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Diess gegen Atomausstieg – Källenius gegen Rechts

| Autor / Redakteur: dpa / Jens Rehberg

Die beiden Chefs von Daimler und Volkswagen haben sich ungewohnt politisch geäußert. Der eine sorgt sich um die Stromversorgung, der andere um seine Firmenkultur.

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Kernkraftwerk Isar/Ohu
Kernkraftwerk Isar/Ohu
(Bild: Christmas 2011 / Christmas 2011 / Alf Altendorf / CC BY-SA 2.0 / CC BY-SA 2.0)

Die beiden Chefs von Daimler und Volkswagen haben sich auf unterschiedlichen Gebieten mit politischen Stellungnahmen klar positioniert. Der eine gegen die Energiewende, der andere gegen problematische Tendenzen in der eigenen Belegschaft.

Volkswagen-Chef Herbert Diess hält den bis 2022 geplanten Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie für verfrüht. „Ich würde erwägen, den Atomausstieg infrage zu stellen, ja, vor allem weil wir noch nicht über ausreichend regenerative Energiequellen verfügen“, sagte der VW-Manager der Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem Doppelinterview mit Grünen-Politiker Cem Özdemir. Diess hatte sich schon früher kritisch zum Atomausstieg geäußert.

„Solar- und Windenergie haben ihre Grenzen, wenn Sie sich anschauen, wie viele Felder schon zugebaut sind. Ich persönlich finde Windräder schön, aber das sehen viele Leute anders, die daneben wohnen“, fügte der VW-Chef hinzu. Die Kernkraft sei zudem sicherer geworden.

Özdemir hielt – wenig überraschend – in dem Interview dagegen: „Ich halte Atomkraft für eine nicht beherrschbare Technologie. Das Kapitel ist abgeschlossen.“ Bis Ende 2022 sollen alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden.

Källenius: „Daimler ist ein Motor für Integration“

Unterdessen hat Daimler-Vorstandschef Ola Källenius rechte Umtriebe im Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim scharf kritisiert. „Daimler ist nicht nur ein Innovations- und Jobmotor, sondern auch ein Motor für Integration“, betonte Källenius in einer auf deutsch und englisch veröffentlichten Erklärung am Mittwoch in Stuttgart.

Damit reagierte der Manager erstmals öffentlich auf ein Video der Gruppierung „Zentrum Automobil“, die sich selbst als „unabhängige Gewerkschaft“ bezeichnet. Darin wird die Entlassung von zwei Daimler-Beschäftigten als „völlig absurd“ bezeichnet. Ihnen wurde bereits 2018 gekündigt, weil sie einem türkischstämmigen Kollegen und Funktionär der IG Metall über Monate hinweg über den Messengerdienst Whatsapp Hitler- und Hakenkreuz-Bilder sowie verächtliche Bilder über Moslems zugesandt hatten. Darüber hatten zuvor „Report Mainz“ und der „Stern“ berichtet.

„In der Regel äußern wir uns nicht zu Kündigungen und laufenden Kündigungsschutzverfahren“, heißt es in der Daimler-Mitteilung. Der Film habe aber Irritationen verursacht. „Im Film kommt es aus Unternehmenssicht zu einer äußerst bedenklichen Verzerrung der Wahrnehmung zwischen Opfern und Tätern.“ Källenius erklärte weiter, der Autobauer sei so vielfältig wie seine Kunden. „Deshalb haben Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz bei uns keinen Platz.“ In Deutschland arbeiten Menschen aus über 150 Ländern bei Daimler.

Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht sagte, Rechtsextremismus habe bei Daimler nichts zu suchen. Es gebe auch keinen rechtsfreien Raum, wozu sich das Unternehmen durch die ausgesprochenen Kündigungen auch klar bekannt habe. „Die WhatsApp-Nachrichten verstoßen gegen unser Grundgesetz, was das Arbeitsgericht bestätigt hat.“ Daimler betonte, das Unternehmen habe die Kündigungsverfahren in erster Instanz gewonnen. „Das Gericht hat in den Urteilsbegründungen das rassistische und fremdenfeindliche Verhalten bestätigt.“

In Deutschland gehören nach Brechts Angaben bei Daimler 11 von insgesamt 755 Betriebsräten der Betriebsratsgruppe „Zentrum Automobil“ an. „Auch wenn es für meinen Geschmack elf Personen zu viel sind, sitzt in den Betriebsratsgremien eine überwältigende Mehrheit, die sich gegen rechts stellt.“

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