17 Jahre lang war es ruhig gewesen um den Toyota Supra. Jetzt legen die Japaner den Sportwagen-Klassiker wieder auf – mit Schützenhilfe von BMW.
Comeback nach 17 Jahren: So sieht der neue Toyota Supra aus.
(Bild: Toyota)
2002 hat Toyota den Supra eingestellt, seitdem hofft die Fangemeinde auf eine Wiedergeburt. Erst recht, seit die Japaner 2014 mit der ersten Supra-Studie auf der Auto-Show in Detroit Lust auf den Nachfolger gemacht hat. Erst fünf Jahre später, wieder in Detroit, enthüllt der Hersteller nun endlich die Serienversion. Der neue Supra, der gemeinsam mit BMW entstanden ist, firmiert als erstes Toyota-Modell unter dem neuen Sportmarken-Namen GR (für Gazoo Racing). Dass bei uns zwischen GR und Supra dennoch Toyota eingefügt wird, liegt an den Markenrechten: Supra allein ist in Europa geschützt und darf nicht verwendet werden.
Einen Vorgeschmack hat Toyota schon auf dem Goodwood Festival of Speed im vergangenen Sommer mit einem nur noch in Tarnfolie gehüllten Supra gegeben. Doch die Details des 4,38 Meter langen Sportlers werden erst jetzt sichtbar: Die breiten Scheinwerfer, die mit je sechs LED-Linsen scharf nach vorn blicken, die auffälligen Lufteinlässe an der Front, die (angedeuteten) Luftschlitze auf der langen Motorhaube, das Double-Bubble-Dach, mächtige Seitenschweller, die ausgestellten Radhäuser und das knackige Hingucker-Heck mit zahlreichen Kanten, Bürzel-Spoiler und zwei armdicken Endrohren. Wer ein bisschen in der Geschichte kramt, erkennt zahlreiche Anleihen früherer Supra-Generationen, auch den legendären Toyota-Sportler 2000GT haben sich die Designer zum Vorbild genommen.
Den Japanern ist es gelungen, die Verwandtschaft zum BMW Z4 gut zu verleugnen. 2012 haben Toyota und BMW beschlossen, gemeinsame Sache zu machen und Gerüchte, wer in der Entwicklung für was verantwortlich sein wird, gab es viele. Inzwischen ist klar: Die Technik kommt zum Großteil aus Bayern. Z4 und Supra nutzen BMWs Heckantriebs-Plattform Clar, auf der vom neuen 3er bis zum 8er, vom X3 bis zum X7 zahlreiche Modelle der Münchner aufbauen.
Auch der Antrieb kommt vom deutschen Premium-Hersteller: An den Start geht der Supra mit dem 3,0-Liter-Reihensechszylinder, der im Z4 unter dem Namen M40i die Top-Version markiert. Hier wie da entwickelt das turbogeladene Aggregat 250 kW/340 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment, auch der Verbrauch ist mit 7,1 Litern identisch. Doch beim Standardsprint hängt der Supra den Z4 ab: Nach 4,3 Sekunden zeigt der Toyota-Tacho Tempo 100, der BMW braucht drei Zehntel länger.
Grund dafür sind bessere Aerodynamik, anders ausgelegtes Fahrwerk und ein paar Kilogramm weniger auf den Rippen. Denn während der Z4 ausschließlich als Roadster vorfährt, gibt es den leer gut 1,5 Tonnen schweren Supra nur als geschlossenes Coupé, das wegen der im Gegensatz zum Cabrio nicht notwendigen zusätzlichen Karosserieversteifungen etwas leichter ist. Die Kraftübertragung übernimmt beiderseits eine Achtgang-Automatik von ZF, außerdem sorgt zusätzlich ein aktives Differenzial an der Hinterachse für optimale Drehmomentverteilung zwischen den beiden angetriebenen 19-Zoll-Rädern. Das soll mehr Stabilität im Grenzbereich garantieren. Überhaupt haben die Japaner bei der Feinabstimmung viel Wert auf Agilität und perfektes Handling gelegt: Das Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern hat Toyota speziell an die gegenüber dem BMW etwas breitere Spur angepasst. Um die 50:50-Gewichtsverteilung trotz geänderter Karosserie beizubehalten, wird eine Kofferraumklappe aus Carbon eingesetzt.
Auch der Preis hat BMW-Niveau
Wie viel Gepäck in den Kofferraum geht, verrät Toyota nicht: Während BMW beim Roadster von 281 Litern spricht, hört man bei den Japanern nur, dass der Supra eigentlich gar keinen richtigen Kofferraum hat. Denn: Hinter den beiden erstaunlich bequemen Sportsitzen ist keine Wand, sondern man kann bis ins Gepäckabteil durchgreifen. Fakt ist, dass vier Räder oder ein Golfbag in den Supra passen.
Der Innenraum selbst erinnert stark an den BMW Z4. Zwar hat Toyota das Design der digitalen 8,8-Zoll-Instrumente angepasst, die Lufteinlässe überarbeitet und eine andere Klima-Steuerung eingebaut. Doch Lenkradtasten, der BMW-typische Automatikwählhebel, der aufgesetzte, ebenfalls 8,8 Zoll große Infotainment-Bildschirm und nicht zuletzt der iDrive-Bedienknubbel zeugen vom Münchner Einfluss. Erstaunlich: Dank der Ausbeulungen im Dach sitzen auch fast zwei Meter große Fahrer ziemlich gut im Supra und der Ein- und Ausstieg fällt leichter als vermutet.
Auf BMW-Niveau ist der Preis: 62.900 Euro ruft Toyota für den ab Sommer erhältlichen Supra auf, nur 850 Euro weniger als die Münchner für den gleichstarken Roadster haben wollen. Immer an Bord sind Abstandstempomat, digitale Instrumente, LED-Lichter, Infotainmentsystem und eine umfangreiche Sicherheitsausstattung mit Querverkehrswarner sowie Parksensoren mit Bremsfunktion. Für 2.000 Euro extra gibt es ein Premium-Paket mit schwarzer Leder-Ausstattung, Head-up-Display und induktiver Smartphone-Ladefunktion.
Wem mehr als 60.000 Euro zu viel sind für den Sportler, der muss sich gedulden: Analog zur BMW-Motorenpalette sind auch für den Supra kleinere Aggregate denkbar. Die Münchner bieten den Z4 derzeit noch mit einem Zweiliter-Vierzylinder mit 145 kW/197 PS und 190 kW/258 PS an; der günstigste Roadster liegt bei 46.450 Euro.
Stand: 08.12.2025
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