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EFCTC: Illegaler Kältemittelhandel floriert

| Autor: Steffen Dominsky

Trotz angeblich verbesserter Kontrollen gelangten auch 2019 wieder große Mengen R134a illegal in die EU. Werkstätten, die solches in den Verkehr bringen, machen sich strafbar.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Laut der Wirtschaftskanzlei Kroll sind auch 2019 große Mengen illegal importierter Kältemittel (sogenannte HFKW, Fluorkohlenwasserstoffe) auf den EU-Markt gelangt – trotz verbesserter Kontrollen und intensivierter Strafverfolgung. Die Untersuchungen zeigten zudem die unterschiedlichen Wege der illegalen Gase. Das enorme Ausmaß des Problems werde so einmal mehr verdeutlicht, berichtet der Europäische Technische Ausschuss für Fluorkohlenwasserstoffe (EFCTC), ein Zusammenschluss von Unternehmen der Klimabranche.

Im Rahmen der vom EFCTC beauftragten Studie ging die Kanzlei Kroll zwischen März und Dezember 2019 insgesamt 228 Meldungen illegaler Aktivitäten nach. Dabei seien Hunderte von Lieferungen identifiziert worden – viele davon aus China. Die Informationen wurden mit den Vollzugsbehörden in zwölf EU-Mitgliedsstaaten geteilt.

Zahlreiche Produkte werden online angeboten

Als Ergebnis konnten geltende Gesetze noch einmal deutlich verstärkt durchgesetzt werden. Dies bestätigen etwa jüngste Beschlagnahmungen in Bulgarien und Italien. Auffällig ist dabei, dass viele der gemeldeten Aktivitäten sich auf Einwegbehälter beziehen, die in der EU verboten sind. Zahlreiche Produkte wurden dabei auf Online-Markplätzen wie „Ebay“, „OLX“ oder „Marktplaats“ angeboten.

Kroll deckte zudem auf, dass die illegalen Kältemittel vor allem durch fehlgeleitete Umladungen, Missbrauch der vorgegebenen Quoten, offenen Schmuggel sowie als gefälschte Produkte in die EU gelangen.

Insgesamt lieferte die Kanzlei Beweise für mindestens 3.000 Tonnen illegal gehandelter HFKWs. Das entspricht einem CO2-Äquivalent von 4,7 Millionen Tonnen – vergleichbar mit dem jährlichem CO2-Ausstoß von 3,5 Millionen neuer Pkw. Dabei handelt es sich laut EFCTC vermutlich um die vielzitierte Spitze des Eisbergs.

Ländern entgehen Steuereinnahmen

Illegale Importe im großen Umfang konterkarieren nicht nur die Klimaziele der EU, sondern finanzieren weitere illegale Aktivitäten und verringern zudem die Steuereinnahmen der Länder durch die entgangene Mehrwertsteuer.

Immerhin sieht die EFCTC Licht am Ende des Schmuggel-Tunnels: „Die neuen Erkenntnisse zeigen erste Erfolge in den Bemühungen, illegale Importe zu stoppen. Die 228 Meldungen, die aus ganz Europa über die Action-Line eingegangen sind, haben es ermöglicht, einige der illegalen Sendungen nachzuvollziehen, um mehr über Herkunft, Zielorte und Transportwege zu erfahren“, erklärte Mark Vergnano, Vorstandsvorsitzender und CEO von The Chemours Company und Mitglied des EFCTC.

Verdächtige Mittel können gemeldet werden

Hinter besagter Action-Line steht ein Portal, auf dem auch Werkstätten verdächtige Kältemittelangebote anonym melden. Wie schwer sich allerdings die Behörden hierzulande nach wie vor tun, den illegalen Kältemittelimport in den Griff zu bekommen, ist auch in folgendem Plus-Beitrag (nur für Abonnenten) zu sehen.

Für Kfz-Betriebe ist wichtig zu wissen: Wer illegal HFKWs in Verkehr bringt, also zum Beispiel eine Fahrzeugklimaanlage mit einem solchen befüllt, dem droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group