Stoßdämpfertester

Die wahre Leistung testen

24.09.2007 | Autor: Markus Lauer

Der neue Stoßdämpfertester ist nur zwölf Zentimeter hoch und in stationärer oder mobiler Ausführung erhältlich. Fotos: Actia
Der neue Stoßdämpfertester ist nur zwölf Zentimeter hoch und in stationärer oder mobiler Ausführung erhältlich. Fotos: Actia

Stoßdämpfertester sind keine wirklich neue Erfindung, möchte man meinen. Stimmt. Bereits seit vielen Jahren sind sie in zahlreichen Werkstätten vertreten. Dabei kommen in der Regel zwei Gerätetypen zum Einsatz. Doch egal, ob Fall- oder Resonanzmethode: Häufig sind die Testergebnisse in der Praxis unbrauchbar.

Viele auf dem Markt erhältliche Stoßdämpfertester arbeiten nach dem Eusama-Messverfahren. Nach Angaben von Actia/Mueller (siehe Kasten am Ende des Beitrags) sind die Ergebnisse dieses allgemein anerkannten Messverfahrens in mehrerlei Hinsicht fehleranfällig: Bereits bei leicht abweichendem Reifendruck oder unter veränderter Beladung sind die Testergebnisse nicht verwertbar. Ein verschlissener Stoßdämpfer kann demnach nahezu den gleichen Messwert haben wie ein neuer.

Das wollten die Actia/Tenneco-Entwickler verhindern und konstruierten ein neues Messverfahren. Das Ziel war, ein Messgerät zu erhalten, das ohne aufwendige Vorarbeiten oder fehlerträchtige Bedienung eine zuverlässige Aussage über den Zustand der Stoßdämpfer gibt.

Feiner Unterschied

Der neue Fahrwerktester „Alligator“ von Actia unterscheidet sich von anderen Stoßdämpfer-Prüfständen dadurch, dass er die Reaktion des Dämpfers im Umfeld der Resonanzfrequenz analysiert, anstatt die minimale Haftung der Räder zu prüfen. Die Resonanzfrequenz ist laut Actia die kritischste Frequenz für die Straßenlage. Die Messergebnisse stellen ausschließlich die Betriebsbedingungen der Stoßdämpfer dar, die sich durch den Phasendämpfungskoeffizienten (C.A.P.) ergeben. Dieser Wert ist unabhängig von anderen Variablen des Fahrzeugs wie Gewicht und Reifendruck, die sich auf andere Testverfahren auswirken.

Das Besondere an dem System ist, dass es zusätzliche Sensoren verwendet, die die Phasenverschiebung zwischen der Bewegung der Prüfplatte und dem Gegendruck des Rades erfassen. Betrachtet man das Radsystem als oszillierend (hin- und herschwingend), kann man die beeinflussenden Faktoren trennen, indem man die Amplitude der Schwingung und der Phase einzeln erfasst.

Neueste Messmethode

Das heißt, bei einer hohen Messfrequenz bleibt das Rad bewegungslos, denn die Erregerplatte und das Rad befinden sich in entgegengesetzter Phase (außerhalb der Phase). Bei niedriger Frequenz schwingen das Rad und die Platte gleichgerichtet (in Phase), das heißt, die Signale sind in gleicher Phase zueinander. Der Übergang vom Zustand „außerhalb der Phase“ zu „in Phase“ wird hauptsächlich durch den Stoßdämpfer beeinflusst. Je höher die Dämpfungswirkung, desto weicher ist der Übergang.

Der Stoßdämpfertester arbeitet zudem mit einem neu entwickelten Algorithmus und hat sich bereits in über 4 000 Fahrzeugtests bewährt. Auf dem diesjährigen Auto Salon in Madrid wurde der Tester mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Entwickelt hat den Fahrwerktester das Unternehmen zusammen mit Tenneco, dem Hersteller von Monroe-Stoßdämpfern.

Mit dem Gerät erhält die Werkstatt in nur drei Minuten eine nachvollziehbare Aussage über die Leistung der Stoßdämpfer und die Dissymmetrie der Achse. Die Testergebnisse werden pro Achse erfasst und lassen sich per Ausdruck dokumentieren.

Klare Ergebnisse

Der Tester ordnet die Stoßdämpferleistung in drei übersichtliche Kategorien ein: gut, beschädigt und defekt. Die nach einem Test angezeigten Dezimal-Messwerte werden mit gespeicherten Werten einer Datenbank – für jedes Fahrzeug individuell – verglichen und entsprechend in die drei Kategorien eingeordnet.

Der Alligator besteht aus einer niedrigen verstellbaren Messbank, auf die man die zu testende Fahrzeugachse auffährt. Durch seine Höhe von zwölf Zentimetern benötigt das System kaum bauliche Vorarbeiten. Es kann ebenerdig, das heißt in den Werkstattboden eingelassen, oder als „Aufbauvariante“ betrieben werden. Erhältlich ist der Tester in zwei Varianten: einer stationären Version mit Schrank und einer mobilen Ausführung, die laut Actia in 15 Minuten aufgebaut ist.

Das stationäre Gerät besteht aus dem Stoßdämpfertester, einem Pult mit PC und 17-Zoll-TFT-Display sowie einem Drucker. Bei der mobilen Version befindet sich der Tester auf einem Anhänger, der dem Transport und der Lagerung dient. Bedient wird der Alligator hierbei über einen Tablet-PC mit Touchscreen.

Praktische Hilfe

Die Übertragung der Messwerte erfolgt per USB-Anschluss, die Berechnung und Auswertung der Ergebnisse erledigt der PC. Der Ausdruck für den Kunden enthält neben den gemessenen Werten und Kurven eine einfache Aussage über den Verschleißzustand der Stoßdämpfer: Grün für in Ordnung, Gelb für verschlissen und Rot für defekt.

Bei jedem Kundendienst durchgeführt, kann der Fahrzeugbesitzer so im Laufe der Zeit selber den Verschleiß seiner Dämpfer, schwarz auf weiß dokumentiert, erkennen. Für die Werkstatt ein praktisches Hilfsmittel, um den Einbau neuer Stoßdämpfer anschaulich „begründen“ zu können.

Der Tester legt automatisch eine Datenbank mit den Messwerten und Fahrzeugen an. Dabei kann er das Fahrzeug bei einer erneuten Messung schneller zuordnen. Zudem legt das Programm eine Statistik über die Anzahl der gemessenen Fahrzeuge und den Zustand der getesteten Dämpfer an.

So erhält die Werkstatt eine Übersicht über die Aktivitäten und die Entwicklung im Bereich der Fahrwerksreparatur. Erhältlich ist der Actia-Alligator betriebsfertig zum Preis ab 10 000 Euro über die Monroe-Werksvertretungen.

 

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