Freie Werkstätten in Bedrängnis

Redakteur: Norbert Rubbel

Die Autohersteller wollen ihre Kunden ein Autoleben lang an sich binden. Dafür haben sie neue Geschäftsmodelle entwickelt, die die Existenz der unabhängigen Kfz-Betriebe bedrohen.

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Antworten auf die Herausforderungen und Chancen im Aftermarket gab das Kölner Aftersales Forum der BBE.
Antworten auf die Herausforderungen und Chancen im Aftermarket gab das Kölner Aftersales Forum der BBE.
(Bild: Rubbel)

Die Automobilhersteller rüsten auf. Sie transformieren sich von reinen Produzenten hin zu international agierenden Mobilitätsdienstleistern. Das Werkstatt- und Teilegeschäft hat dabei für sie eine besonders große Bedeutung, da im Absatz von Neuwagen die Erträge immer mehr schrumpfen. „Die Hersteller werden in Zukunft den zweiten, dritten und vierten Fahrzeugbesitzer nicht mehr dem freien Service- und Teilemarkt überlassen“, sagte Markus Frömgen von der BBE Automotive anlässlich des Kölner Aftersales Forums der BBE. Ihr Ziel sei es, ihre Kunden über den gesamten Lebenszyklus ihrer Fahrzeuge hinweg an sich zu binden – vom Verkauf über den Service bis zur erneuten Kaufabsicht.

Verlängerte Neuwagengarantien und Flatrates (Wartungs- und Finanzierungsverträge) sowie eine zweite Teilelinie für ältere Fahrzeuge und neue Serviceformate wie „Service & Smile“ von Mercedes, „Euro Repar“ von Peugeot und „Economy Service“ von VW sollen ihnen dabei helfen. Mit ihren Loyalitäts- und Kundenrückgewinnungs-Konzepten wollen die Automobilhersteller die zu den freien Werkstätten abgewanderten Kunden wieder zurückerobern.

Fahrzeugvernetzung verzerrt Wettbewerb

Doch damit nicht genug: Auch mit der Vernetzung ihre Fahrzeuge bringen sie die unabhängigen Kfz-Betriebe in Bedrängnis. „Mit E-Call als Standleitung ins Auto hängen die Fahrzeughersteller die freien Marktteilnehmer ab“, betonte Thomas Geck von der HUK Coburg. Durch den Zugriff der Hersteller auf die Daten im Auto werde der Wettbewerb im Servicemarkt stark verzerrt.

Wie interessant der Servicemarkt für alle Akteure ist, verdeutlichte ATU-Geschäftsführer Andreas Schmidt: „Nach einer Stagnation über mehrere Jahre stieg das Marktvolumen in 2016 gegenüber dem Vorjahr wieder um 5,6 Prozent auf 32 Milliarden Euro.“ Davon entfielen 63 Prozent auf Ersatz- und Verschleißteile, 13 Prozent auf Zubehör, 12 Prozent auf Reifen und 11 Prozent auf Autochemie.

Mit dem Verkauf von ATU an den ehemaligen französischen Konkurrenten Mobivia Ende des letzten Jahres hat sich auch der Claim der Weidener Werkstattkette geändert. Der heißt nicht mehr „Meister gegen den Verschleiß“, sondern „Immer besser unterwegs“. „ATU positioniert sich als Partner für motorisierte Mobilität“, erklärte Schmidt. Auch Werbeaussagen, dass ATU 30 Prozent günstiger ist als eine Vertragswerkstatt, wird es nach Aussagen des Geschäftsführers nicht mehr geben.

Einen ausführlichen Beitrag über das Kölner Aftersales Forum lesen Sie in unserer »kfz-betrieb«-Ausgabe 27/28, die am 14. Juli erscheint.

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