Gütegemeinschaften: Gemeinsam stärker

Die Gütegemeinschaften im Deutschen Kfz-Gewerbe wollen fusionieren

| Autor: Edgar Schmidt

Die Gütegemeinschaften für die Serviceberufe und für die Automobilverkäufer wollen noch in diesem Jahr fusionieren.
Die Gütegemeinschaften für die Serviceberufe und für die Automobilverkäufer wollen noch in diesem Jahr fusionieren. (Bild: Promotor)

Das Kfz-Gewerbe steht bekanntlich vor deutlichen Veränderungen – einerseits durch die Verkehrs- und Antriebswende, andererseits durch die Digitalisierung. Dadurch werden auch die Aufgaben in den Kfz-Betrieben immer komplexer. Das wiederum führt künftig zu diversifizierten Berufsbildern. Auf der anderen Seite gleichen sich die Ausbildungen von Mitarbeitern in Verkauf und Service immer weiter an, da alle Dienst am Kunden leisten. Und nicht zuletzt steigt der Kostendruck in den Betrieben und bei Herstellern sowie Importeuren. Aus- und Weiterbildungen müssen also möglichst effizient sein und trotzdem einen hohen Nutzwert für die Teilnehmer bieten, damit sie von allen Seiten akzeptiert werden.

Angesichts dieses Spannungsfelds arbeiten die Gütegemeinschaften im Kfz-Gewerbe intensiv an der Weiterentwicklung der zertifizierten Weiterbildungen zum geprüften Automobilverkäufer (GAV), geprüften Automobil Serviceberater (GASB) geprüften Automobilteile- und Zubehörverkäufer (GATZV) sowie dem geprüften Automobil Serviceassistenten (GASA). Ein erster Schritt war 2016 die Gründung der Gütegemeinschaft Service, in der GASB, GATZV und GASA integriert sind. Da es in der Qualifizierung im Verkauf und im Service ebenfalls erhebliche Schnittmengen gibt, gab es in den Gremien schon seit Längerem die Idee, die GAV und die Gütegemeinschaft Service unter ein gemeinsames Dach zu bringen. Schließlich lassen sich dadurch noch mehr Synergien in den Weiterbildungen nutzen, was die Bildungsgänge sowohl für die Unternehmen als auch für die Lernenden effizienter macht.

Außerdem lassen sich dadurch die einzelnen Bildungsgänge durchlässiger gestalten, weil sich Komponenten der einen Ausbildung viel leichter auf eine andere Ausbildung anrechnen lassen. Deshalb beschlossen die beiden Gütegemeinschaften Service und Automobilverkäufer auf ihrer Jahrestagung 2019 Mitte April, die Fusion noch in diesem Jahr zu vollziehen.

Anerkennung erhalten

In den kommenden Monaten werden sich vier verschiedene Arbeitsgruppen an die Ausarbeitung der Details machen. Denn die Gütegemeinschaften wollen nicht nur fusionieren, sondern diesen Wandel auch gleich dazu nutzen, die Bildungsgänge moderner und flexibler zu gestalten. Künftig soll es für die einzelnen Mitglieder einfacher möglich sein, Inhalte, die bisher überwiegend in Präsenztrainings vermittelt wurden, nun verstärkt über digitale Medien zu vermitteln.

Eine Herausforderung wird dabei sein, dass die über verschiedene Lehrmethoden und Ausbildungsverfahren vermittelten Inhalte und Kompetenzen weiterhin vergleichbar bleiben. Denn den großen Vorteil der über die Gütegemeinschaften organisierten und überwachten Bildungsgänge – die markenübergreifende Anerkennung – soll auch mit modernisierten Weiterbildungen erhalten bleiben. Schließlich ist das ein wichtiges Qualitätskriterium für die Mitarbeiter in den Autohäusern und damit auch für die Werbung um Berufsnachwuchs und -quereinsteiger.

Weitere Ziele für die Zukunft sind, dass die Mitglieder der Gütegemeinschaften dort, wo es möglich ist, gemeinsam Inhalte erarbeiten, die dann allen Mitgliedern zur Verfügung stehen. Dann müsste beispielsweise bei übergreifenden Rechtsthemen nicht jede Marke selbst eine eigene Lerneinheit entwickeln. Das soll künftig die Kosten der Weiterbildungen reduzieren und die Entwicklung von Lerneinheiten beschleunigen. Die künftige Gütegemeinschaft will hier nicht mehr nur als Zertifizierer, sondern durchaus auch als Dienstleister auftreten, um eine hohe Qualität der Ausbildung zu gewährleisten, die letztlich allen nützt.

Die Geschichte der Gütegemeinschaften

Die Gütegemeinschaften wurden 1997 von den Branchenverbänden VDA, VDIK und ZDK ins Leben gerufen. Ziel war es, die verschiedenen Trainingskonzepte der einzelnen Automobilhersteller, Importeure und Zulieferer in ein einheitliches, verbindliches Weiterbildungskonzept umzuwandeln, das alle Mitglieder gegenseitig anerkennen.

Als älteste Gütegemeinschaft startete 1997 der Geprüfte Automobilverkäufer für den Bereich Neuwagen. Seit sechs Jahren können die Schulungsteilnehmer auch ein Zertifikat für den Bereich Gebrauchtwagen erlangen. In den Jahren 2000 und 2008 wuchs die Familie der Gütegemeinschaften. Mit einheitlichen Ausbildungsstandards können sich seitdem Mitarbeiter zum Geprüften Automobil-Serviceberater und zum Geprüften Automobil Teile- und Zubehörverkäufer fortbilden.

Um die Weiterbildung im Kfz-Gewerbe auch in Zukunft attraktiv zu gestalten, schlossen sich 2016 die Gütegemeinschaften Geprüfter Automobil-Serviceberater und Geprüfter Automobil Teile- und Zubehörverkäufer zur Gütegemeinschaft Service zusammen. Unter ihrem Dach sind nun die Berufsfelder Serviceberater, Teile- und Zubehörverkäufer sowie die Serviceassistenz vereinigt.

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