»kfz-betrieb« Auto-Check: Fiat 500X

Autor / Redakteur: Ottmar Holz / Ottmar Holz

Mit dem 500X geht der dritte Ableger von Fiats Kleinwagenfamilie ins Rennen um die Käufergunst. Nach dem wenig erfolgreichen Ausflug des 500L in die Welt der Vans will Fiat jetzt mit einem Crossover punkten.

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Eines der schönsten Details ist das Markenlogo auf der Heckklappe.
Eines der schönsten Details ist das Markenlogo auf der Heckklappe.
(Foto: Holz)

Fällt der Designabteilung eines Herstellers nichts Geniales ein, zitiert sie sich gerne selbst – das Retrodesign soll den Markterfolg sichern. Das hat BMW mit der Marke Mini souverän vorgemacht – auch Fiat ist mit dem 500 seit Jahren sehr erfolgreich. Doch anders als das deutsch-britische Vorbild setzt der italienische Konzern voll auf die ruhmreiche Zahl 500, um die unglückliche Modellpolitik der Gesamtmarke zu retten.

Fiat erinnert zurzeit fatal an den VW-Konzern der späten siebziger Jahre: Der hatte damals nur den Käfer, den VW 411 und den Bus zu bieten. Der Blick in den Showroom eines heutigen Fiat-Händlers zeigt dutzendweise 500er in allen Bonbonfarben, verschämt ein bis zwei Puntos oder Pandas und auf dem Freigelände die Ducatos – mehr gibt das Portfolio fast nicht her. Doch Retro hat auch Grenzen: Nicht nur der Countryman ist optisch kein Leckerbissen, auch der Fiat 500L führt das Wesentliche des Designs, die Kompaktheit, bereits ad absurdum.

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Fremde Gene

Mit dem Crossover 500X versucht Fiat jetzt am Boom der SUVs teilzuhaben. Die technische Basis des 500/Ford Ka ist dafür nicht geeignet, daher bedient sich der Konzern bei der auf geländegängige Fahrzeuge spezialisierten Marke Jeep. Mit der technischen Basis des Renegade besitzt der 500X eigentlich alles, was ein gutes SUV ausmacht. Leider steht das X im Namen nicht wie bei diversen anderen Marken für Allrad, sondern soll nur die große Variabilität des Konzepts verdeutlichen. So hat auch der Testwagen der Redaktion zwar 140 muntere Pferdchen, kann aber nur mit Frontantrieb dienen. Soll es wirklich ins Gelände gehen, greift der Käufer besser zur Variante mit Allradantrieb und Cross-Design-Paket.

Der Einstieg gelingt dank der relativ hohen Sitzposition leicht, allerdings poliert der Fahrer den breiten Schweller mit den Hosenbeinen. Der Sitz ist in alle Richtungen ausreichend weit verstellbar, er überzeugt trotz etwas kurzer Sitzfläche auch auf Langstrecken. Trotz insgesamt großzügigem Raumgefühl ist die Schulterbreite für große Fahrer nicht überzeugend.Die Dachlinie gewährt den Fondpassagieren genügend Kopffreiheit, die Füße allerdings kollidieren mit den Frontsitzlehnen.

Im Innenraum versuchen zahlreiche Applikationen und das lackierte Armaturenbrett ein 500-Gefühl zu wecken, sogar der Druckknopf des Schaltsacks trägt das heilige Logo. Angenehm einfach hat der Hersteller die Lüftungsregelung aufgebaut: Die drei großen Drehregler lassen sich intuitiv bedienen – leider ist das Gebläse allerdings ab Stufe zwei ohrenbetäubend laut, egal, in welcher Stellung.

Kein Sparwunder

Der schicke Startknopf lässt den Turbo-Motor erwachen, unverholen ein Kind der aktuellen Downsizing-Zeit. Die 140 PS beschleunigen das pummelige Auto zwar sehr flott, eine gewisse Antrittsschwäche aus dem Drehzahlkeller lässt den Fahrer auf hügeligen Landstraßen trotzdem häufig zur Schalthebelkugel greifen. Bereits im bekannten Super-Bowl-Werbespot „Blue Pill“ steht der 500 an der Tankstelle, auch im realen Leben sieht man den Fahrer oft an der Zapfsäule stehen. Nutzt der Fahrer die Leistungsreserven des Motors, muss er sich mit einer Neun vor dem Komma beim Benzinverbrauch anfreunden – ein Tribut an die Frontfläche. Aber wer fährt schon auf deutschen Autobahnen über 160 Km/h? Der Geradeauslauf ist eher unruhig, in Kurven machen sich die Schwächen des hochbeinigen Konzepts bemerkbar. Die Lenkung wünscht man sich insgesamt einen Tick präziser. In der Sportstellung des „Mood Selectors“ reagieren das Gaspedal und die Lenkung des 500X zwar deutlich spontaner auf die Wünsche des Fahrers, Luft nach oben ist aber allemal.

Bei der Haptik der Bedienelemente und der Qualitätsanmutung im Innenraum gibt sich der 500X dagegen keine Blöße. Schöne Details wie der Innentürgriff schmeicheln sowohl dem Auge wie der Hand des Besitzers. Den knuddeligen Charme des kleinen Bruders sucht man trotz aller Designanspielungen allerdings vergeblich.

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