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Fachleute kontern ASC-„Denkanstoß“ zu H-Kennzeichen

| Autor: Steffen Dominsky

Mit einer abstrusen Forderung hat ein Landespräsident des „Allgemeinen Schnauferl-Clubs“ (ASC) mächtig Wellen geschlagen. Seiner Meinung nach sollte der Oldtimer-Nachwuchs gestoppt werden. Jetzt 30 Jahre alt werdende Fahrzeuge sollten kein historisches Kennzeichen erhalten.

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Junger Oldtimer: Fahrzeuge wie dieses sind dem ASC ein Dorn im Auge.
Junger Oldtimer: Fahrzeuge wie dieses sind dem ASC ein Dorn im Auge.
(Bild: Dominsky)

Auf den ersten Blick klingt sie wie ein Aprilscherz, bzw. man fühlt sich an das Meldungsmodell von Typ „Sommerloch“ erinnert: Hauptsache irgendwas herausposaunt. Die Rede ist von einem Kommentar, den Rudolf Körper, Präsident der ASC-Landesgruppe Württemberg-Hohenzollern, kürzlich in der Zeitschrift „Motor Klassik“ abgegeben hat. Zur Erklärung: Der bereits 1900 gegründete Allgemeine Schnauferl-Club ist einer der ältesten deutschen Automobilklubs. Er setzt sich vor allem für Fahrzeuge aus der Vor- und Nachkriegszeit ein. Junge Oldtimer oder gar Youngtimer sind ihm schon seit Längerem ein Dorn im Auge.

Auf jeden Fall rief der ASC-Landesfürst unter dem Titel „Zehn Jahre Pause für den H-Zulassungsnachwuchs?“ dazu auf, das H-Kennzeichen für die Baujahre 1990 bis 1999 auszusetzen. Körper fürchtet den „Volkszorn“, wenn „der kräftige V8 seine Abgase ungereinigt in die Luft bläst neben einem Euro-4- oder Euro-5-Diesel, der alsbald draußen bleiben muss“. Diese Autos würden seiner Ansicht nach zusammen mit steigenden Fahrleistungen dazu beitragen, das Argument „geringe Anzahl und niedrige Fahrleistungen“, das man selbst ernannten Umweltrettern im Hinblick auf das H-Kennzeichen bis dato entgegenhalten konnte, zu untergraben. Schließlich dürfen Fahrzeuge mit H-Kennzeichen auch ohne Katalysator in Umweltzonen einfahren, zudem gilt eine gedeckelte Kfz-Steuer von jährlich 191 Euro.

Jeder Oldtimer wird begutachtet

Was der gute Herr Körper bei seiner Betrachtung vermutlich in Unkenntnis der automobilen Technik ausblendet, ist die Tatsache, dass seit 1. Januar 1989 eine Kat-Pflicht für Benzinfahrzeuge gilt. D. h., sämtliche Pkws aus dem „auszusetzenden“ Zeitraum sind gar nicht das, wofür unaufgeklärte Zeitgenossen sie halten: Dreckschleudern. Auch ein anderes Argument des ASC-Vertreters läuft bei sachlicher Betrachtung des Themas ins Leere. Denn jeder einzelne Wagen der von Körper gemeinten VW Golf III, Opel Astra oder Ford Escort bzw. sonstiger „günstiger Gebrauchter“ muss schließlich gemäß § 23 StVZO eine amtliche Abnahme bestehen, um in den H-Kennzeichen-Status zu gelangen. Es muss ihm einen guter Pflege- und Erhaltungszustand bescheinigt werden, und er darf keine Spuren unsachgemäßer Instandsetzung aufweisen.

Hinzu kommt: Je jünger ein Fahrzeug und desto besser seine Schadstoffklasse ist, desto uninteressanter ist es für den Besitzer aus wirtschaftlicher Sicht, seinem Schätzchen eine historische Zulassung zu verpassen. So kostet bereits heute ein Kleinwagen mit Katalysator und 1,2 Litern Hubraum weniger Steuern, als für ein H-Kennzeichen fällig werden (191 Euro im Jahr). Auch für einen Mazda MX-5 ist ein Saisonkennzeichen günstiger als die Zulassung mit H-Kennzeichen, rechnet in diesem Zusammenhang „Auto Motor und Sport“ vor, völlig zu Recht. Die von Herrn Körper befürchtete Junge-Oldtimer-Schwemme wird es so nicht geben.

Zone ist nicht gleich Zone

Auch vermischt er die beiden Gruppen „Umweltzone“ und „Fahrverbotszone“. Während Oldtimern (mit H-Kennzeichen) die Einfahrt in Erstere gestattet ist, werden bei Letzterer sämtlich Autos über einen Kamm geschoren: Wer nicht die entsprechende Euro-Norm erfüllt, wird ausgeschlossen – H-Kennzeichen hin oder her. D. h., dieses nutzt dann den vermeintlichen H-Kennzeichen-Altauto-Tricksern auch nichts. So sieht es auch der Vorsitzende des Parlamentskreises Automobiles Kulturgut im Bundestag, Carsten Müller (CDU): „Ein Moratorium beim H-Kennzeichen nur für bestimmte Baujahre ist gesetzlich nicht umsetzbar, zudem zeugt die Gleichsetzung von Umweltzonen und den Fahrverbotszonen für ältere Dieselautos von fachlicher Unkenntnis.“

Durch den entsprechenden Widerhall, den die Forderung des ASC-Landespräsidenten in den Medien und in der Politik ausgelöst hat, sah sich der Allgemeine Schnauferl-Club genötigt, zurückzurudern, obwohl die Aussagen zuvor mit dem ASC-Bundespräsidium abgestimmt waren. „Der Denkanstoß eines unserer Mitglieder, das H-Kennzeichen für zehn Jahre auszusetzen (...) war eine persönliche Aussage, die der Allgemeine Schnauferl-Club Deutschland e. V. so nicht teilt. Es ist natürlich zu erwarten, dass die 30-jährigen und damit H-Kennzeichen-fähigen Autos in größeren Stückzahlen auf uns zukommen. Es ist aber auch die Aufgabe der Prüfeinrichtungen wie TÜV, Dekra oder GTÜ, dafür zu sorgen, dass nur gut gepflegte und nicht umgebaute und verbastelte oder angerostete Fahrzeuge den Status ‚H-Kennzeichen‘ bekommen“, gab Uwe Brodbeck, Präsident des ASC-Gesamtclubs, jetzt bekannt.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group