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Geschädigter kann vorgeschlagenen Gutachter ablehnen

| Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Andreas Grimm

Ein Geschädigter hat das Recht zur freien Wahl eines eigenen freien Sachverständigen. Dementsprechend muss er sich nicht dem Personalvorschlag einer Versicherung beugen, auch nicht wenn der ein günstiges Honorar verlangt .

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Eine eintrittspflichtige Versicherung muss grundsätzlich nach einem Unfall die Sachverständigenkosten des Unfallgegners übernehmen. Dabei hat der Geschädigte die freie Expertenwahl und muss nicht einen von der Versicherung vorgeschlagenen Gutachter akzeptieren. Darauf folgert das Amtsgericht (AG) Pfaffenhofen a.d. Ilm mit Urteil vom 15. Dezember 2017, dass die Versicherung auch nicht die tatsächlich angefallenen Kosten für das Gutachten einseitig kürzen kann (AZ. 1 C 841/17).

Im verhandelten Fall stritten die Parteien über restliche Sachverständigenkosten für ein Unfallschadengutachten. Auf den Rechnungsbetrag in Höhe von 561,40 Euro brutto zahlte die Beklagte lediglich einen Teilbetrag von 280 Euro. Zur Begründung trägt die Beklagte vor, der Geschädigte sei darauf hingewiesen worden, dass ein Gutachter der Firma SV-Net ein Gutachten zum Festpreis von 280 Euro brutto inklusive Nebenkosten erstellen kann.

Diese Ansicht teile das AG Pfaffenhofen nicht und gab der hiergegen gerichteten Klage vollumfänglich statt. Das AG Pfaffenhofen stellt klar, dass es der Klägerin freistand, einen eigenen Sachverständigen zu beauftragen und ihr Anspruch auch nicht auf 280 Euro begrenzt war. Die Kürzungsstrategie der beklagten Versicherung verstieß gegen zahlreiche vom BGH aufgestellte schadenrechtliche Grundsätze.

Aus Sicht des Gerichts verstößt ein Geschädigter nicht gegen seine Schadenminderungspflicht, wenn er nicht einen günstigeren, vom Schädiger vorgeschlagenen Sachverständigen beauftragt. Der Geschädigte hat das Recht zur Wahl eines freien Gutachters seines Vertrauens. Zudem sei es aus Sicht des Geschädigten überaus zweifelhaft, ob er von einem im Lager des Schädigers stehenden Sachverständigen tatsächlich ein unabhängiges Gutachten erwarten könne (vgl. auch Urteile des AG München vom 31.07.2017, AZ: 343 C 7821/17 und vom 20.09.2017, AZ. 322 C 12124/17).

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