Microlino Isetta-Double soll im September nun wirklich starten

Autor: Christoph Seyerlein

Optisch erinnert der Microlino an die legendäre Isetta von BMW. Damit generierte der Schweizer Hersteller hinter dem E-Kleinstfahrzeug bereits viel Aufmerksamkeit. Nach einigen Hürden soll nun auch der Weg zur Serie frei sein.

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Noch in diesem Jahr soll der Microlino auf die Straße kommen.
Noch in diesem Jahr soll der Microlino auf die Straße kommen.
(Bild: Microlino)

Eigentlich wollte Micro Mobility seinen Elektro-Kleinstwagen Microlino bereits 2018 auf die Straße zu bringen. Doch der Weg dorthin gestaltete sich schwieriger als erwartet. Unter anderem hatten sich die Schweizer mit ihrem einstigen Partner Artega einen intensiven Streit um die Rechte an dem Isetta-Nachfolger geliefert. Dieser wurde Ende 2019 außergerichtlich beigelegt. Den Microlino baut das Unternehmen nun gemeinsam mit der italienischen Firma Cecomp.

Nun soll das Projekt vor dem Durchbruch stehen. Wie die Schweizer mitteilten, ist ein entsprechender Prototyp fertig und wird nun getestet. In den kommenden Wochen und Monaten sollen weitere Vorserienfahrzeuge folgen. Insgesamt hat der Hersteller fünf Prototypen eingeplant.

Für die EU-Zulassung peilt Micro eine Zeitspanne von zwei bis drei Monaten ein. Am 21. August 2021 will das Unternehmen alle Papiere in der Tasche haben. Mit der Serienproduktion und den ersten Auslieferungen planen die Schweizer dann einen Monat später, am 21. September soll es losgehen.

Schon während der Prototypen-Phase will Micro auch Werkzeuge etwa für Bodypanels herstellen, um keine Zeit zu verlieren, wie Co-Gründer Merlin Ouboter erklärte. Die einzelnen Prototypen werden die Schweizer bis dahin Schritt für Schritt verfeinern, dem aktuellen Modell fehlen noch einige wesentliche Features wie etwa ein LED-Lichtleiste.

Selbsttragende Karosserie für mehr Sicherheit

An anderer Stelle hat der jetzige Prototyp im Vergleich zu seinen Vorgängern Merlin Ouboter zufolge aber wesentliche Fortschritte gemacht. Im Fokus stand dabei vor allem das Thema Sicherheit. Die Schweizer setzen nun auf eine selbsttragende Karosserie aus gepressten Stahl- und Aluminiumteilen statt wie bislang auf einen Gitterrohrrahmen. Das verschafft dem Fahrzeug eine höhere Steifigkeit, ohne dabei an Gewicht zuzulegen. Dem Unternehmen zufolge ist der Microlino das erste Mikro-Mobil, das auf diese aus dem Pkw-Bereich bekannte Technik setzt.

Um die Sicherheit zu erhöhen, setzt Micro nun auf einen Gitterrohrrahmen auf eine selbsttragende Karosserie aus gepressten Stahl- und Aluminiumteilen.
Um die Sicherheit zu erhöhen, setzt Micro nun auf einen Gitterrohrrahmen auf eine selbsttragende Karosserie aus gepressten Stahl- und Aluminiumteilen.
(Bild: Microlino)

Läuft alles nach Plan, will Micro die Produktion „so schnell wie möglich hochfahren, ohne dabei Abstriche in der Qualität zu machen.“ Ouboter teilte mit: „Die Neuentwicklung eines Fahrzeugs ist extrem schwierig und wir haben das auf die harte Tour gelernt. Deshalb waren wir dieses Mal vorsichtig mit der Kommunikation eines Zeitplans.“

Direktvertrieb und Micro Mobility Stores

Der Microlino ist ein Leichtfahrzeug, in dem zwei Personen Platz finden. Mit seiner Fronttür erinnert er an die BMW Isetta, die die Münchner zwischen 1955 bis 1962 gebaut hatten. Laut Micro sollen Kunden die Lithium-Ionen-Batterie (8 kWh oder 14,4 kWh) an gewöhnlichen Haushaltssteckdosen aufladen können – ähnlich wie ein Smartphone. Binnen vier Stunden soll der Akku wieder komplett voll sein. Je nach Batteriegröße soll der Microlino mit einer Ladung 125 bis 200 Kilometer weit kommen. Die Höchstgeschwindigkeit des 11-kW-Motors mit 100 Nm Drehmoment beträgt 90 km/h.

Ohne Passagiere und sonstige Ladung wiegt das Modell 513 Kilogramm. Der Kofferraum 220 Liter großen Kofferraum sollen dem Hersteller zufolge beispielsweise drei Bierkisten passen. Und die Kosten? Mindestens 12.000 Euro werden die Schweizer dem Vernehmen nach für den Microlino aufrufen.

Im Verkauf wird Micro auf den Direktvertrieb über die eigene Webseite und Micro Mobility Stores setzen. Den Service will das Unternehmen mit bestehenden Werkstattnetzbetreibern wie etwa Bosch Car Service abwickeln.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«