Einen Schritt weiter geht jetzt Volvo: So hat der neue V40 neben der aktiven Motorhaube einen speziellen Fußgänger-Airbag mit an Bord. Bei einer drohenden Kollission lösen Sensoren in Millisekunden einen Luftsack aus, der sich für den gefährdeten Fußgänger oder Radfahrer schützend über Teile der Frontpartie, Windschutzscheibe und A-Säule legt. Ein sogenannter Ausparkassistent warnt den Fahrer im Nahbereich zudem vor querenden Radfahrern und Fußgängern.
Wer glaubt auf Fußgängerschutz-Technik verzichten zu können, wird inzwischen bestraft. Bei einem neuen Euro-NCAP-Crashtest des österreichischen Automobilclubs ÖAMTC hat der Jeep Compass drei von möglichen fünf Sternen in der Gesamtwertung verloren. Grund: „mangelnde Fußgängersicherheit“. Nur drei Sterne gab es deshalb kürzlich auch für den Dacia Duster. Insassen- und Fußgängerschutz müssen dennoch kein Widerspruch sein, wie die Fachleute bei Euro-NCAP betonen: „Eine effektiv entwickelte Motorhaubenstruktur, die eine hohe Stabilität im Innenraum erzeugt, bietet ebenso einen guten Fußgängerschutz.“ Folgerichtig erhielt der kompakte Honda Civic von den Euro-NCAP-Testern trotz der zum Jahresbeginn verschärften Fußgängerschutzregeln fünf Sterne.
Eingriff bereits vor dem Crash
Die wohl noch bessere und effektivere Sicherheits-Strategie besteht darin, einen Unfall mit Fußgängern oder Radfahrern erst gar nicht entstehen zu lassen. Dabei helfen vor allem Bremsassistenten, die mittlerweile auch in den kleineren Fahrzeug-Klassen Einzug halten. Das weltweit erste Serienfahrzeug mit Notbremsassistent war der Toyota Harrier (baugleich mit Lexus RX), der 2003 auf den japanischen Markt kam. Er besaß bereits ein sogenanntes „Pre-Crash-Safety-System“. Schon ein Jahr zuvor hatte Mercedes sein „Pre-Crash-System“ in der S-Klasse vorgestellt - allerdings noch ohne Notbremsassistent. Im Mittelpunkt stand damals noch der Schutz der Insassen.
Die Lexus-Limousine LS hat zusätzlich zum Radarsensor auch eine Stereokamera am Rückspiegel und Infrarotprojektoren in den Scheinwerfern, die Fußgänger auch dann erkennen, wenn es stockfinster ist. Auch viele andere Premiumhersteller bieten inzwischen solche Schutzsysteme an.
Fußgängererkennung über Videobilder liefern die Nachtsichtsysteme zwar schon heute – bislang aber ohne Entfernungsinformation. Deshalb arbeiten Premiumhersteller wie Audi und Mercedes an neuartigen Fußgängerschutzsystemen, die schon im nächsten Jahr beim neuen Q7 und der neuen S-Klasse zum Einsatz kommen sollen. Infrarotgeber mit Photomischdetektor (Audi) und Videosensoren plus Stereokamera (Mercedes) sollen dann zusammen mit Supersensoren drohende Fußgängerunfälle im Wimpernschlagtempo erkennen.
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