Fachtagung 2018: Heiße Diskussion um die HUK

Telematik und Servicesteuerung sind keine Zukunftsmusik mehr

| Autor: Jan Rosenow

Die Fachtagung vermittelte 2018 wertvolles Wissen über Telematik und Servicesteuerung.
Die Fachtagung vermittelte 2018 wertvolles Wissen über Telematik und Servicesteuerung. (Bild: Stefan Bausewein)

Leidenschaftliche Diskussionen unter den Teilnehmern löste Bernd Holzinger, Geschäftsführer der HUK-Coburg Autoservice GmbH, mit seinem Vortrag auf der diesjährigen Fachtagung für freie Werkstätten und Servicebetriebe aus. Sein Unternehmen will die Kunden nicht mehr nur mit Unfallschäden, sondern auch mit ihren Wartungsaufträgen in die HUK-Partnerwerkstätten lotsen.

Ziel sei es, das Geschäft der K&L-Betriebe mit dem Fahrzeugservice zu stärken. Hier gab es viel Widerspruch von Teilnehmern, aber auch von Peter Börner, Präsident des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF): Sie befürchten, dass der Versicherer mit der Servicesteuerung die Stundenverrechnungssätze der Werkstätten drücken will – ebenso wie bei der Schadensteuerung.

Darüber hinaus besprach die Branche, was aus den freien Werkstätten wird, wenn vernetzte Fahrzeuge einen Großteil des Marktes ausmachen. Diese sind nämlich in der Lage, ihren Servicebedarf per Funk dem Hersteller mitzuteilen und ermöglichen dem Fahrer, per Knopfdruck einen Werkstatttermin zu vereinbaren – natürlich beim Markenpartner.

Stefan Vorbeck, Sprecher der Bundesfachgruppe freie Werkstätten im ZDK, richtete einen Appell an die Teilnehmer: „Nur durch die Digitalisierung gibt es eine Zukunft für die freien Werkstätten! Jeder Betrieb braucht hier sein eigenes Konzept.“ Hersteller und ihre Partnernetze seien durch die Telematik im Vorteil; dies könne zu einer Einschränkung des Wettbewerbs führen. Der Zentralverband des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes arbeitet dagegen mit an der Entwicklung eines einheitlichen, markenübergreifenden Telematikkonzepts, das wieder Chancengleichheit herstellen soll.

Arathymos: „Wir brauchen Zugang zum Auto!“

Wie das funktionieren soll, erklärte Neofitos Arathymos, Geschäftsführer Technik, Sicherheit und Umwelt bei ZDK, in seinem Vortrag: „Wir brauchen keine Daten, wir brauchen Zugang zum Auto“, betonte der Telematikexperte. Zwar hätten die Autohersteller den freien Marktteilnehmern zugesagt, ihnen Daten aus den Autos zur Verfügung zu stellen; diese seien aber nicht aktuell und hätten auch nicht die nötige technische Tiefe, als dass freie Werkstätten damit wirklich konkurrenzfähige Serviceangebote machen könnten. Auch müsse der Zugang zum Fahrzeugdisplay sichergestellt sein. Die heute üblichen Nachrüst-Telematiksysteme (Dongle) sind laut Arathymos nicht leistungsfähig genug dafür.

Trotzdem setzen die Player des freien Marktes wie Teilelieferanten und Großhändler sehr stark auf OBD-Dongles – schließlich sind sie die einzige Möglichkeit, überhaupt an Fahrzeug-Livedaten zu kommen. Christian Gabler von Carat und Elmar Bauer von ZF Aftermarket gaben in ihren Vorträgen einen Einblick in die Telematikkonzepte ihrer Unternehmen.

Carat will mit Drivemotive eine Plattform schaffen, auf der Autofahrer Angebote für alle Bedürfnisse rund um die Mobilität finden. Neben dem Kontakt zur Werkstatt sollen sie hier auch Mietwagen buchen, Tankstellen und Waschstraßen finden und vieles mehr. Drivemotive soll auch mit Dongles anderer Hersteller kommunizieren können – eventuell mit dem von ZF? Dieser heißt Vivaldi und gibt seine Daten an die Plattform Openmatics weiter, von der die Werkstätten sie dann beziehen und nutzen können. Elmar Bauer rechnet damit, dass bis zum Jahr 2025 rund 30 Prozent aller Autos mit einer nachgerüsteten Telematiklösung ausgestattet sein werden.

Drei Vorträge rundeten den Themenschwerpunkt „Daten“ ab: Der Anwalt und IT-Rechtsexperte Chan-jo Jun informierte über die Datenschutzgrundverordnung, »kfz-betrieb«-Redakteur Steffen Dominsky über Technische Daten und Reparaturinformationen sowie Unternehmensberater Reinhold Thalhofer über die Digitalisierung des Werkstattprozesses.

Dass sich freie Werkstätten über die Werkstattsteuerungsaktivitäten der Fahrzeughersteller und Versicherungen keine Sorgen machen müssen, wenn sie über eigene, professionelle Lösungen verfügen, um die Autofahrer in ihre Betriebe zu holen, beweisen Inhaber von Top-Betrieben des Deutschen Werkstattpreises. Die Kfz-Unternehmer Alexander Schmid, Karsten Homann und Simon Nowotni zeigten den Teilnehmern, wie sie es schaffen, ihre Werkstattauslastung zu sichern.

Jetzt anmelden zur Fachtagung 2019

Die Fachtagung für freie Werkstätten und Servicebetriebe fand 2018 zum 27. Mal statt. Rund 400 Teilnehmer konnten neun Fachvorträge hören und eine Fachmesse mit 45 Ausstellern besuchen. Sponsoren der Tagung waren die Automechanika sowie die Unternehmen BMW, Carbon, Euro Repar, GTÜ und Würth.

Die nächste Fachtagung findet am 19. Oktober 2019 statt. Hier geht es zur Anmeldung.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45558420 / Service)

Plus-Fachartikel

Jaguar Land Rover: Ins Wanken geraten

Jaguar Land Rover: Ins Wanken geraten

Während Jaguar in Deutschland nach wie vor wächst, leidet die Erfolgsmarke Land Rover stark unter der Dieselkrise. Für die Händler, die mehrere Millionen Euro in ihre Betriebe investiert haben, ist die aktuelle Situation kein Zuckerschlecken. lesen

Influencer-Marketing: Meinungsmacher nutzen

Influencer-Marketing: Meinungsmacher nutzen

Blogger, Instagramer oder Youtuber sind inzwischen gefragte Werbepartner für viele Unternehmen. Auch für Autohändler kann eine solche Kooperation nützlich sein – wenn man sich seiner Ziele bewusst ist und auf die richtigen Partner setzt. lesen