Halbjahreszahlen Durch E-Prämie gepushter Privatmarkt rettet die Neuwagenbilanz

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

Knapp 6 Prozent mehr Neuzulassungen im ersten Halbjahr – die Zahl klingt erst einmal gut. Doch ein näherer Blick auf die Absatzkanäle zeigt einige ungesunde Entwicklungen. Und der Privatmarkt legt natürlich auch wegen der staatlichen E-Förderung zu.

Die Neuwagenauslieferungen haben im ersten Halbjahr 2026 knapp sechs Prozent zugelegt. Doch hinter dem Plus stecken auch negative Entwicklungen.(Bild:  Grimm – VCG)
Die Neuwagenauslieferungen haben im ersten Halbjahr 2026 knapp sechs Prozent zugelegt. Doch hinter dem Plus stecken auch negative Entwicklungen.
(Bild: Grimm – VCG)

Das Plus der Neuzulassungszahlen um 5,8 Prozent im ersten Halbjahr lässt sich auf zwei zentrale Effekte zurückführen, die beide jedoch nicht zwingend für eine nachhaltige Entwicklung stehen. Wie aus einer Analyse des Neuwagenmarkts durch die Marktforschung Dataforce hervorgeht, hat im ersten Halbjahr 2026 einerseits der Privatkundenkanal zugelegt. Andererseits sind die Auslieferungen an die Vermieter deutlich gestiegen.

Das Plus im Privatkundensegment um 10 Prozent ist zunächst ein positives Zeichen. Allerdings geht der Anstieg insbesondere auf das Wachstum der Elektromobilität zurück, das wiederum durch die staatliche Kaufförderung für BEV und PHEV angefacht wurde. Allein im Juni explodierten die privaten BEV-Neuzulassungen laut Dataforce um 155 Prozent. Der Absatz der reinen E-Fahrzeuge stieg im ersten Halbjahr um 48 Prozent, PHEV legten um 18 Prozent zu (über alle Vertriebskanäle hinweg). In absoluten Zahlen wuchsen die Absatzvolumina dieser Antriebsarten um 119.000 bzw. 25.000 Einheiten.

Ebenfalls deutlich zugelegt haben die Neuzulassungen durch die Autovermieter, nämlich um 18 Prozent oder rund 29.000 Einheiten. Das verwundert ein wenig vor dem Hintergrund der allgemein schwierigen wirtschaftlichen Lage und anderer krisenhafter Entwicklungen. Dazu kommt ein Anstieg der Eigenzulassungen der Hersteller und Importeure (+8 % /10.000 Einheiten). Diese Entwicklungen seien „eher unvorteilhaft zu bewerten, da es sich um vermehrte taktische Zulassungen handeln dürfte“, heißt es dazu von Dataforce.

Der zweite große Vertriebskanal mit realer Nachfrage ist das Gewerbekundengeschäft. Hier zeigte sich im ersten Halbjahr bestenfalls eine Stagnation: Die Zulassungszahlen fielen zwischen Januar und Juni um rund ein Prozent – sehr wahrscheinlich schlagen sich hier die wirtschaftlichen Unsicherheiten in aufgeschobenen Investitionen nieder. Die E-Förderung kann dagegen im Firmenkundengeschäft keine Impulse setzen. Trotzdem kamen BEV und PHEV zusammen auf 47 Prozent Marktanteil im ersten Halbjahr.

Eine Punktlandung im ersten Halbjahr schaffte der Fahrzeughandel. Die Vertriebspartner ließen ebenso viele Neuwagen auf den eigenen Namen zu wie im Vorjahreszeitraum, nämlich 231.000 Einheiten. Hochgerechnet aufs Gesamtjahr erwarten die Dataforce-Analysten derzeit einen Neuwagenabsatz von knapp unter drei Millionen Einheiten.

Transportermarkt hängt hinterher

Die Zurückhaltung der gewerblichen Kunden zeigt sich ebenfalls in der Entwicklung der Transporter-Neuzulassungen. Unter diesem Begriff fasst Dataforce die Absatzentwicklung der leichten Nutzfahrzeuge und Pkw-Utilities zusammen. Die Nachfrage entwickelte sich im ersten Halbjahr 2026 schlechter als bei den Pkw. Der Absatz schrumpfte um 2 Prozent, in absoluten Zahlen um knapp 4.000 Fahrzeuge. Allerdings waren sowohl die Privat- als auch die Flottenkunden schwerer zu begeistern als im Vorjahreszeitraum. Im Privatmarkt sank der Absatz um knapp 3.200 Einheiten, die Flotten-Nachfrage ging um 3.400 Einheiten zurück.

Die taktischen Kanäle konnten dagegen alle zulegen. Dies spreche für einen schwachen Markt, „da hier unverkaufte Volumina an den Mann gebracht werden können“, bringt die Dataforce-Analyse die Entwicklung auf den Punkt. Der Fahrzeugbau lag an der Spitze mit einem Zulassungsplus von 9 Prozent, gefolgt vom Fahrzeughandel mit 3 Prozent und den Vermietern mit einem Prozent.

Die Elektrozulassungen sind im Transportermarkt weiter auf dem Vormarsch mit einem Anstieg in den ersten 6 Monaten um etwa die Hälfte. Allerdings sind damit immer noch nur 11,2 Prozent der Transporter-Neuzulassungen elektrifiziert, während es im Gesamtmarkt knapp 25 Prozent sind. „Bei gewerblichen Flotten und Transportern dämpft die wirtschaftliche Unsicherheit das Volumen, auch wenn die Elektrifizierung hier ebenfalls stark voranschreitet. Zunehmende taktische Zulassungen deuten jedoch auf anhaltenden Druck im Markt hin“, bilanziert Dataforce-Analyst Julian Litzinger.

(ID:50895332)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung