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Gepanzertes für den schmaleren Taler

| Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Jens Rehberg

Die Nachfrage nach schwer gepanzerten Autos ist hoch. Deshalb gibt es auch abseits der großen Autohersteller erfolgreiche Umrüster – einen davon nahe München.

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Immer gefragter werden Autos, die auch dem Beschuss durch schwerere Kaliber standhalten.
Immer gefragter werden Autos, die auch dem Beschuss durch schwerere Kaliber standhalten.
(Foto: Grundhoff)

Die Krisenregionen in der Welt sind ungezählt. In Afrika, Südamerika oder dem mittleren Osten wird erbitterter denn je gekämpft. Es geht um Leben und Tod – kein Wunder, dass die Nachfrage nach gepanzerten Fahrzeugen hoch ist. Einer der erfolgreichsten Anbieter sitzt in Garching bei München.

In der Zeppelinstraße im Garchinger Gewerbegebiet geht es tagsüber turbulent zu. Unzählige Firmen bekommen Güter geliefert oder produzierte Waren werden abgeholt. Neue Büros werden gebaut und um die Ecke glänzt ein großes Fahrzeugzentrum von BMW. Der graue Bau von Alpha Armouring fällt einem nicht einmal auf, wenn man vor dem Tor steht. Das Gebäude wirkt auf den zweiten Blick moderner als viele der Billigbauten aus den 60er und 70er Jahren, die sonst die Straße säumen. Das Firmenschild von Alpha Armouring muss man ebenfalls suchen und Eintritt gibt es nur auf Knopfdruck. Alles hoch gesichert. Vor dem Gebäude stehen ein paar dunkle Geländewagen. So weit, so unspektakulär.

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Doch genau diese Geländewagen vom Typ Mercedes G-Klasse und Toyota Land Cruiser sind – schwer gepanzert – das Geschäft der Garchinger Spezialfirma. Aus dem Norden von München gehen die gepanzerten Fahrzeuge in die ganze Welt; schützen Politiker, Diplomaten, Hilfsorganisationen und Spezialkräfte. Dort, wo es besonders gefährlich wird, kommt man um schwer gepanzerte Autos längst nicht mehr herum. Botschafter in allen wichtigen Ländern sind seit Jahrzehnten in solchen Schutzfahrzeugen unterwegs – zumeist mit einer Sicherheitskolonne, um sich bestmöglich gegen Beschuss und Bombenanschläge zu wappnen.

Während die Politiker aus der ersten Reihe zumeist mit gepanzerten Luxuslimousinen wie Mercedes S-Klasse, BMW 7er oder Audi A8 unterwegs sind, geht es bei Personen, die nicht derart in der Öffentlichkeit stehen, zumeist etwas rustikaler zu. Zudem sind die zu schützenden Personen in vielen Regionen aufgrund von zerborstenen oder nicht asphaltierten Fahrbahnen auf Geländewagen angewiesen, die sich von zerklüfteten Pisten und ein paar Straßensperren nicht beeindrucken lassen. Hierfür gibt es kaum perfektere Fahrzeuge als die Mercedes G-Klasse oder den Toyota Land Cruiser 200. Wegen der wichtigen diplomatischen Kontakte hat Alpha Armouring mittlerweile eine Außenstelle in Berlin.

„Pro Jahr produzieren wir derzeit rund 80 Fahrzeuge. Die Nachfrage ist insbesondere nach der Mercedes G-Klasse und dem Toyota Land Cruiser 200 groß“, sagt Firmenchef Klaus Ackermann, „wir arbeiten hier am Standort mit gut 50 Personen. Die Hauptkunden sind Regierungen, der diplomatische Dienst oder Organisationen. Doch es gibt auch immer mehr Privatpersonen, die Schutz benötigen.“ Die Hauptabnehmer sitzen dabei längst nicht mehr allein in Russland und Südamerika. Gerade in Afrika oder dem mittleren Osten ist die Nachfrage nach schwer gepanzerten Fahrzeugen größer denn je.

Gepanzerte Geländewagen wie die Mercedes G-Klasse gibt es auch bei den Herstellern selbst zu kaufen. Klaus Ackermann, seit Jahren auch Karosserieexperte des Unternehmens: „Doch die können die Nachfrage kaum befriedigen, weil ihr Hauptgeschäft nun einmal die normalen Fahrzeuge sind. Und zudem sind wir deutlicher günstiger. Bei rund 220.000 Euro fängt bei uns eine gepanzerte G-Klasse mit Dieselmotor an.“ Wer ein Luxusmodell mit Power-V8 und Sonderwünschen will, dreht die Preisspirale locker auf über 400.000 Euro. Zu erkennen sind die schwer gepanzerten Fahrzeuge nur für Experten. In normalen Straßenbild fällt nicht auf, dass diese bestens gegen Beschuss mit Maschinengewehren, Garanten oder Sprengfallen vorbereitet sind.

Ackermann weist grimmig darauf hin, dass man schnell in den undurchsichtigen Nachrüstertopf geworfen wird. „Die Leute vertrauen uns schließlich ihr Leben an“, unterstreicht er, „da geht es nicht nur um Stahlplatten und Panzerglas, sondern insbesondere um Fugenbereiche und die perfekte Verarbeitung.“ Acht bis zwölf Wochen dauert es, ehe ein gepanzerter Geländewagen das Firmengelände von Alpha Armouring in der Schutzklasse VR6 oder VR7 verlässt. Ihren Mercedes-Stern hat die G-Klasse dann ebenso verloren wie der Land-Cruiser das rundliche Toyota-Signet. Stattdessen gibt es auf dem Kühlergrill das doppelte A-Logo von Alpha Armouring.

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 Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Journalist