Geschickter Schachzug der Daimler AG

2015 verkaufte Daimler 18 Standorte an den größten Mercedes-Händler der Welt, die LSH-Gruppe. Die Chinesen machten daraus den umsatzstärksten MB-Händler in Deutschland. Mit einem gekonnten Manöver kehrt der Hersteller jetzt zurück ins Spiel.

| Autor: Dominik Faust

(Bild: VBM-Archiv)

Als die Daimler AG im Dezember 2014 verkündete, sie würde mit der Russ & Janot GmbH in Erfurt (Marktanteil im MB-Marktgebiet Ost aktuell 21 Prozent) ihre erste ostdeutsche Niederlassung an einen langjährigen internationalen Partner verkaufen, klang dies wie tausend andere M&A-Beispiele. Doch so einfach war es nicht: Zum einen fiel auf, dass kein bestehender Händler aus Deutschland zum Zug kam. Zum anderen lässt sich der Verkauf in der Retrospektive als Eröffnung einer Schachpartie interpretieren. An deren vorläufigem Ende hat Daimler seinen weltgrößten Handelspartner in Deutschland platziert – und zwar gleich auf die Poleposition –, er hat die Verantwortung für 18 Betriebsstätten im deutschen Osten los und kann über den fernen Osten weiter Einfluss auf seinen jetzt größten Händler des Landes ausüben.

Und das kam so: Nachdem sich Daimler in Stuttgart und Lei Shing Hong (LSH) in Hongkong 2014 grundsätzlich handelseinig waren, riefen die Chinesen am 5. September desselben Jahres in Hongkong die Star Auto International Ltd. ins Leben. Firmensitz ist exakt jener des LSH-Konzerns. Dies geht aus Recherchen von »kfz-betrieb« hervor. Dass die neue chinesische Firma den Stern in ihrem Namen führte, war sicher kein Zufall. Was dann noch fehlte, war ein Unternehmen in Deutschland, das die drei Mercedes-Benz-Standorte von Russ & Janot übernehmen konnte. Dafür nahmen die Verantwortlichen die Dienste der Münchner Blitzstart Holding AG in Anspruch. Sie handelt mit Vorratsgesellschaften, also gleichsam mit fertigen Firmenhüllen.

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