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Kältemittel: Schwarze Tulpen

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Der EU gelingt es nicht, die Einfuhr klimaschädlicher Kältemittel wie geplant zu reduzieren. Stattdessen blüht der illegale Import mit R134a wie Tulpen zu Ostern. Werkstätten, die solche „Schwarzware“ verwenden, machen sich strafbar.

Einen schönen Schein vermittelt die F-Gase-Verordnung der EU. Die Realität: eine andere. Große Mengen R134a gelangen seit über einem Jahr in die EU. Überwachungsbehörden sind überfordert, auch hierzulande.
Einen schönen Schein vermittelt die F-Gase-Verordnung der EU. Die Realität: eine andere. Große Mengen R134a gelangen seit über einem Jahr in die EU. Überwachungsbehörden sind überfordert, auch hierzulande.
(Bild: ©Dmitry Tsvetkov - stock.adobe.com)

Welcher Spruch stimmt? „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!“ oder „Nichts wissen macht auch nichts!“ Bingo! War gar nicht so schwer, oder? Ja, auch Kfz-Betrieben bringt es nichts, sich beim Thema Kältemittel im Allgemeinen und R134a im Speziellen dumm zu stellen. Wie bekannt, hat der seit rund drei Jahrzehnten als Standard dienende Stoff in den letzten Jahren eine steile Karriere hingelegt. Aus einst 60, 70 Euro für die 12-kg-Flasche wurden 2018 satte 500 Euro – irre! Verantwortlich dafür ist die sogenannte „F-Gase-Verordnung“, die stufenweise Reduzierung der nach Europa legal einführbaren Fluor-Kältemittel (FKWs) durch die EU (siehe »kb«-Ausgaben 13/2018 und 13/2019).

Wo einerseits ein hoher Bedarf besteht und andererseits der legale Import reglementiert bzw. verboten ist, ist der illegale Import meist nicht weit. Was für Zigaretten und Drogen gilt, gilt auch für R134a. Denn weshalb fiel der Preis für eine Flasche im vergangenen Jahr wieder auf bis zu „nur“ 160 Euro? Genau: Weil mittlerweile eine erheblich Menge R134a illegal nach Europa gelangt. Illegal heißt: oberhalb der von der EU definierten Importgrenzen. Die betragen aktuell 63 Prozent der Menge, die von 2009 bis 2012 im Mittel importiert wurde. Im kommenden Jahr reduziert sich diese auf nur noch 45 Prozent.