Gepanzertes für den schmaleren Taler

Seite: 2/2

Der Umbau von einer gewöhnlichen Mercedes G-Klasse zu einem schwer gepanzerten Alpha-Modell ist aufwendig. Die normalen Serienfahrzeuge werden komplett auseinander genommen, Kabel aufgerollt und dann das Auto von innen her komplett neu eingekleidet. Hinter der gewöhnlichen Blechfassade werden millimetergenau Stahlplatten verbaut, um gegen schwersten Beschuss gesichert zu sein. „Wir arbeiten mittlerweile nur noch mit Stahl“, so Klaus Ackermann weiter.

Ist die G-Klasse weitgehend unscheinbar zu einem Panzer geworden, hat sie in der schwersten Panzerklasse VR7 (ehemals B7) um rund 1,8 Tonnen zugelegt. Allein eine Tür wiegt dann 180 Kilogramm und die jeweils 70 Kilogramm schweren Seitenscheiben sind nach der mehrwöchigen Kraftkur dick wie eine Faust – sieben Zentimeter. Der äußere Lack bleibt beim gesamten Umbau unangetastet, doch das serienmäßige Schiebedach sieht zum Beispiel nur von außen so aus, als ob es sich noch öffnen ließe.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 15 Bildern

Generell wandelt sich der Panzermarkt seit Jahren. Waren es ehemals nur Behörden, Hilfsorganisationen und der diplomatische Dienst, die schwer gepanzerte Fahrzeuge benötigten, so wuchs die Nachfrage insbesondere durch die Öffnung des Ostblocks beträchtlich. Gab es wegen der unsicheren Situation in Ländern wie Mexiko oder Brasilien schon immer eine nennenswerte Nachfrage nach leicht gepanzerten Modellen gegen Straßenräuber, entwickelte sich in den 90ern insbesondere in Russland der größte Markt für schwer gepanzerte Autos, die ganz nebenbei nicht selten zum Statussymbol ihrer Besitzer wurde. „Viele unserer Fahrzeuge gehen mittlerweile nach Afghanistan und immer mehr Fahrzeuge werden in afrikanische Länder wie Nigeria verkauft“, hält sich Ackermann mit konkreten Informationen über seine Kunden zurück, „und toi, toi, toi – bisher ist in unseren Fahrzeugen noch niemand zu Schaden gekommen.“

Die schwer gepanzerte G-Klasse von Alpha Armouring bewegt sich ebenso wie der Land Cruiser 200 im normalen Straßenverkehr unspektakulär und kaum anders als die Serienversionen. Die 1,4 bis 1,8 Tonnen Zusatzgewicht je nach Schutzklasse lassen sich nicht überspielen, aber gerade mit starken Motorisierungen gewöhnt man sich schnell an die Panzerung, die man beiden Modellen nicht einmal auf den zweiten Blick ansieht. Die verbauten Stahlplatten im Innenraum sind so groß wie möglich, weil jede Naht eine Schwachstelle sein könnte. In den unscheinbaren Reifen befindet sich auf der Felge ein Notlaufring, sodass im Notfall weiter gefahren werden kann. Die Fenster lassen sich aus Sicherheitsgründen nicht öffnen. Nur einige Modelle bekommen auf der Fahrerseite eine kleine Dokumentendurchreiche.

Auch das Gefahrenszenario hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Längst werden die meisten Fahrzeuge nicht mehr beschossen, sondern fahren in Sprengfallen. Daher werden die Fahrzeuge auch von unten bestmöglich gesichert.

Um zu zeigen, was mit einem gepanzerten Fahrzeug möglich ist, wurde in über einjähriger Bau- und Entwicklungszeit ein spektakuläres Einzelstück aufgebaut. Der „Valiant“ hat technisch nicht mehr viel mit einer Mercedes G-Klasse gemein. Von innen sowie außen mutet er eher an wie ein Panzerfahrzeug aus einem futuristischen Endzeitfilm. Die Panzerung ist auf militärischem Standard und das meiste, was sich dem Valiant in den Weg stellt, dürfte dieser schlicht überrollen. Zudem verfügt der Panzerwagen der Zukunft über eine Sauerstoff- und Feuerlöschanlage, Nachtsichtgeräte und Kameras rundum. Gut vorstellbar, dass ein solches Fahrzeug bald auch in Krisenregionen unterwegs ist. Sein Preis: über eine Million Euro. Maximale Sicherheit kostet dann doch eben ein bisschen mehr.

(ID:42876284)