Durst: Zimmer frei im Oldtimerhotel

Zahlreiche Restaurierungsgewerke an einem Standort

| Autor: Steffen Dominsky

Freiheit in Sachen Restaurierung: Das Oldtimerhotel Saalfeld und Durst-Lackieranlagen bieten Wellness für den automobilen Klassiker.
Freiheit in Sachen Restaurierung: Das Oldtimerhotel Saalfeld und Durst-Lackieranlagen bieten Wellness für den automobilen Klassiker. (Bild: Dominsky)

Auferstanden aus Ruinen ist einst nicht nur das eine Deutschland nach dem Krieg. Auch ein Spezialist für die Fertigung von Lackieranlagen, die Firma Durst – gegründet im bayerischen Pfaffenhofen Ende der Fünfzigerjahre, stand Ende der Neunziger vor bzw. in der Insolvenz. Und auch sie stand kurze Zeit später wieder auf: 2002 übernahm der Durst-Mitarbeiter Hubert Hess zusammen mit einem Partner das, was nach dem Crash übrig geblieben war. Zwei Jahre später eröffneten die beiden das Unternehmen wieder in Hess’ Heimat im thüringischen Saalfeld als Servicebetrieb. Stück für Stück ging’s bergauf. Ein Grund für den Erfolg war die Tatsache, dass Durst nun nicht mehr nur ausschließlich Anlagen für die Fahrzeugreparaturlackierung fertigte, sondern auch für diverse Industrieanwendungen. Das Portfolio umfasst seit rund fünf Jahren auch Kabinen zum Strahlen und Pulvern.

Doch Hess hatte nicht nur geschäftlichen Erfolg. Er hatte auch jede Menge Platz. Fast fünf Hektar! Das Gelände einer alten Großbäckerei bot und bietet nicht nur jede Menge Raum zum Bau besagter Anlagen. Es bietet dank eines historischen Gebäudekomplex auch ideale Voraussetzungen dafür, ebenso historisch Interessantes aufzubahren – z. B. alte Automobile und Zweiräder. Denn auch davon hat der Firmeninhaber eine ganze Menge: Über die Jahre hinweg hatte Oldtimerfan Hess einen wahren Fuhrpark angesammelt. Diesen nicht nur angemessen unterzubringen, sondern auch Dritten zu zeigen, aus diesem Ansatz entwickelte sich eine Idee. Und aus der Idee das „Oldtimer Hotel Saalfeld“. Seit letztem Jahr ist es im Betrieb und fungiert einerseits als hochwertige Unterstellmöglichkeit von Oldtimern – auch Fremder –, andererseits als das, was man neudeutsch mit „Eventlocation“ bezeichnet. Hier lassen sich für Oldtimer-Fans Feiern unterschiedlichster Art arrangieren und natürlich auch für alle, die einfach „nur“ ein ausgefallenes Ambiente für ihre Sause suchen.

Mehr als nur Oldtimer aus- und unterstellen

Doch der Firmenstandort in der Paul-Auerbach-Straße bietet Besitzern klassischer Fahrzeuge noch viel mehr. Nämlich (fast) all das, was beinah jeder von ihnen früher oder später benötigt, um sein Schätzchen zu erhalten oder es in einen angemessenen Zustand zurückzuversetzen: eines von diversen automobilen Oldtimergewerken. Wer Anlagen zum Lackieren von Fahrzeugen herstellt, der wird früher oder später mit der Frage konfrontiert: „Kannst Du nicht auch mal meinen Wagen lackieren?“ Verständlich, dass man sich als Hersteller diesem „Wunsch“ irgendwann beugt, schließlich gilt es ja, die eigene Technik adäquat auszuprobieren. Die selbe Frage stellten dann aber auch Eigner von Oldtimern. Die Herausforderung hier: Die Lackierung eines Oldtimers ist etwas ganz anders als die eines typischen Neuwagens, bedingt eigene Abläufe und damit irgendwie auch eine separate Anlage.

Vor allem bedingt sie zuerst etwas ganz Elementares, nämlich das Beseitigen von mehr oder minder viel Eisenoxid, sprich Rost. Ergo sorgte Hubert Hess dafür, dass sich mit Robin Seifarth und seinem „Strahlwerk Deluxe“ ein Unternehmen auf dem Durst-Gelände niederließ, das mithilfe unterschiedlicher Strahlverfahren und -mittel Dreck, alten Lack und Spachtel sowie eben Rost entfernt. Quasi ergänzt wird das Dienstleistungsangebot von Strahlwerk von der Durst-eigenen Oldtimerlackiererei. Damit aber nicht genug! Wie jeder weiß, hinterlässt Strahlen oftmals ein gewisses „Nichts“ – wo einst Blech war, herrschen nun Löcher beliebiger Zahl und Größe. So lag es auf der Hand, ein passendes Gewerk bzw. einen passenden Dienstleister zu suchen. Gefunden wurde „Classic Constructions“, und Maximilian Zickhardt heißt der Mann, der dahinter steht. Als wahrer Blechvirtuose ist der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbaumeister nicht nur in der Lage, Löcher zu „stopfen“, sondern bei Bedarf auch ganze Karosserien anhand von Fotos, Zeichnungen und Fragmenten nachzufertigen.

Dem durstschen Muster folgend siedelten sich im Laufe der Zeit weitere Gewerke als selbstständige Unternehmen auf dem Gelände in Saalfeld an. So kümmert sich z. B. David Sehrer um all das, was mit Strom zu tun hat: von der kompletten Neuverkabelung eines Klassikers bis hin zum unsichtbaren Einbau moderner Unterhaltungselektronik. Und seit wenigen Wochen ergänzen eine Sattlerin und ein Motorenbauer das Angebot rund um das Oldtimerhotel. „Weitere Neuansiedelungen sind nicht ausgeschlossen“, erklärt Willi Schaup, der sich bei Durst ums Marketing und als stellvertretender Oldtimer-Hotelier auch um das Thema Restaurierung kümmert. Weitere Informationen unter oldtimerhotel-saalfeld.de.

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