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Dieselgate wird für Daimler teurer als gedacht

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Daimler bildet wegen der Dieselaffäre neue Rückstellungen in Milliardenhöhe. Nachdem der Autokonzern schon im vergangenen Jahr beim Gewinn geschwächelt hatte, dürfte das die Bilanzen zusätzlich belasten. Die Prognose für 2020 fällt jedenfalls verhalten aus.

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Daimler bildet wegen der Dieselaffäre weiter Rückstellungen.
Daimler bildet wegen der Dieselaffäre weiter Rückstellungen.
(Bild: Daimler)

Die Dieselaffäre kommt den Autobauer Daimler nochmals deutlich teurer zu stehen als bisher gedacht. Für 2019 rechne man mit weiteren 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten, teilte der Konzern am Mittwoch in Stuttgart mit. Es gehe um „voraussichtliche zusätzliche Aufwendungen für laufende behördliche und gerichtliche Verfahren und Maßnahmen betreffend Mercedes-Benz-Dieselfahrzeuge in verschiedenen Regionen und Märkten“, hieß es in der Mitteilung. Daimler hatte im vergangenen Jahr schon insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro dafür zurückgestellt.

Nach vorläufigen Zahlen rechnet der Konzern für das vergangene Jahr nun mit einem operativen Ergebnis von 5,6 Milliarden Euro. Das wäre nur etwa halb so viel wie im Vorjahr, als der Gewinn ebenfalls schon deutlich gesunken war. Die zusätzlichen Aufwendungen für die Diesel-Probleme sind darin noch nicht berücksichtigt. Sie träfen im Wesentlichen die Geschäftsfelder Cars und Vans, hieß es. Die Vans liegen schon ohne die Zusatzkosten für 2019 mit dem operativen Ergebnis im Minus.

Die Daimler-Aktie notierte am Mittwochmittag auf die Nachricht hin 1,77 Prozent schwächer. Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel kommentierte, dass die Eckdaten der Stuttgarter eigentlich noch schlechter ausgefallen seien als befürchtet. Das sei keine gute Basis für das neue Jahr. Zudem könnten nun auch Bedenken hinsichtlich der Dividende aufkommen.

Reicht Källenius' Sparprogramm aus?

Die komplette Bilanz legt Daimler am 11. Februar vor. Angesichts der hohen Kosten auch in anderen Bereichen, vor allem beim Anlauf der Produktion von Elektroautos und der Entwicklung des automatisierten Fahrens, hat Vorstandschef Ola Källenius dem Konzern ein Sparprogramm verordnet. Bis Ende 2022 will er allein beim Personal rund 1,4 Milliarden Euro einsparen und dafür wohl mehr als 10.000 Stellen streichen. Außerdem sollen die Investitionen gedeckelt werden.

Ob das nun noch reicht, scheint fraglich. Das Sparprogramm dürfte schon bald erweitert werden, schrieb Nord-LB-Analyst Frank Schwope am Mittwoch. Er sprach von „katastrophalen Vorab-Zahlen“ für das Jahr, die Källenius vorgelegt habe – wobei man nicht außer acht lassen dürfe, dass der Schwede den Konzern schon in schlechtem Zustand übernommen habe. Auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen mutmaßt, dass die Sparvorgaben wohl eher noch strenger werden könnten. Källenius mache einen guten Job, urteilte er. Aber: „Er steht unter einem enorme Druck.“

Von den einst ausgegebenen langfristigen Renditezielen ist bei Daimler inzwischen keine Rede mehr. „Gegenwärtig ist mehr denn je Fahren auf Sicht angesagt“, analysierte Schwope. Noch Anfang des Jahres hatte Källenius' Vorgänger Dieter Zetsche das Jahr 2021 für die Rückkehr in den Korridor von acht bis zehn Prozent Rendite im Kerngeschäft mit Mercedes-Autos vorgegeben. Der Wert gibt Aufschluss darüber, wie viel vom Umsatz als operativer Gewinn übrig bleibt, und ist damit der Maßstab für die Profitabilität.

Inzwischen rechnet Källenius mit gut sechs Prozent im Jahr 2022. Derzeit sind es den vorläufigen Zahlen zufolge schmale vier Prozent. Auch mit gut sechs Prozent bei den Trucks ist man bei Daimler „ganz und gar nicht zufrieden“, wie Sparten-Chef Martin Daum schon vor knapp drei Wochen klargestellt hatte – zumal die Tendenz anders als bei den Pkw nach unten zeigt.

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