Giftige Schwermetalle? Öko-Image von Streetscooter wackelt

Post trickst offenbar bei Zulassungen

| Autor: Christoph Seyerlein

Das Öko-Image der Streetscooter-Modelle bröckelt.
Das Öko-Image der Streetscooter-Modelle bröckelt. (Bild: Deutsche Post DHL Group)

Streetscooter könnte Ärger vom Kraftfahrtbundesamt ins Haus stehen. Einem Bericht des „Spiegel“ zufolge will das KBA Hinweisen darauf, dass in den Autos unerlaubt viel Blei verbaut ist, nachgehen. Nachdem bereits im Lenkgetriebe ein hoher Bleigehalt festgestellt wurde, soll die Behörde auch auf ein Ladegerät gestoßen sein, das das giftige Schwermetall Cadmium enthält.

Die Thematik sei bekannt, teilte das Kraftfahrtbundesamt am Freitag mit, die Behörde gehe dem nach. Zu den konkreten Vorwürfen machte das KBA keine Angaben. Die Post hingegen wies die Berichte zurück: Die gesetzlichen Anforderungen aus der Richtlinie für Altfahrzeuge und damit die Grenzwerte etwa für Cadmium würden eingehalten, hieß es. „Dabei verlassen wir uns für einzelne Bauteile natürlich auf die Angaben unserer Zulieferer.“ Sollten entsprechende Hinweise vorliegen, dass gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen wurde, würde der Konzern umgehend entsprechende Maßnahmen zur Veränderung veranlassen.

Streetscooter: Elektro-Offensive der Deutschen Post

Bereits am vergangenen Wochenende hatte die „Bild am Sonntag“ das Thema angerissen. In dem Bericht schrieb das Blatt von durchaus brisanten Zulassungstricks, die die Post offenbar bisher anwendet, um Probleme zu vermeiden.

Im Jahr 2016 genehmigte das KBA Streetscooter zunächst zwei Kleinserien mit je 1.000 Fahrzeugen. Bei Kleinserien gibt es keine Materialprüfungen. Da die Nachfrage der Post und auch von Drittkunden aber schnell stieg, war ein derart kleines Volumen für den Hersteller deutlich zu wenig. Deshalb nahm Streetscooter Anfang 2017 Gespräche mit dem KBA über eine Großserie auf.

Trickserei bei der Zulassung

Das Problem dabei: Die Modelle können die Grenzwerte für Blei, die für eine Typgenehmigung von Großserienfahrzeuge bindend sind, offenbar nicht erfüllen. Dennoch schraubte Streetscooter die Produktion hoch. Um Strafen zu entgehen, wendete der Hersteller laut der „BamS“ einen Trick an: Er holte sich die Genehmigungen über sogenannte Einzelabnahmen bei den Zulassungsstellen der Bundesländer ab. Dabei sind die gesetzlichen Vorgaben weniger streng, lediglich ein Gutachten eines technischen Dienstes ist notwendig.

Streetscooter selbst wies den Vorwurf, dass in seinen Autos zu viel Blei verbaut sei, gegenüber der Bild zurück. Man halte sich strikt an die die gesetzlichen Anforderungen, sagte Firmengründer Achim Kampker. Allerdings sprach er auch davon, dass man sich an den Richtwerten für Kleinserien orientiere. Die große Anzahl von Einzelabnahmen wollte er nicht kommentieren.

Dem Bericht zufolge ist sich Streetscooter der Problematik aber sehr wohl bewusst. Ein Insider berichtete dem Blatt, dass für eine saubere Produktion entsprechende Teile nicht schnell genug verfügbar gewesen seien. Deshalb plane der Hersteller auch erst Ende des Jahres die Gespräche mit dem KBA über eine Großserien-Genehmigung wieder aufzunehmen. Bis dahin wolle Streetscooter die Blei-Probleme in den Griff bekommen.

Mit Material von dpa

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