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Elektromobilität: Laden ist teurer als Tanken

Autor: Viktoria Hahn

Um den Absatz von Elektroautos anzukurbeln, fördert der Staat den Kauf von Stromern derzeit mit hohen finanziellen Anreizen. Außerdem wird mit niedrigen Betriebskosten geworben. Doch dieser versprochene langfristige Vorteil von E-Autos droht zu schmelzen.

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Ein E-Golf verbraucht laut ADAC Ecotest auf 100 Kilometer 17,3 Kilowattstunden. Bei einem Haushaltsstrompreis von 31 Cent pro Kilowattstunde entstehen Kosten von 5,36 Euro – und damit mehr als beim regulären Dieselmodell.
Ein E-Golf verbraucht laut ADAC Ecotest auf 100 Kilometer 17,3 Kilowattstunden. Bei einem Haushaltsstrompreis von 31 Cent pro Kilowattstunde entstehen Kosten von 5,36 Euro – und damit mehr als beim regulären Dieselmodell.
(Bild: VW)

Seit Monaten befeuert die Bundesregierung den Absatz von Elektrofahrzeugen mithilfe der sogenannten Innovationsprämie. Käufer können aufgrund der finanziellen Anreize derzeit tausende Euro beim Erwerb von Stromern sparen – und das Vorgehen des Staates zahlt sich offenbar aus: Die Zulassungszahlen von E-Autos steigen stark an. Im September wiesen die alternativen Antriebsarten im Vergleich zum Vorjahresmonat teils dreistellige Zuwächse auf.

Doch gleichzeitig scheint ein großer Vorteil der Elektroautos verloren zu gehen, den viele – wohl auch angesichts des „Prämienregens“ – aus den Augen verlieren: Das Versprechen, dass man mit einem E-Fahrzeug langfristig durch niedrigere Ladekosten spart, steht laut einem Bericht des „Spiegels“ aktuell auf sehr wackeligen Füßen.

Experiment: Diesel-Golf vs. E-Golf

Ein Beispiel: Laut dem Automobilclub ADAC lag der Diesel-Preis im Juni, also noch vor der Mehrwertsteuersteuersenkung, im Durchschnitt bei 108,6 Cent. Bei einem aktuellen VW Golf mit einem 150 PS starken Zweiliter-TDI, der laut ADAC Ecotest auf 100 Kilometer 4,8 Liter Diesel verbraucht, lägen die Kosten für diese Strecke somit bei 5,21 Euro. Zum Vergleich zog der „Spiegel“ ein aktuelles E-Modell heran: Ein E-Golf verbraucht laut ADAC Ecotest auf 100 Kilometern 17,3 Kilowattstunden. Bei einem Haushaltsstrompreis von 31 Cent pro Kilowattstunde entstehen Kosten von 5,36 Euro – und damit mehr als beim regulären Dieselmodell.

Eindeutig gravierender wird die Gegenüberstellung, wenn man sein E-Auto nicht zuhause lädt, sondern an öffentlichen Stromtankstellen oder Schnellladesäulen – insbesondere an Autobahnen: So kostet beispielsweise beim Schnellladesäulen-Betreiber Ionity an der Autobahn eine Kilowattstunde 77 Cent. 100 Kilometer Fahrstrecke mit dem E-Golf kosten also 13,32 Euro und damit mehr als das Doppelte im Vergleich zum Diesel-Modell.

Um die Masse zu überzeugen, müssen die Betriebskosten von E-Autos sinken

Dieser eindeutige Kostennachteil könnte künftig zu einem Hindernis für die Elektromobilität werden: „Die Energiekosten alternativer Antriebe entwickeln sich in die gegenteilige Richtung der Fahrzeugpreise“, erklärte Eric Heymann, Ökonom bei Deutsche Bank Research, gegenüber dem „Spiegel“. „In den nächsten Jahren werden E-Autos auch im Volumensegment nicht mehr viel teurer sein als Verbrenner“, so Heymann weiter. Wolle man die Masse der Käufer aber vom E-Auto überzeugen, müssten dessen Betriebskosten niedriger sein als die der Verbrenner-Modelle.

Denn Autofahrer würden generell vermehrt auf die Kosten pro gefahrenem Kilometer achten. Und obwohl der Wertverlust der größte Kostenfaktor beim Autobesitz sei, spiele er für viele Privatkunden nur eine untergeordnete Rolle, meinte Heymann.

Erhöhung des CO2-Preises im Verkehr

Ruth Blanck vom Ökoinstitut forderte deshalb im Gespräch mit dem „Spiegel“: „Die Energiekosten eines Verbrenners dürfen nicht unter denen eines Elektroautos liegen. Langfristig muss elektrisches Fahren günstiger sein“. Man sei hierzulande zu stark darauf fixiert, Elektroautos in den Markt zu bringen, tue aber zu wenig dafür, Verbrenner unattraktiver zu machen. Durch Subventionen vergünstigte Strompreise halten aber sowohl Blanck als auch Ökonom Heymann nicht für den richtigen Weg.

Einen Schritt in Richtung fossile Kraftstoffe unattraktiver machen, ist der Bund nun Anfang Oktober gegangen: Die Abgeordneten beschlossen auf Drängen der Grünen einen höheren CO2-Preis im Verkehr und bei Gebäuden ab 2021. Statt der ursprünglich von der Großen Koalition anvisierten 10 Euro startet der Emissionshandel nun mit 25 Euro pro Tonne.

Fahrer von Benzinern und Dieseln werden das zwar an der Tankstelle spüren. Der CO2-Aufschlag von rund 7 Cent pro Liter Benzin und 7,9 Cent pro Liter Diesel sei aber hochgerechnet nicht drastisch genug, ist sich Heymann sicher. Glaubt man der Prognose des Ökonomen, wird sich auch im kommendem Jahr nichts an dem Problem der vergleichsweise hohen Betriebskosten für elektrisches Fahren ändern.

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Über den Autor

 Viktoria Hahn

Viktoria Hahn

Volontärin des Newsdesk von »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG