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Genfer Salon: Glanzvolles nur abseits des Diesels

| Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Jens Rehberg

Am elitären Lac Leman gibt es wieder einmal viel zu sehen. Abseits der hellen Scheinwerfer schwelt im Messezentrum Palexpo allerdings das eigentliche Messethema: Hat der Diesel noch eine Zukunft?

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Eine der Neuheiten in Genf: Das Lambo-SUV Urus geht im Frühjahr für rund 180.000 Euro an den Start.
Eine der Neuheiten in Genf: Das Lambo-SUV Urus geht im Frühjahr für rund 180.000 Euro an den Start.
(Bild: Schreiner/»kfz-betrieb«)

Die deutschen Hersteller haben auf der ersten Messe des europäischen Autojahres traditionell viel zu bieten. Da duellieren sich im 15-Minuten-Rhythmus viertürige Sportskanonen wie das Mercedes-AMG-GT-Coupé und das zukünftige BMW-M8-Gran-Coupé, da strahlt ein 520-PS-starker Porsche-911-GT3-RS mit einer Bullitt-Sonderedition des Ford Mustang oder einem Rolls-Royce-Dawn-Zweisitzer um die Wette.

Doch kaum ein Stand, an dem der nicht enden wollende Dieselskandal kein Thema ist. Die jüngste Gerichtsentscheidung, dass Städte eigenmächtig Fahrverbote verhängen können, scheint die ohnehin vollgepackten Messehallen geradezu weiter zusammenzuziehen. Vielen Herstellern fehlt trotz strahlender Neuheiten und bester Verkaufszahlen scheinbar die Luft zum Atmen.

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Drohende Dieselfahrverbote drücken ein paar hundert Kilometer fern des einst autoverliebten Deutschlands auch in der südlichen Schweiz mächtig auf die Stimmung. Schließlich haben darunter nicht nur die deutschen Hersteller zu leiden. Auch den Herstellern aus Frankreich, Italien oder Japan schlägt die Dieselangst zunehmend aufs Gemüt, weil der deutsche Markt der wichtigste in Europa bleibt. Es geht – worum auch sonst: um Stückzahlen, Erträge und somit das liebe Geld und kaum um die Umwelt.

Da wird sich der ein oder andere Hersteller die Hände reiben, dem diesjährigen Genfer Salon ferngeblieben zu sein. Opel, Infiniti, DS, Chevrolet und Cadillac sucht man in den Palexpo-Messehallen vergeblich. Immerhin gab es weit weniger Absagen als auf der IAA im vergangenen Herbst, als knapp ein Dutzend Automarken den Messeauftritt am Main verneinte.

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Generell ist auf dem Genfer Salon mehr los als in den Jahren zuvor und es gibt mehr Neuheiten. Doch auch die schickste aller europäischen Automessen ist unter Druck und kämpft um Aussteller für die kommenden Jahre. Viele wollen ihr Engagement reduzieren oder gar ganz verschwinden. Teure Flugpreise und astronomische Hotelkosten schlagen mächtig ins Kontor, während die Bedeutung der Automessen selbst unaufhaltsam schwindet.

Spricht man mit Schweizern, Österreichern, Franzosen oder anderen Anrainern, können viele kaum fassen, dass sich die deutsche Autowirtschaft samt nationaler Politik derart selbst das Leben schwermachen lässt. Sehenswerte Antworten auf drohende Fahrverbote gibt es am Lac Leman viele und sie tummeln sich in allen Autoklassen. Dabei trumpfen die Premiumhersteller zum Frühlingsauftakt mächtig auf. Bei Neuheiten wie Audi A6, BMW X4, dem limitierten Range-Rover-SV-Coupé oder eben dem viertürigen Doppelpack aus BMW-M8-Grand-Coupé (noch als seriennahe Studie) und dem 639-PS-starken AMG-GT-Coupé haben es dünn überarbeitete Modelle wie Mini, Skoda Fabia, Maybach-S-Klasse oder die Mercedes-C-Klasse schwer, sich in Szene zu setzen.

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Über den Autor

 Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Journalist