Gefahren: Chevrolet Camaro
Knapp ein Jahr nach dem US-Debüt und noch pünktlich zum 50. Geburtstag kommt der neu entwickelte Chevrolet Camaro auch nach Deutschland. Was General Motors da auf die Räder gestellt hat, bietet durchaus Suchtpotenzial.

Schön, dass Marken wie Chevrolet und Ford ihre Coupé-Legenden Camaro und Mustang jetzt auch als offizielle Europa-Versionen anbieten. Klar, da ist auch eine Portion Eigennutz im Spiel, wissen die Konzerne doch um das gute Geschäft der privaten Importeure, das sie gerne selbst übernehmen. Aber ganz gleich: Den neuen Camaro gibt es also nun direkt vom Hersteller ab wohlfeilen 39.900 Euro.
Dafür kauft so mancher Kunde einen hochgerüsteten Volkswagen Golf. Er mag mit ihm mehr Praxistauglichkeit bekommen, aber ist dann natürlich weit vom Charme des US-Coupés entfernt. Für den Basispreis verrichtet jetzt ein Zweiliter-Turbo aus dem Konzernregal seinen Dienst. Das ist vielleicht nicht die Maschine, die man unbedingt in einem Camaro sehen will, aber das Auto wird mit dem 202 kW/275 PS-Vierzylinder schon richtig schnell und hält den Budget-Kummer in Grenzen. Der Achtzylinder mit 452 PS kostet 6.000 Euro Aufpreis und rollt dann mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe an den Start, während die Version mit Achtgang-Wandlerautomatik weitere 2.000 Euro verschlingt.
So weit, so gut. Wer den taufrischen Camaro erstmals in Augenschein nimmt, könnte denken, es handele sich um ein modifiziertes Modell. Zumal die Amis ja gerne mal optisch durchaus tiefgehende Retuschen vornehmen, um das neue Modelljahr zu pushen. Aber nein, dieser Camaro basiert auf der 2012 erstmals eingesetzten GM Alpha-Plattform, auf der auch der kompakte Cadillac ATS steht. Dadurch verliert er zwar rund sechs Zentimeter an Außenlänge und rund 4 Zentimeter an Radstand – aber wird rund 100 Kilo leichter.
Doch Chevrolet hat auch noch an ganz anderen Stellschrauben gedreht, um den heckangetriebenen Zweitürer verlockend zu machen. Beispielsweise die Motorcharakteristik nachgeschärft. War der Vorgänger mit seinen bis zu 432 Pferden beileibe kein Schwächling, so wirkt der 333 kW/453 PS starke Newcomer in allen Lebenslagen bissiger, als die Leistungsdifferenz glauben macht.
Schon beim Antippen des Gaspedals aus niedrigen Tempi heraus müssen die Hinterräder um Traktion ringen. Beim Kickdown reißt der Achtzylinder seine Passagiere mit Vehemenz gen Horizont. Der 6,2-Liter ist maximal böse, schiebt urgewaltig und dürfte Elfer-Fahrern das Fürchten lernen. Er ist die Corvette für das kleine Budget. Dabei bollert der Direkteinspritzer herrlich ungefiltert und macht keinen Hehl aus seiner Zylinderzahl. Gegen 2.000 Euro Mehrpreis gibt es noch einen Klappenauspuff und variable Dämpfer.
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