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»kfz-betrieb« Auto-Check Peugeot Rifter: Rift sich gut

Autor: Jan Rosenow

Der Rifter bringt sportliche Optik und moderne Assistenzsysteme in die Klasse der Hochdachkombis. Das größte Plus des Peugeot bleibt aber ein altbekannter Wert.

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Der „Outdoor-Van“ Peugeot Rifter löste in diesem Jahr das Modell Partner ab.
Der „Outdoor-Van“ Peugeot Rifter löste in diesem Jahr das Modell Partner ab.
(Bild: »kfz-betrieb«/Rosenow)

Mit dem Partner hat Peugeot das Segment der Hochdachkombis erfunden. Doch nach zwei langlebigen Generationen (1996 bis 2009 und 2008 bis 2018) endete seine Existenz mit dem Modellwechsel in diesem Jahr. Nun heißt der praktische Familienvan Rifter und tritt mit einer betont bulligen Front und zahlreichen robust wirkenden Plastikverkleidungen an.

Als „Outdoor-Van“ (gibt es auch Indoor-Vans?) soll er nun wohl Kunden anlocken, die eigentlich lieber ein SUV hätten. Leiden darunter die klassischen Pampersbomber-Qualitäten des Rifter?

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Was das Platzangebot betrifft, sicher nicht. Auf nur 4,40 Metern Länge tut sich beim Einsteigen ein wahrer Ballsaal auf. Die Kopffreiheit entspricht beinahe der eines Cabrios, auf den Einzelsitzen im Fond können drei (schlanke) Erwachsene sehr bequem sitzen, und das Gepäckabteil (571 bis 2.693 Liter) ist für jeglichen familien- oder hobbybedingten Platzbedarf gerüstet. Durch seine beachtliche Höhe und Breite und die schlechte Übersichtlichkeit wirkt der Rifter allerdings auch wuchtig und lässt sich im Stadtverkehr nicht immer lässig und souverän handhaben – vor allem in engen Parkhäusern.

Das Gokart-Lenkrad passt auch zum Rifter

Wuchtig ist auch das richtige Wort, um die Mittelkonsole zu charakterisieren. Zwischen Fahrer und Beifahrer türmt sich eine Plastiklandschaft von beachtlichen Ausmaßen auf, die ein Staufach enthält, in dessen dunklen Tiefen ein ganzer Spielzeugladen verschwinden kann.

Wie alle Peugeot-Pkw-Modelle besitzt der Rifter das I-Cockpit mit den nach oben versetzten Instrumenten und dem kleinen, unten abgeflachten Lenkrad. Die klassischen Rundinstrumente sind hier größer und deutlicher gestaltet als in manch anderem Modell und lassen sich sehr gut ablesen. Das Gokart-Lenkrad steigert selbst in dem Hochdachkombi, bei dem wohl niemand ein sportliches Fahrverhalten erwartet, den Fahrspaß. Für die Bedienung baut Peugeot mittlerweile außer dem Touchscreen auch wieder echte Schalter für die Klimaanlage ein sowie einen schönen großen Drehregler für die Lautstärke. Das Sechsgang-Schaltgetriebe weist lange Schaltwege auf und wirkt etwas labberig geführt.

Wackerer Dreizylinder mit guten Fahrleistungen

Im kurzen Motorabteil versteckt sich ein 1,2-Liter-Motörchen mit nur drei Zylindern. Trotz per Turbolader auf 81 kW/110 PS gepuschter Leistung ist der Testfahrer anfangs skeptisch: Das soll reichen? Nun, es reicht. Bei minimaler Belastung (nur Fahrer) verblüfft der Rifter sogar mit erstaunlich leichtfüßiger Beschleunigung und ordentlichem Durchzugsvermögen. Bis 150 km/h kann er auf der Autobahn gut mithalten. Darüber wird es zäh – aber das sei dem Familienvan verziehen. Und das Beste daran: Selbst bei eiliger Autobahnfahrt steigt der Verbrauch des großen Wagens nur wenig über sieben Liter.

Wie der Downsizing-Motor allerdings mit voller Beladung klarkommt, ist eine andere Frage. Für solche Fälle dürfte der parallel erhältliche 1,5-Liter-Turbodiesel mit 96 kW/130 PS die souveränere Motorisierung darstellen.

Viele elektronische Fahrerassistenzsysteme

Gutes Platzangebot und ein günstiger Preis standen bei den Käufern von Hochdachkombis bislang im Mittelpunkt. Doch heutzutage kommt auch diese Fahrzeugklasse nicht mehr ohne ein Mindestangebot an elektronischen Fahrerassistenzsystemen aus. Der Peugeot Rifter besitzt beispielsweise je nach Ausstattung einen adaptiven Tempomaten, Verkehrszeichenerkennung, einen aktiven Spurhalteassistent mit Lenkeingriff, Totwinkelassistent und ein automatisches Notbremssystem.

Doch kann er dann noch so preisgünstig sein, wie es sich viele Familien wünschen, denen ein echter Van zu teuer ist? Nun, mit einem Grundpreis von 20.740 Euro ist der Rifter nach wie vor in der Kompaktklasse verortet. In der Einstiegsvariante Access fehlt allerdings die Klimaanlage. Und viele Fahrerassistenzsysteme sind nur für die teuerste Variante Allure ab 23.990 Euro verfügbar. Der Testwagen besaß zusätzlich zu Allure das GT-Line-Paket mit vielen Optikelementen für 1.650 Euro.

Mit seiner Größe, dem umfangreichen Ausstattungsangebot und den Preisen hat sich der Rifter gegenüber seinem Großvater, der ersten Partner-Generation, um eine ganze Klasse nach oben entwickelt. Nun wäre unter ihm wieder Platz für einen kompakten, simpel ausgestatteten und besonders preiswerten Hochdachkombi. Der Name Partner ist ja jetzt frei.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group