber darauf, dass für wegfallende Arbeit im Zuge des Umstiegs eine Kompensation in Form anderer Produktionsaufträge geschaffen wird – so wie es einst mit dem Unternehmen vereinbart worden war. Der E-Campus allein reiche nicht aus, die beim Verbrenner wegfallenden Stellen zu kompensieren.

„Festhalten am Status quo ist keine Option“

„Die Verhandlungsführer der Arbeitnehmerseite beharren darauf, dass alle bestehenden Vereinbarungen unverändert umgesetzt werden“, heißt es nun in dem Schreiben des Managements, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zwar seien die aus damaliger Sicht sinnvoll und richtig gewesen, doch die Lage habe sich grundlegend verändert. „Festhalten am Status quo ist daher keine Option“, schreiben die Vorstände Markus Schäfer und Jörg Burzer.

Streitpunkt ist unter anderem die Fertigung von Kurbelwellen. „Klar ist: Kommt die neue Kurbelwellenfertigung in vollem Umfang nach Untertürkheim, müssen wir für den Campus Mercedes-Benz Drive Systems alternative Szenarien prüfen. Denn eine Bündelung von Zukunftstechnologien ist dann aus Platzgründen in Untertürkheim nicht mehr möglich.“

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