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Flugtaxis: Gewecktes Interesse, unklare Umsetzung

| Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Der Traum vom Fliegen beflügelt die Fantasien für die Umsetzung von Flugtaxis, Start-ups haben ehrgeizige Pläne. Doch die Rahmenbedingungen sind noch viel unklarer als beim automatisierten Fahren.

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Ansätze für die Eroberung des Luftraums für die individuelle Mobilität gibt es viele. Doch noch fehlen die Rahmenbedingungen für den Flugbetrieb.
Ansätze für die Eroberung des Luftraums für die individuelle Mobilität gibt es viele. Doch noch fehlen die Rahmenbedingungen für den Flugbetrieb.
(Bild: Italdesign)

Während sich die Elektromobilität mühsam ihren Weg bahnt und die Autobauer Milliarden in das automatisierte Fahren pumpen, spielen die Passagiere mit weit futuristischen Gedanken. Laut einer Umfrage im Auftrag der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ würden sich 41 Prozent der Deutschen wünschen, in einem Flugtaxi unterwegs zu sein.

Dabei ist naturgemäß die Bereitschaft, neue Technik zu nutzen, bei den Jüngeren deutlich ausgeprägter als bei den älteren Befragten. 65 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wünschen sich Flugtaxis und unbemannte Drohnen für kurze Strecken. Allerdings gibt die Umfrage keinerlei Auskunft, wie viel Geld die Interessenten bereit wären, für die Nutzung oder die Infrastruktur zu zahlen.

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Auch andere neue Formen der Mobilität wie das Carsharing, das Flixbus-Angebot oder Mitfahr-Apps sind bei den jüngeren Verkehrsteilnehmern auf höhere Akzeptanz gestoßen als bei älteren Menschen. Auf das eigene Auto verzichtet am Ende aber kaum jemand, auch wenn laut der Umfrage ein Drittel der Befragten auf den Besitz eines Autos verzichten und stattdessen Sharing-Angebote nutzen würde. Letztlich bedienen Start-ups wie Volocopter, Kitty Hawk oder Lilium Aviation wohl vor allem die Hoffnung, den Traum vom Fliegen für jeden real werden zu lassen.

Auch die Politik ist offen für das Trendthema Lufttaxis. Jüngst hatten Audi und Airbus im Bundeskanzleramt eine Absichtserklärung für einen Flugtaxi-Testbetrieb in der Region Ingolstadt unterzeichnet. Es ist Teil der Initiative „Urban Mobilty“ der EU. Und insbesondere führende Politiker der CSU geben sich Flugtaxis gegenüber aufgeschlossen. Digitalministerin Dorothee Bär hatte das Thema schon im Frühjahr angeschnitten, und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht sich für ein Flugtaxi-Testgebiet in Oberbayern stark.

Konkret fassbar waren die futuristischen Überflieger auf der IAA 2017 in Frankfurt und zuletzt auf dem Genfer Salon 2018 mit dem Projekt „Pop.Up Next“, das Audi, die Unternehmenstochter Italdesign und Airbus vorgestellt hatten. Dahinter verbirgt sich die Idee einer ultraleichten, zweisitzigen Passagierkabine, die sich entweder an ein Auto- oder ein Flugmodul koppeln lässt. Wann ein Modellbetrieb aus dem Projekt heraus starten soll, ist aber noch unklar.

Die Prototypen sind bereits in der Luft

Das Start-up Lilium aus Weßling bei München jedenfalls will sein Elektro-Flugtaxi „in den frühen 2020er Jahren“ zum Fliegen bringen. Ziel sei es, Menschen für denselben Preis in der Luft zu befördern wie mit einem herkömmlichen Taxi auf der Straße, sagte Firmen-Mitgründer Patrick Nathen sagte am Dienstag auf dem Gründer- und Innovationskongress Daho.am in München.

Wie schnell Flugdrohnen ein Teil des Mobilitätsangebots werden können, ist von vielen Faktoren abhängig – etwa von den Städten, mit denen kooperiert werden muss, sowie von Genehmigungen und Zertifizierungen. Deshalb hielt auch Nathen eine konkrete Prognose für schwierig. Doch getestet wird bereits fleißig, zunächst mit einem zweisitzigen Fluggerät, noch in diesem Jahr soll ein Fünfsitzer folgen.

Dass das Thema Flugauto nicht ganz trivial ist, zeigt das Beispiel des US-Unternehmens Terrafugia, das seit 2017 zum Geely-Konzern gehört. Das Unternehmen hatte bereits 2009 mit dem Transition ein straßentaugliches Kleinflugzeug fertiggestellt. Der mehrfach angekündigte Marktstart hatte sich jedoch immer wieder verschoben. Jetzt hat Terrafugia eine serienreife Version für 2019 in Aussicht gestellt, die gegenüber den bisherigen Prototypen zudem einige Verbesserungen bieten soll, darunter ein nicht näher spezifizierter Hybridantrieb.

Der Transition ist im Kern ein Kleinflugzeug, das seine Tragflächen einklappen und dann auf Straßen fahren kann. Früheren Angaben zufolge konnte das Gefährt bis zu 160 km/h schnell und 640 Kilometer weit fliegen. Auf der Straße soll das gut sechs Meter lange Vehikel über 100 km/h erreichen. Preise für den neuen Transition nennt Terrafugia noch nicht. Frühere Angaben lagen zwischen 185.000 und 280.000 Dollar.

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