Gutachten: Örtlich begrenzte Dieselnachrüstung zeigt wenig Wirkung

Delegiertenversammlung des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg

| Autor: Christoph Baeuchle

Nachgerüstete Diesel sind nachweislich sauberer. Die auf einzelne Gebiete beschränkte geforderte Nachrüstung bringt effektiv aber zu wenig.
Nachgerüstete Diesel sind nachweislich sauberer. Die auf einzelne Gebiete beschränkte geforderte Nachrüstung bringt effektiv aber zu wenig. (Bild: ZDK)

Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg fordert eine staatliche Förderung der Nachrüstung von Diesel-Pkws der Schadstoffklasse Euro 5 und einen „Wegfall der Insellösungen“: „Die Idee der Bundesregierung, die Förderung auf sogenannte Intensivstädte zu beschränken und bei den Einbaukosten auf freiwillige Zahlungen der Hersteller zu setzen, funktioniert nachweisbar nicht“, sagte Michael Ziegler, Präsident des baden-württembergischen Kfz-Landesverbands. In einigen Städten wie Stuttgart drohen ab 2020 weitere Fahrverbote.

Mit seiner Aussage stützt sich Ziegler auf ein vom Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg in Auftrag gegebenes Gutachten des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA). IFA-Chef Stefan Reindl stellte das Gutachten bei der Delegiertenversammlung des Kfz-Landesverbands in Leinfelden-Echterdingen vor.

Reindl kommt zu dem Schluss: „Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse ist letztlich zu überprüfen, ob die erreichbaren Reduktionsraten den wirtschaftlichen Aufwand sowie den Ressourceneinsatz der Nachrüstung mit NOx-Minderungssystemen rechtfertigen. Brauchbare Effekte auf den NOx-Ausstoß ließen sich wohl nur dann erreichen, wenn der gesamte Dieselfahrzeugbestand mit Euro-5-Abgasnorm in Deutschland zügig mit Hardware-Nachrüstsätzen ausgestattet werden könnte. Hierzu wäre aber eine großzügige Förderung durch Bund und Länder nötig, um einerseits die Fahrzeughalter zur Umrüstung und andererseits die Systemanbieter zu umfassenden Angeboten in ausreichender Stückzahl zu motivieren.“

Die Fokussierung auf Intensivstädte dürfte für die erhoffte Emissionsreduktion kaum reichen. „Auf Basis der getroffenen Annahmen bezüglich verfügbarer Nachrüstsätze läge das NO2-Emissionsniveau bis zum Jahr 2023 dann bundesweit lediglich um 3,4 bis 3,6 Prozent unter den 2018er Werten“, so Reindl. In Intensivstädten würde der Rückgang zwischen 6,4 und 7,1 Prozent liegen.

Angebot in der Praxis kaum angekommen

Schließlich erreicht die Technologie durch die Fokussierung nur einen Bruchteil der potenziellen Fahrzeuge. „Von 5,39 Millionen Euro-5-Diesel-Pkws, Pkw-Utilities und Transportern werden mit den derzeitigen Regelungen nur 1,2 Millionen überhaupt theoretisch erreicht.“ Der Anteil der tatsächlich umrüstbaren Fahrzeuge dürfte hingegen lediglich bei rund 55 Prozent – also bei rund 666.000 Stück – liegen.

In der Praxis ist das Angebot beim Verbraucher bislang kaum angekommen. „Wenn auf der Baumot-Internetseite gerade einmal 13.245 an einer Nachrüstlösung interessierte Autobesitzende registriert sind, spricht das eine deutliche Sprache – ohne staatliche Förderung funktionieren Nachrüstung und Luftreinhaltung nicht“, betont Präsident Ziegler. Die Politik sei gefordert Impulse zu setzen.

Ziegler verhehlt nicht, dass es dabei für die Kraftfahrzeugbetriebe auch um viel Geld geht: „Die Berechnungen des IFA-Instituts kommen zu dem Ergebnis, dass im Zeitraum von 2019 bis 2022 in den Betrieben des Kfz-Gewerbes ein Umsatzvolumen zwischen 9,0 und 9,7 Milliarden Euro realisierbar wäre – ließe sich das gesamte Marktpotenzial ausschöpfen“, sagt Gutachter Reindl. In Baden-Württemberg wären das schätzungsweise 1,26 Milliarden Euro Umsatz.

Neben dem Gutachten standen bei der Delegiertenversammlung noch weitere Themen auf der Agenda: Der Verband erläuterte den Stand der Akkreditierung in der technischen Fahrzeugüberwachung, die BDK stellte ihre neue Fahrzeugbörse „Juhu Auto“ vor und Carwow ging auf das Thema „Vom Online-User zum Autohauskunden“ ein.

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