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»kfz-betrieb« Auto-Check: Koreanische Kombi-Brüder

| Autor: Jakob Schreiner

Der Hyundai i30 und der Kia Ceed in der dritten Generation sind technische Zwillinge – die beiden Kombi-Varianten bilden da keine Ausnahme. Mit solidem Auftritt wildern die beiden im Golf-Revier und sind eine ernst zu nehmende Konkurrenz für den Platzhirsch.

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Der Hyundai i30 und der Kia Ceed sind technische Zwillinge.
Der Hyundai i30 und der Kia Ceed sind technische Zwillinge.
(Bild: Schreiner/ Schweitzer/»kfz-betrieb«)

„Da scheppert nichts“, stellte der damalige VW-Chef Martin Winterkorn fest, als er die Lenkradverstellung der neuen Hyundai-i30-Generation auf der IAA 2011 inspizierte. Genervt stellte er seiner Entourage mehrfach die Frage, warum der das könne und Volkswagen nicht dazu in der Lage sei. Man hätte zwar mal eine Lösung gehabt – die sei aber zu teuer gewesen, lautete die Antwort, die Winterkorn nicht wirklich zufriedenstellte. Das Video ging damals viral und wurde mehrere Millionen Mal angeklickt.

Auch acht Jahre und eine Modellgeneration später scheppert da bei Hyundai noch nichts. Und das nicht nur beim i30, sondern auch beim Konzernbruder, dem Kia Ceed. Beide koreanischen Derivate waren zu Testzwecken für einige Zeit als Kombi-Varianten in der »kfz-betrieb«-Redaktion. Was Winterkorn vor acht Jahren noch in Staunen versetzte, ist mittlerweile eigentlich überflüssig zu erwähnen: Hyundai und Kia bauen qualitativ und technisch hochwertige Fahrzeuge, die sich vor der deutschen Konkurrenz alles andere als verstecken müssen.

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Diesen Eindruck haben auch unsere beiden Testprobanden erneut bestätigt. Der Innenraum beider Fahrzeuge wirkt aufgeräumt und übersichtlich, die Bedienelemente sind selbsterklärend. Das Hartplastik aus der Vergangenheit ist längst angenehmeren und hochwertigeren Soft-Touch-Materialien gewichen. In der Mitte der Konsole thront bei beiden Fahrzeugen ein hoch montierter Acht-Zoll-Touchscreen, der sich zusätzlich auch über physische Direktwahltasten sowie Drehknöpfe bedienen lässt. Insgesamt wirkt das Design im Inneren praktisch nüchtern, vieles bleibt dabei analog, was bei Weitem kein Nachteil ist. Der Kia wirkt aber im direkten Vergleich zum Hyundai nochmal eine Spur moderner und frischer.

Die gleiche Plattform

Beide Fahrzeuge teilen sich die gleiche Plattform, was am identischen Radstand ersichtlich wird. In Länge, Breite und Höhe unterscheiden sich die beiden Autos nur geringfügig, wobei der Kia den Hyundai in Länge und Breite etwas übertrifft. Auch beim Thema Ladevolumen hat der Kia die Nase leicht vorn. Im Normalzustand schluckt der Ceed 625 und der i30 602 Liter. Bei umgeklappter Rücksitzbank erweitert sich das Volumen auf 1.694 bzw. 1650 Liter. Zum Vergleich: In die Wolfsburger Konkurrenz passen 605 bzw. 1.620 Liter.

Praktisch bei den beiden Koreanern ist ein variables Schienensystem zur Gepäcksicherung. Das macht beide Fahrzeuge durchaus zu familientauglichen Kombis. Auf den vorderen Sitzen gab es in puncto Sitzkomfort nichts zu beanstanden. Hinten dagegen dürfte es für Erwachsene auf längeren Strecken aufgrund der knapp bemessenen Beinfreiheit unbequemer werden, für den Nachwuchs reicht der Platz allerdings mehr als aus. Wer mehr Beinfreiheit oder Kofferraum benötigt, sollte daher auf einen Hyundai i40, Kia Optima oder eines der vielen SUV-Derivate zurückgreifen.

Die gleiche Formensprache

Unterscheiden sich die beiden Konzernbrüder bei einigen Abmessungen und der Frontpartie noch voneinander, lösen sich die Unterschiede in der Seiten- bzw. Heckansicht nahezu vollständig auf. Welcher Kombi dann schlussendlich der Schönere ist, bleibt eine Frage des individuellen Geschmacks. Spätestens beim Antriebsstrang gibt es dann zwischen den beiden Kombis tatsächlich keinerlei Unterschiede mehr. Das Motoren- und Getriebeangebot ist bei beiden Fabrikaten komplett identisch.

Wir konnten jeweils den stärksten Benzin- und Dieselmotor mit Doppelkupplungsgetriebe bzw. Sechsgang-Schaltgetriebe fahren. Ersterer brachte den Hyundai auf Trab. Der 1,4 T-GDI leistet 103 kW/140 PS und entwickelt ein Drehmoment von 242 Nm. Die Leistung sorgt beim Fahrer nicht für Jubelstürme, ist aber für ein Fahrzeug dieser Kategorie durchaus angemessen und lässt den Hyundai souverän im Verkehr mitschwimmen. Das ein oder andere Überholmanöver ist ebenfalls problemlos möglich. Der Sprint auf 100 ist in 9,1 Sekunden erledigt, bei 208 km/h ist Feierabend. Im Schnitt verbrauchte der i30 im Test rund acht Liter. Das geht in Ordnung, ist für ein modernes Fahrzeug allerdings auch nicht wirklich berauschend.

Sparsamer ist man dann mit dem Ceed und dem Selbstzünder unterwegs. Bei angepasster Fahrweise lässt sich der Kombi auf alle Fälle unterhalb der Fünf-Liter-Marke bewegen. Wie auch sein Benzinpendant setzt das Triebwerk beim Beschleunigen keine Glückshormone frei, arbeitet aber tadellos, angemessen und auffällig unauffällig. 100 kW/136 PS und 280 Nm lassen den Kia in 10,1 Sekunden auf 100 sprinten und reichen für 200 km/h Spitze. Lenkung und Getriebe arbeiten bei beiden Kombis präzise und leichtgängig – da gibt es nichts zu meckern. Auch das Fahrwerk ist sowohl beim i30 wie beim Ceed komfortabel ausgelegt.

Solide Alltagsbegleiter

Am Ende bleibt der Eindruck von zwei soliden Kombis, die halten, was man erwartet. Weder i30 noch Ceed leisteten sich große Patzer. Die Motoren und Getriebe entfachen kein Feuerwerk – aber das müssen sie für den gedachten Einsatzzweck als Alltagsautos auch nicht. Wer allerdings in seinem Pampersbomber Wert auf dynamische Fahrperformance legt, wird hier nicht bedient. Preislich lassen sich die beiden Testwagen aufgrund der unterschiedlichen Motorisierungen nicht vergleichen. Der Kia Ceed SW mit dem 1,6-CRDi-Triebwerk kostet in der Basis 27.990 Euro und war mit Extras im Wert von rund 2.900 Euro ausgestattet. Der Zwilling von Hyundai mit Benzinmotor und Doppelkupplungsgetriebe kostet samt Extras 31.070 Euro.

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Über den Autor

 Jakob Schreiner

Jakob Schreiner

Redakteur Ressort Service & Technik