Händlerumfrage: Bremsspuren im Verkauf

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Toyota-Kollege Michael Hess vom Autohauses Yvel in Köln verzeichnete gegenüber dem zweiten Quartal eine leichte Belebung im Neuwagengeschäft. Insgesamt läuft das dritte Quartal aber auch in seinem Unternehmen nicht wie geplant, obwohl sich die Lieferzeiten bei Toyota/Lexus wieder normalisiert haben. Über die Nachlässe sagt der Prokurist: „Grundsätzlich haben wir die Rabatte fahren können. Durch die Liefersituation hat auch der Intrabrand-Wettbewerb nachgelassen. Wir konnten die Ertragssituation in unseren Häusern deutlich verbessern.“

Keinen Aufschwung verzeichnete das Unternehmen im dritten Quartal im Gebrauchtwagengeschäft, es war sogar leicht rückläufig. „Insgesamt bin ich aber mit der Entwicklung von Ertrag und Volumen zufrieden“, sagt Hess. Stabil verläuft bei Yvel auch der Service. „Allerdings ist das Garantieaufkommen deutlich zurückgegangen. Diese Entwicklung konnten wir kompensieren, indem wir uns im Wartungsbereich intensiv um unsere Kunden bemüht haben“ In Sachen Winterreifengeschäft sieht sich Hess gut gewappnet: „Wir haben die Vorordermöglichkeit über Toyota im vollen Umfang genutzt und sind sehr gut für das Winterreifengeschäft aufgestellt.“

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Nutzfahrzeugfreude

Die Nachfrage nach Neuwagen hat auch bei der Braunschweiger Dürkop-Gruppe deutlich nachgelassen. „Trotzdem konnten wir zum 30.9.2011 den Neuwagenauftragseingang mit 25 Prozent kumuliert über Vorjahr abschließen. Das Wachstum verteilt sich gleichmäßig auf Privat- und Gewerbekunden“, zieht Geschäftsführer Stefan Quary eine erste Bilanz. „Waren die Rabatte in den ersten sechs Monaten bei den Privatkunden konstant, sind diese im dritten Quartal leicht angestiegen“, ergänzt er.

Als stabile Volumen- und Ertragsstütze bezeichnet Quary das Gebrauchtwagengeschäft. „Gegenüber dem Dürkop-Rekordjahr 2010 stieg der Absatz um fünf Prozent, die Erträge sind stabil geblieben.“

Auch das Servicegeschäft im dritten Quartal „liegt drei Prozent über Vorjahr und zeigt im Ertrag eine deutlich positivere Tendenz“. Ein Grund dafür sei, dass die eingeleiteten Kundenbindungsmaßnahmen in der Altersklasse zwei und drei spürbare Wirkung zeigten. Bezüglich des Winterreifengeschäfts erwartet Quary eine schwächere Nachfrage als im letzten Jahr. „Diese kann in erster Linie durch eine Regelung der Mindestprofiltiefe positiv beeinflusst werden. Die Lieferfähigkeit der Hersteller ist in den Volumengrößen weiterhin eingeschränkt. Sollte dies so bleiben, müssen wir unser exklusives Einkaufsverhalten zukünftig verbreiten“, erklärt der Geschäftsführer.

Mit fünf Prozent unter Vorjahr verzeichnete Opel-Kollege Stefan Zschernitz aus Karlsruhe im dritten Quartal einen ebenfalls sehr schleppenden Neuwagenverkauf bei gleichbleibenden Rabatten. Gleiches gilt für das Gebrauchtwagengeschäft. „Insgesamt ist dieses für 2011 aber noch zufriedenstellend, da es 20 Prozent über 2010 liegt“, so Zschernitz. Zufrieden äußert er sich über das Servicegeschäft. Jedoch sieht er für den kommenden Winter in Sachen Räder und Reifen Schwierigkeiten auf sein Unernehmen zukommen, und zwar bezüglich Lagerbestand und Lieferfähigkeit. Erfreulich dagegen ist für ihn das stabile Nutzfahrzeuggeschäft in Verkauf und Service. Der Auftragseingang im Verkauf ist gar zehn Prozent höher als im Vorjahr.

Kleinwagen unter Druck

Uwe Conrad vom Smart Center Saarbrücken sieht sein Kleinwagengeschäft weiter mächtigen unter Druck. „Nach wie vor sind die Zulassungszahlen in der Smart-Vergleichsklasse zwölf Prozent niedriger als im Vorjahr. Trotzdem ist es Smart und auch uns in Saarbrücken gelungen, mit dem Fortwo in dieser Klasse einen Marktanteil von 25 Prozent zu erreichen, was eine Steigerung von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

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Die Marke Smart ist und bleibt mit großem Vorsprung Segmentführer“, freut sich Conrad. Weniger erfreut ist der Centerleiter über die aktuelle Rabattsituation: „Der Wettbewerbsdruck speziell in der schrumpfenden Mini-Klasse bewirkt, dass Mitbewerberfahrzeuge mit Preisnachlässen von über 20 Prozent beworben werden. Überzahlungen der in Zahlung gegebenen Gebrauchtwagen in schwindelnden Höhen oder direkte Preisreduzierungen von 2.000 bis 3.000 Euro sind keine Seltenheit.“

Für Conrad ist das Jahreswagengeschäft mittlerweile zu einem wichtigen Standbein geworden. „Wir sind im Saarland mittlerweile die Nummer eins beim Verkauf von Smart-Jahreswagen. Trotzdem sind wir mit den Verkaufszahlen nach den ersten neun Monaten nicht zufrieden“, bilanziert der Autohauschef. Zufrieden ist er allerdings mit der Werkstattauslastung und den Deckungsbeiträgen im Service. Letztere habe sich wie geplant entwickelt. Liefert der Hersteller jetzt wie versprochen bis Ende September die bestellten Winterreifen, wäre die Werkstatt auch in der Lage, den Bedarf ihrer Kunden zeitnah zu decken, was sich wiederum positiv auf den Serviceumsatz auswirke.

Carlo Jesse verbuchte in den letzten drei Monaten weniger Neuwagen an gewerbliche und private Kunden als in den Monaten davor. Jedoch seien die Rabatte auf einem normalen Niveau geblieben. Mit dem Gebrauchwagengeschäft ist Geschäftsführer von Auto Jesse in Ibbenbüren sehr zufrieden. „Bezüglich Absatzzahlen haben wir das beste Jahr in unserer Geschichte. Jedoch verspüren wir insbesondere in den letzten Wochen einen massiven Nachfragerückgang.“ Erfreulich sei, dass die Werkstatt weiterhin sehr gut ausgelastet sei. Zum anstehenden Winterreifengeschäft sagt Jesse: „Wir arbeiten wie bisher nach dem Just-in-time-Prinzip mit einem sehr geringen Lagerbestand. Mit unseren langjährigen EGA-Lieferanten gibt es keine Probleme, denn die Quellen sind europaweit vielfältig. Ich weiß nicht, wer die Presse geimpft hat. Wenn ein Händler nicht liefern kann, dann ist er sehr unflexibel.

Fazit: Auch wenn die Jubelstürme der Autohausunternehmer für das dritte Quartal 2011 ausbleiben, sind die Betriebe mit dem bisherigen Jahresverlauf grundsätzlich zufrieden. Und selbst wenn sich die verschieden Geschäftsfelder nicht alle überall einheitlich positiv entwickeln – die von »kfz-betrieb« befragten Autohäusern haben gute Gründe, optimistisch in Richtung Jahresende zu blicken.

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