In den ersten neun Monaten kamen dem Schmierstoffhersteller Fuchs Preiserhöhungen zugute: In vielen Regionen stiegen Umsatz und Gewinn.
Grund zur Freude bei Fuchs: In den vergangenen neun Monaten stiegen Umsatz und Gewinn des Schmierstoffherstellers.
(Bild: Fuchs)
Der Schmierstoffhersteller Fuchs hat in den ersten neun Monaten von Preiserhöhungen profitiert. Umsatz und Gewinn legten zu. Während Fuchs in der Region Europa, Naher Osten und Afrika sowie in Nord- und Südamerika im Tagesgeschäft mehr verdiente, ging das Ergebnis im asiatischen Raum wegen einer schwächeren Wirtschaftsentwicklung in China zurück. Das teilte das im M-Dax gelistete Unternehmen am Freitag in Mannheim mit. Für die freien Barmittel vor Übernahmen zeigte sich das Management erneut optimistischer.
An der Börse kam die Quartalsbilanz gut an. Die Fuchs-Aktie legte bis zur Mittagszeit um mehr als fünf Prozent auf 36,52 Euro zu. Der unerwartet hohe operative Gewinn (Ebit) und die Anhebung der Prognose für den freien Barmittelfluss sollten den Aktienkurs stützen, schrieb Analyst Samuel Perry von der Schweizer Großbank UBS.
Erfolgreicher Kurs
Die beibehaltene Prognose des Schmierstoffherstellers für das operative Ergebnis hält der Experte für konservativ. Seit dem Jahreswechsel summiert sich das Kursplus auf mehr als elf Prozent.
„Unser Cashflow entwickelt sich weiter ausgesprochen positiv“, sagte Unternehmenschef Stefan Fuchs laut Mitteilung. Unsicherheiten in der Lieferkette und der starke Anstieg der Rohstoffpreise und in der Folge auch der Verkaufspreise hätten in den vergangenen zwei Jahren zu einem Anstieg der Bestände und Forderungen und einem hohen Mittelabfluss geführt. Im laufenden Jahr habe das Unternehmen das Blatt wie erwartet gewendet.
Im Gesamtjahr sollen Fuchs nun freie Barmittel von 380 Millionen Euro zufließen und damit 80 Millionen mehr als bislang geplant. Das wertet Analyst Samuel Perry von der Bank UBS positiv. Denn mit dem erhöhten Ziel übertreffe das Unternehmen die Markterwartung von gut 300 Millionen deutlich.
Verbunden mit höheren Barmitteln sei Spielraum für zusätzliche Aktienrückkäufe. Nach den ersten neun Monaten betrugen die freien Barmittel 330 Millionen Euro – vor einem Jahr hatte es noch Abflüsse von 31 Millionen gegeben.
Elf Prozent mehr Umsatz in den ersten neun Monaten
Konzernweit stieg in den ersten neun Monaten der Umsatz im Jahresvergleich um sechs Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Euro. Bereinigt um negative Wechselkurse, vor allem zum US-Dollar und zum chinesischen Renminbi, wären die Erlöse um elf Prozent geklettert, sagte Finanzchefin Isabelle Adelt. Zum Umsatzplus trugen alle Regionen bei.
Noch besser lief es im Tagesgeschäft: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um 12 Prozent auf 313 Millionen Euro zu. Analysten hatten mit einem weniger starken Ergebnisanstieg gerechnet. Adelt führte dies unter anderem auf ein effizienteres Arbeiten zurück.
Im dritten Quartal habe die entsprechende Marge wieder bei 12,9 Prozent gelegen. „Wir sind auf einem guten Weg, das mittelfristige Ziel einer Ebit-Marge von 15 Prozent zu erreichen“, fügte sie hinzu. Unterm Strich verdiente Fuchs mit 219 Millionen Euro zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
Weitere Unsicherheitsfaktoren
Zudem sieht Unternehmenschef Fuchs angesichts des Kriegs zwischen der Hamas und Israel auf einen neuen Krisenherd im Nahen Osten. Wie sich das auf die wirtschaftliche Entwicklung im Allgemeinen und auf die Rohstoff- und Verkaufspreise im Besonderen auswirke, sei aus heutiger Sicht schwer zu beurteilen. Fuchs betreibe in Saudi-Arabien mit einem Partner ein größeres Werk. Direkt im Kernkrisengebiet sei das Unternehmen nicht aktiv.
Hinzu komme ein Streik in der Automobilindustrie in den USA, sagte Fuchs. Die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) habe das erste Mal alle drei Fahrzeughersteller – die Chrysler-Mutter Stellantis, Ford und General Motors – bestreikt.
Ford und die Gewerkschaft haben sich nach einem sechswöchigen Streik mittlerweile auf ein vorläufiges Abkommen geeinigt. Fuchs hofft, dass die anderen Automobilkonzerne dem Beispiel folgen werden. Sollte der Streik noch sechs Monate anhalten, würde dies auch Fuchs betreffen.
An seinen Zielen für Umsatz und operatives Ergebnis hält der Vorstandsvorsitzende fest. Für das laufende Jahr plant Fuchs weiter mit einem Umsatz von 3,6 Milliarden Euro. Das wäre im Vergleich zu 2022 ein Plus im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern taxiert das Unternehmen bei rund 390 Millionen Euro – das wäre im Jahresvergleich ein Anstieg um knapp sieben Prozent.
Stand: 08.12.2025
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Realisierbares Jahresziel
Aus Sicht von Analyst Konstantin Wiechert von der Baader Bank scheint das Jahresziel für den operativen Gewinn nun gut erreichbar. UBS-Experte Perry wertete die beibehaltene Prognose hingegen als konservativ.
Für 2024 rechnet Finanzchefin Adelt mit einer weiter guten Entwicklung für Fuchs. „Wie gut genau, werden wir im nächsten Jahr sehen.“ Unternehmenschef Fuchs wollte sich nicht anmaßen, „dass wir irgendetwas besser machen als andere deutsche Chemieunternehmen“.
Fuchs sei kein Basischemieunternehmen. Das Unternehmen gehöre zwar zu der Rubrik Chemie, aber die Umsatzentwicklung des Konzerns hänge viel mehr von den Anwendungen der Kunden ab. Das Unternehmen sei mit 10.000 Kunden extrem breit aufgestellt, und dies mache das Geschäft stabil.
Für das Unternehmen, das mehr als 6.200 Mitarbeiter beschäftigt, ist vor allem die Auto- und Nutzfahrzeugindustrie wichtig. Mit ihr erzielt Fuchs Petrolub etwa die Hälfte des Umsatzes. Der Umbruch vom Verbrennungsmotor hin zum Elektromotor führt deshalb auch bei Fuchs zu Veränderungen. Daneben hat der Konzern aber auch Kunden aus Bereichen wie Maschinenbau, Metallverarbeitung, Bergbau, Luft- und Raumfahrt sowie Land- und Forstwirtschaft.