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GTÜ: Garagengold unter der Lupe

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Auch Klassiker müssen zur HU. Die GTÜ hat die Mängelstatistiken von Deutschlands beliebtesten Oldtimern ausgewertet. Sieger sind diesmal nicht die Bayern, sondern die Schwaben.

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1972 übertraf der Käfer die Stückzahl des Ford T-Modells. Auch heute ist der Bestand noch groß.
1972 übertraf der Käfer die Stückzahl des Ford T-Modells. Auch heute ist der Bestand noch groß.
(Foto: VW)

Das Oldtimer-Hobby boomt. Immer mehr Menschen beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit alten Autos. Auf Deutschlands Straßen waren noch nie mehr Oldtimer unterwegs als heute: Derzeit sind rund 345.000 Klassiker mit H-Kennzeichen zugelassen. Und jedes Jahr wächst deren Zahl weiter.

Die hohe Nachfrage sorgt für steigende Preise für klassisches Blech, und die niedrigen Zinsen auf dem Geldmarkt heizen den Markt zusätzlich an. Was kürzlich noch ein normaler Gebrauchtwagen war, wird heute als „Garagengold“ bewertet und liebevoll gepflegt und aufbereitet. Doch wie wirkt sich das auf die Mängelstatistik der rollenden Preziosen aus? Die Prüf- und Sachverständigenorganisation GTÜ hat die Top 10 der beliebtesten Oldtimer Deutschlands unter die Lupe genommen und ihre technischen Stärken und Schwächen in einem Mängel-Check ausgewertet (siehe Bildergalerie).

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Mit Abstand den größten Anteil am Oldtimermarkt hat der VW Käfer, von dem es an die 28.000 Exemplare mit einer H-Zulassung gibt. Beim Käfer sorgen Vorteile wie eine gute Ersatzteilversorgung, Langlebigkeit und eine große Fangemeinde dafür, dass er nicht so schnell aus dem Straßenbild verschwindet. Doch wie sieht es mit dem technischen Zustand des beliebtesten aller Oldtimer aus?

Bei der Hauptuntersuchung (HU) attestierten die GTÜ-Prüfingenieure 54 Prozent der unter die Lupe genommenen VW Käfer absolute Mängelfreiheit. 26 Prozent der Fahrzeuge wiesen geringe Mängel auf und knapp 20 Prozent waren mit erheblichen Mängeln unterwegs. Damit belegt der Käfer den dritten Platz im Mängel-Check.

Nicht nur schnell, sondern auch solide: Porsche 911

Die wenigsten Mängel unter den Top-10-Oldtimern wies der Porsche 911/912 auf. Fast 64 Prozent der von der GTÜ untersuchten Fahrzeuge absolvierten die HU ohne erkennbare Mängel. Knapp 23 Prozent hatten geringe und knapp 14 Prozent erhebliche Mängel.

Platz zwei bei der GTÜ-Mängelquote belegt der Mercedes SL Baureihe W 113 („Pagode“). An die 59 Prozent der bei der HU geprüften Fahrzeuge waren ohne Mängel, knapp 32 Prozent wiesen geringe Mängel auf und knapp 10 Prozent waren mit erheblichen Mängeln unterwegs. Den letzten Platz im Ranking der Top-10-Klassiker belegte der Mercedes W 123. Nur 43 Prozent der zur Untersuchung vorgeführten Fahrzeuge waren mängelfrei. Knapp 34 Prozent wiesen geringe und knapp 24 Prozent erhebliche Mängel auf.

Oldtimer sind besser in Schuss als viele jüngere Autos

Fazit des GTÜ-Mängelreports für das Jahr 2014: Die Mehrzahl der klassischen Fahrzeuge ist besser in Schuss und häufig mit weniger technischen Mängeln unterwegs als viele jüngere Pkw. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Oldtimer mit H-Kennzeichen bei den Mängeln im Durchschnitt auf dem Niveau der acht bis neun Jahre alten Pkw in der GTÜ-Mängelstatistik liegen.

Mehr als die Hälfte (52,5 Prozent) der Fahrzeuge mit H-Kennzeichen im Alter von 30 bis 40 Jahren erhalten bei der fälligen Hauptuntersuchung (HU) die neue Prüfplakette bereits im ersten Anlauf. Zum Vergleich: Bei Fahrzeugen im Alter von 20 bis 30 Jahren – den Youngtimern – fällt fast jedes dritte (28,5 Prozent) durch.

„Auch wenn Oldtimer meist nicht mehr im Alltagsbetrieb eingesetzt werden und insbesondere bei winterlichen Straßenbedingungen in der Garage bleiben, zeigt diese Entwicklung doch deutlich, dass die Besitzer ihren Fahrzeugen das erforderliche Maß an Pflege und Wartung zukommen lassen. Ganz im Gegensatz zu den Haltern vieler im Alltag genutzter Gebrauchsfahrzeuge“, betont Rainer Süßbier, Technischer Leiter der GTÜ, bei der Vorstellung des Mängelreports.

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