Harter Brexit trifft deutsche Zulieferer massiv

Studie der Unternehmensberatung Deloitte

| Redakteur: Svenja Gelowicz

(Bild: #unitedforeurope / Ed Everett / CC BY-SA 2.0)

Welche Auswirkungen hat ein harter Brexit für die deutschen Zulieferer? Dem Deloitte Brexit Briefing „Harter Brexit und die Lieferkette“ zufolge sind die Folgen gewaltig: Die Zulieferbranche müsste im Jahr des Ausscheidens mit Umsatzeinbußen in Höhe von 3,8 Milliarden Euro im Vergleich zu einem No-Brexit-Szenario rechnen. Keine guten Voraussetzungen für die Arbeitsplätze in den Unternehmen: Hier könnten nach den Berechnungen bis zu 14.000 Jobs gefährdet sein.

Grund dafür sei die starke Verflechtung deutscher Zulieferer mit deutschen, britischen und anderen europäischen Automobilproduzenten auf zwei Ebenen: So statten deutsche Zulieferer die britische Autoindustrie direkt mit Waren aus und sind zudem indirekt an der Produktion deutscher und anderer europäischer Exportwagen nach Großbritannien beteiligt.

Durch die Einführung von WTO-Zöllen und eine dauerhafte Abwertung des Pfunds im Falle des harten Brexit sinke der Autoabsatz und die Automobilproduktion. Das träfe unmittelbar deutsche Automobilzulieferer, da nahezu jedes fünfte im Vereinigten Königreich verbaute Automobil-Teil aus deutscher Produktion stammt.

Dadurch würden folgerichtig auch die Umsätze einbrechen. Die Erlöse deutscher Zulieferer, die aus der Verflechtung mit Großbritannien resultieren, würden laut Deloitte im Brexit-Jahr 2019 um 23 Prozent von 16,4 auf 12,6 Milliarden Euro schrumpfen. Das entspräche einem Rückgang von rund 5 Prozent der aktuellen Gesamtumsätze der deutschen Zuliefererbranche, rechnet Deloitte-Chefökonom Alexander Börsch vor. Schon jetzt ist ein Rückgang spürbar: 2016 lag der Umsatz der deutschen Zulieferer aus Geschäften in Großbritannien noch bei 16,9 Milliarden Euro.

Fast ein Fünftel britischer Autoteile aus Deutschland

Großbritannien ist der größte Absatzmarkt für deutsche Zulieferer innerhalb Europas. Rund 18 Prozent aller dort verbauten Teile stammen aus deutscher Produktion. Zugleich produzieren etwa 30 der größten deutschen Zulieferer im Vereinigten Königreich und sind somit unmittelbar an der dortigen Herstellung beteiligt.

Über 40.000 Arbeitsplätze hängen laut Deloitte in Deutschland am UK-Zuliefergeschäft. Bei einem harten Brexit wären viele Stellen davon in Gefahr. Insgesamt 42.500 Arbeitnehmer sind mittelbar und unmittelbar vom Handel mit Großbritannien abhängig: 15.700 Mitarbeiter durch direkte Lieferbeziehungen, also die Belieferung britischer Autobauer, weitere 26.800 durch indirekte Lieferbeziehungen über die Beteiligung an der deutschen sowie EU-Autoproduktion für die Insel.

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