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Källenius: „Daimler benötigt derzeit keine Staatshilfe“

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Daimler-Chef Ola Källenius sieht aktuell trotz der Corona-Krise keine Veranlassung, auf Unterstützung vom Staat zurückzugreifen. Pessimistischer hatte sich zuvor der Betriebsratschef des Autoherstellers geäußert.

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Daimler-Chef Ola Källenius sieht den Autohersteller finanziell gut aufgestellt.
Daimler-Chef Ola Källenius sieht den Autohersteller finanziell gut aufgestellt.
(Bild: Daimler)

Daimler bleibt trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie bei seinen Dividendenplänen. „Unser Vorschlag für eine Dividende steht, und es gibt keinen Anlass, zu diesem Zeitpunkt etwas zu ändern“, sagte Daimler-Vorstandschef Ola Källenius dem Handelsblatt (Montag). Daimler hatte Mitte Februar vorgeschlagen, für das vergangene Jahr eine Dividende von 90 Cent je Aktie zu zahlen – ein Jahr zuvor waren es jedoch noch 3,25 Euro gewesen.

Daimler sei mit einer hohen Liquidität solide ausgestattet, so Källenius. Der Fokus liege in den kommenden Wochen nun darauf, diese Situation zu managen und Liquidität zu sichern. Staatshilfen zieht der Dax-Konzern demnach aktuell nicht in Erwägung. „Über einen solchen Schritt haben wir nicht diskutiert“, sagte der Schwede. „Daimler benötigt derzeit keine Staatshilfe.“

Daimler-Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht schätzt die Lage dagegen kritischer ein. Die Krise werde tiefe Spuren hinterlassen – und nicht so schnell zu überwinden sein. „Es soll jetzt niemand glauben, dass das in zwei Wochen erledigt ist“, sagte Brecht der „Deutschen Presse-Agentur“. Daimler produziere nun einmal Autos und Nutzfahrzeuge. „Woher sollte ich im Moment den Glauben nehmen, dass die Leute in einigen Wochen wieder massenhaft Autos kaufen?“ Was die Regierung derzeit unternehme, um das öffentliche Leben herunterzufahren, sei richtig und notwendig. Aber als Folge werde sich eine Wirtschaftskrise entwickeln.

Daimler hat die Produktion in Europa für zunächst zwei Wochen weitgehend gestoppt – Verlängerung je nach Entwicklung der Lage nicht ausgeschlossen. Man wolle die Belegschaft schützen und dazu beitragen, die Infektionsketten zu unterbrechen, hieß es zur Begründung. Und auch dass nun eine Phase mit niedrigerer Nachfrage bevorsteht, hat der Konzern schon angedeutet.

Betriebsratschef: Kurzarbeit kommt

Die Beschäftigten federn die Zwangspause vorerst mit Urlaub oder dem Abbau von Zeitkonten ab. Brecht geht aber davon aus, dass danach Kurzarbeit notwendig sein wird. „Wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir ab der dritten Woche in Kurzarbeit gehen können“, sagte er. „Und meine persönliche Meinung ist: Das wird passieren.“

Zugleich betonte er: „Das ist nicht der Start in ein unüberschaubares finanzielles Desaster.“ Selbst im schlechtesten Fall, sprich wenn die Kurzarbeit zeitweise auf null heruntergefahren würde, bekämen die Beschäftigten immer noch 80 Prozent ihres Nettolohns. Auch Leiharbeiter könnten an Bord bleiben. „Ich bin mehr als sicher, dass wir mit dem Kurzarbeitergeld ein gutes Instrument haben, um mit einer annähernd gleichen Zahl an Beschäftigten aus dieser Krise zu kommen“, sagte Brecht.

Ohnehin sei es wichtig, so aufgestellt zu bleiben, dass der Wiederanlauf schnell gelinge und nach dem Ende der Krise nicht Monate dafür ins Land gingen, die nötigen Leute zu finden. Einige Bereiche blieben deshalb auch in Betrieb, unter anderem dort, wo der Anlauf neuer Fahrzeuge vorbereitet werde – unter dem maximal möglichen Schutz der Beschäftigten. „Wir müssen diese Krise managen“, sagte Brecht. „Aber es wird auch ein Leben nach der Corona-Krise geben.“

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