Gefahren: Hyundai Nexo - Henne oder Ei?

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Yvonne Simon

Neben Honda und Toyota hält aktuell allein Hyundai ernsthaft am Wasserstoffantrieb fest. Mit dem neuen Hyundai Nexo können die Koreaner an vielen Stellen punkten. Doch ist das Brennstoffzellen-SUV wirklich alltagstauglich?

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Hyundai setzt mit dem Nexo weiter auf den Wasserstoffantrieb.
Hyundai setzt mit dem Nexo weiter auf den Wasserstoffantrieb.
(Bild: Stefan Grundhoff, press-inform)

Alles nicht neu – alles schon einmal da gewesen. Die unsterbliche Brennstoffzellenbewegung schwappt alle paar Jahre über die Autoindustrie hinweg. Die Probleme geringer Reichweiten, unförmiger Tanks, Abdampfens bei längerem Parken und Fahrens bei Minustemperaturen sind mittlerweile gelöst.

Doch die größten Probleme des Wasserstoffs im Auto sind nach wie vor aktuell: Das mehr als löchrige Tankstellennetz ist an sich nicht als solches zu bezeichnen. Die nächste Hürde: Potenzielle Kunden wissen mit dem Begriff Wasserstoffauto ebenso wenig anzufangen wie mit dem Begriff Brennstoffzelle. Dabei lässt sich die Technik leicht erklären, denn der 700-bar-Tank ist nichts anderes als ein flüssiges Akkupaket. Der an der Tankstelle nachgezapfte Wasserstoff wird durch ein chemisches Verfahren während der Fahrt zu elektrischer Energie umgewandelt. Da sich der Tank in wenigen Minuten befüllen lässt, kann man auf ungewollte Kaffeepausen an Hochleistungsladegeräten verzichten. Auch der Kaltstart ist mittlerweile bei bis zu minus 30 Grad Celsius möglich.

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Doch gerade der immer stärker aufkommende batterieelektrische Antrieb könnte für Modelle wie den Toyota Mirai, den Honda F-Cell oder den neuen Hyundai Nexo der Sargnagel sein. Die Autohersteller können ihre Entwicklungsmilliarden nicht in allzu viele Töpfe aufteilen und so kann man nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Der Großteil der Gelder fließt derzeit in die Weiterentwicklung von Benzin- und Dieselmotoren. Der andere Teil wird in klassische Elektroantriebe und hier nicht zuletzt in Akkutechnik gepumpt. Da bleibt für die Brennstoffzelle selbst bei großen Konzernen nicht mehr viel übrig.

So ist es zu erklären, dass die meisten Autohersteller aus der Brennstoffzellenentwicklung weitgehend ausstiegen und diese nur noch in kleinen Teams als Mitlauf-Technologie beackern. Zuletzt verließ Mercedes der Mut, die das Mittelklasse-SUV GLC an sich schon Ende 2017 als Wasserstoffversion auf den Markt bringen wollten. Doch auch bei Daimler sieht man die Brennstoffzelle langfristig eher bei den Nutzfahrzeugen, um bei LKW mit hohen Lasten große Reichweiten realisieren zu können.

Massentaugliches Design

Etwas anders sieht es bei Hyundai aus. Die Koreaner setzen vorrangig ebenfalls auf Wasserstoff für City- und Langstreckenbusse und hatten in kleinen Portionen bereits den ix35 mit Brennstoffzelle unter Alltagsbedingungen auf eine Handvoll interessierter Kunden losgelassen. Der 4,67 Meter lange Nexo ist Versuch Nummer zwei und er verschafft sich mit dem Karosseriekleid eines SUVs vom Start weg gleich etwas Rückenwind, denn weder sind der Toyota Mirai und der Honda F-Cell visuelle Schönheiten, noch bedienen sie ein Volumensegment. Auf den ersten Blick ist der Hyundai Nexo ein ganz normales SUV mit Platz für bis zu fünf Personen. Wegen des verschrobenen Gesichts mit zugekniffenen LED-Schlitzen oben und runden Scheinwerfern im Dreiecksrahmen mag man über die Absichten des Designteams nicht urteilen, aber sonst bietet der Koreaner ansprechende Formen und bedient die breite Masse.

Im Innenraum gefällt der breite Flachbildschirm als Instrumenteneinheit, der bis weit zum Beifahrer herüberreicht. Weniger aufgeräumt zeigt sich der überbreite Mitteltunnel mit allerhand Bedienmodulen, die alles andere als übersichtlich positioniert sind. Für ein Zukunftsauto spielt hier noch allzu sehr die alte Welt hinein und der Fokus ist auf die USA gerichtet. Das Platzangebot bietet so viel Raum, wie man es von einem Mittelklasse-SUV mit einer Länge von knapp 4,70 Metern erwartet. Vier Personen passen allemal rein. Sitzen drei Personen in Reihe zwei, wird es allerdings kuscheliger als es einem lieb ist. Der Laderaum hinter der elektrischen Heckklappe ist mit 839 Litern mehr als üppig. Einschränkungen durch die drei crashsicheren Gastanks? Fehlanzeige.

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 Stefan Grundhoff

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Journalist