Dämpfereinstellung per Knopfdruck
Das ist die eine Seite. Per Knopfruck wird der Focus straffer (elektronische Dämpfer), sein E-Gas spitzer und der Sound bedrohlicher. Jetzt spürt man sogar beim Lupfen des rechten Pedals, dass die Drosselklappe blitzschnell schließen muss und man Abgasgegendruck erzeugt, denn jedes Mal löst die Gaswegnahme ein kurzes Bremsmoment aus.
Der RS giert nach Kurven und vermeidet Antriebseinflüsse im Lenkrad selbst bei vollem Leistungseinsatz gekonnt. Wie das geht? Der Zulieferer GKN hat ein Allradsystem entwickelt, das die Momenteverteilung per elektronisch gesteuerter Lamellenkupplung blitzschnell radselektiv steuern kann. Unter kräftiger Beschleunigung wird der Hinterachse mehr Kraft zugewiesen als den vorderen Rädern, um dem Athleten so ein bisschen Heckantrieb-Gefühl zu verleihen.
Was Focus RS-Chefentwickler Tyrone Johnson sichtlich stolz erzählt, sorgt in der Praxis für Dauergrinsen. Der Driftmodus forciert diese Gangart und lässt den schnellsten Focus auch gerne mal mit dem Heck tänzeln – aber Achtung, bitte nur für geübte Fahrer. Eine Launch-Control-Funktion erlaubt optimiertes Anfahren, doch das klappt mit vier angetriebenen Rädern naturgemäß immer recht gut. Qualmende Reifen beim Start sind so ohne weiteres jedenfalls nicht drin.
350 PS stark, 266 km/h schnell
Muss auch nicht sein, der Focus mag die entspannte Gangart ganz gern. Im großen Gang sanften Druck mit Turboschub zu verspüren, verströmt irgendwie ein Gefühl von Souveränität. Im Normal-Modus klingt der 2,3-Liter noch immer fein, auch wenn er dann nicht aus den beiden Endrohren sprotzelt.
Die Recaro-Sitze haben die Insassen fest im Griff und funktionieren auch außerhalb von S-Kehren ganz gut. Lange Strecken sind kein Thema, der RS hat sich einen Hauch von Restkomfort bewahrt, wenngleich er straffer ausgelegt ist als der ebenfalls schon durchtrainierte ST. Leistungsfähige Brembo-Bremsen erlauben überdies eine feine Dosierung und packen bei Bedarf fest zu.
Die Mensch-Maschine-Verbindung arbeitet hier übrigens analog zu den schwächeren Facelift-Focus-Brüdern genau so gut – es gibt ein ordentlich arbeitendes Touchscreen-Navi (615 Euro) sowie eine entwirrte und gut beherrschbare Schalterpaneele. Warum ein autonomes Bremssystem allerdings noch für 250 Euro Aufpreis erkauft werden muss, leuchtet nicht ein. Hier geht es immerhin um Sicherheit. Schwamm drüber und hoffentlich Kreuzchen machen im Konfigurator. Der Preis ist schließlich immer noch unschlagbar für einen 350 PS-Brocken, der laut Hersteller 266 km/h schnell wird. Und dass man ihn bei gemächlicher Gangart auch mal mit unter acht Litern fahren kann, geht als nettes Bonbon durch.
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