L.A. Autoshow 2021 Eine Messe der Mobilität fast wie in alten Zeiten – nur elektrisch

Von Stefan Grundhoff

Der Corona-Krise zum Trotz dreht die L.A. Autoshow zum Jahresabschluss noch mal auf, allerdings fast ohne europäische Aussteller. Benzin-Fans unter den Besuchern müssen stark sein: Auch im Land der unbegrenzten Hubräume sind fast alle Neuheiten elektrisch.

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Die Messeszene ist wieder da – zumindest die Autoshow in Los Angeles hatte wichtige Neuheiten zu bieten – und Publikum.
Die Messeszene ist wieder da – zumindest die Autoshow in Los Angeles hatte wichtige Neuheiten zu bieten – und Publikum.
(Bild: Grundhoff/pressinform)

Porsche lässt am Pazifik zum automobilen Jahresende einmal mehr seine Muskeln spielen. Während andere europäische Autohersteller der einstigen Imagemesse im kalifornischen Herbst längst die kalte Schulter gezeigt haben, sieht das bei den Zuffenhausenern völlig anders aus. Porsche präsentiert auf seiner ausgewiesenen Lieblingsmesse einerseits mit dem GTS das abschließende Derivat der prall gefüllten Taycan-Baureihe – inklusive Kombiversion des Sport Turismo – mit über 500 Kilometer elektrischer Reichweite.

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Andererseits glänzt mit dem 718 Cayman GT4 RS die wilde Kirsche auf der hauseigenen Motorsportsahne. 368 kW/500 PS und 315 km/h Spitze aus dem Sechszylinder-Sauger-Boxermotor und eine versteckt eingebaute Rennlizenz lassen den sportlichsten aller Porsche Cayman dem 911 GT3 mächtig auf die Pelle rücken. Einer der direkten Wettbewerber setzt auch im Los Angeles Convention Center ein Ausrufezeichen: General Motors zeigt seine beeindruckende Sportversion der Corvette Z06 – mit 493 kW/670 PS starkem V8 ohne jeden Elektrifizierungsgedanken.

So sehr Porsche auf die Pauke haut und seine neuen Modelle auf dem wohl wichtigsten Markt ins rechte Licht setzt, so dünn sieht es bei den anderen Firmen aus Europa aus. Die meisten Hersteller haben sich von den internationalen Automessen abseits von China verabschiedet, und die neuen Elektromarken wie Tesla, Nio oder Rivian haben ebenfalls einen anderen Fokus.

Hyundai zeigt Flagge und Zukunft

Die Strategen des Hyundai-Konzern schätzen die Lage wohl anders ein, denn die Koreaner sind mit beiden Volumenmarken Hyundai und Kia auf der L.A.-Messe selbstbewusster denn je vertreten. Eine echte Schau ist dabei der Hyundai Seven, ein sehenswerter Luxus-Crossover, der zeigt, wohin die Koreaner in den nächsten Jahren wollen – ins Premiumsegment.

Der deutlich über fünf Meter lange Crossover basiert auf der hauseigenen Electric Global Modular Platform, einer speziellen BEV-Architektur, und macht wie schon der kleinere Ioniq 5 mit einem wohnlichen Innenraum und markanten LED-Leuchteneinheiten auf sich aufmerksam. Durch den 350-kW-Charger kann das Luxus-SUV sein Akkupaket in 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent nachladen. Er kommt nach Herstellerangaben auf eine maximale Reichweite von knapp 500 Kilometern.

Eine Spur zu ähnlich sieht es mit dem Kia EV9 aus. Der EV9 ist ein Zwillingsmodell des Hyundai Seven. Und so mag man darüber grübeln, wieso ein Konzern das vermeintliche Schwesterfahrzeug auf der gleichen Messe nur ein paar Hundert Meter weiter zeigt. Der Kia EV9 wirkt noch gefälliger als der Ausblick auf den Ioniq 7 und ist dabei deutlich realitätsnäher.

Vinfast verstärkt die asiatische Welle

Doch auch der überlappende Messeauftritt ändert nichts daran, dass die Koreaner in Los Angeles diejenigen sind, die den Ton angeben. Während sich die Europäer abgesehen von Porsche und Jaguar Land Rover weitgehend vom US-Messegeschäft verabschiedet haben, spielen neben den Koreanern auch andere Asiaten groß auf.

Dabei ist auch Vinfast mit dem neuen deutschen CEO Michael Lohscheller, der auf der Autoshow nicht nur die beiden neuen elektrischen SUV-Modelle VF e36 und VF e35 vorstellt, sondern gleich noch die US-Zentrale des vietnamesischen Konzerns in Los Angeles ansiedelt. „Unsere Zukunft ist elektrisch, und mit den beiden neuen SUVs werden wir im vierten Quartal 2022 auch nach Deutschland kommen“, bestätigt der ehemalige Opel-CEO.

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Mazda zeigt auf der Los-Angeles-Messe mit dem CX-50 den neuen Crossover für den US-Markt. Der CX-50 ist dabei der erste Mazda, der in dem neuen Kooperationswerk von Mazda-Toyota in Huntsville/Alabama hergestellt wird. Eine große Nummer in den USA ist Subaru. So überrascht es nicht, dass der Messestand der Allrad-Japaner der bei Weitem größte auf der amerikanischen Leistungsschau ist.

Elektro-Einstieg von Toyota und Subaru

Erstmals zu sehen: der Subaru Solterra als Zwillingsmodell des elektrischen Toyota bZ4X, der ebenfalls erstmals in der Millionenmetropole am Pazifik zu bestaunen ist. Nissan, in Europa beinahe in der Versenkung verschwunden, glänzt in Downtown Los Angeles mit dem Elektro-Crossover Ariya und dem coolen Nissan Z deutlich mehr als in unseren Breiten.

Viel Aufsehen bekommt ein paar Meter weiter das neue Luxus-SUV Lexus LX 600, das mit Modellen wie dem Lincoln Navigator oder dem ebenfalls neuen Range Rover gleich zwei seiner ärgsten Wettbewerber in einer Messehalle trifft. Eine eher endlose Geschichte scheint die des Fisker Ocean zu werden. Zum wiederholten Male zeigt Henrik Fisker die Serienversion seines Elektro-SUVs. Doch nach wie vor steht nicht fest, ob und wann der durchaus sehenswerte Crossover einmal auf die internationalen Märkte kommen soll.

Da sieht es mit dem elektrischen Ford F-150 Lightning schon besser aus. Er könnte in den USA zu einem echten Gamechanger werden. Mit mehr als 150.000 Vorbestellungen nährt das meistverkaufte US-Auto der vergangenen vier Jahrzehnten bei vielen anderen Herstellern auch abseits von Tesla die Hoffnung auf den großen Wechsel zum Elektrotrend. Doch der hat an sich längst begonnen – sichtbar auf der Los Angeles Autoshow 2021.

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