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»kfz-betrieb« Auto-Check: Renault Kadjar – das unauffällige SUV

| Autor: Jan Rosenow

Der elegante, aber wenig prägnant gestylte Franzose fällt im Straßenbild kaum auf. Doch mit dem neuen Ottomotor samt Automatik erweist er sich als sehr komfortables Reiseauto.

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Der Kadjar ist das mittelgroße SUV-Modell von Renault und kostet ab 23.090 Euro.
Der Kadjar ist das mittelgroße SUV-Modell von Renault und kostet ab 23.090 Euro.
(Bild: Julia Mauritz/»kfz-betrieb«)

Schon wieder ein SUV: Kein Hersteller kommt heute noch an diesem verkaufsstarken Segment vorbei – auch nicht Renault. Mit Captur, Kadjar und Koleos haben die Franzosen gleich drei hochgelegte Multifunktionsautos im Programm, die zusammen für rund ein Drittel der Zulassungen des Fabrikats in Deutschland stehen. Daraus zu folgern, dass SUVs ausschließlich normale Kompakt- oder Kleinautos verdrängt hätten, ist allerdings falsch. Denn früher spielten Vans und Hochdachkombis die Rolle des familienfreundlichen und geräumiges Alltagsautos, die heute die SUVs einnehmen.

In der Verkaufshitliste von Renault beispielsweise standen damals Modelle wie der Modus, der Scenic oder der Kangoo weit oben, die heute entweder gar nicht mehr angeboten werden oder einen Großteil ihres Absatzes eingebüßt haben. Dass dieser Wechsel der Karosserieform einen großen Einfluss auf die CO2-Emissionen hat, wie es viele Umweltlobbyisten behaupten, darf man getrost bezweifeln.

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Der Kadjar muss jedenfalls nicht befürchten, demnächst vom wütenden Mob als Umweltsünder an den Pranger gestellt zu werden. Zu unauffällig fügt er sich ins Straßenbild ein, zu wenig aggressiv fällt seine weichgezeichnete Formensprache aus. Abmessungen und Masse ähneln dem Familienvan Renault Scenic. Allrad gibt es ausschließlich in Kombination mit dem leistungsstärksten Dieselaggregat; der Testwagen mit Ottomotor war mit Frontantrieb ausgestattet.

In der Version TCE 160 sorgt ein neuer, 1,3 Liter großer Vierzylinder-Turbomotor für Vortrieb, der in vielen Modellen der Kooperationspartner Renault/Nissan und Mercedes-Benz zum Einsatz kommt. Mit 117 kW/159 PS ist der 1,5 Tonnen schwere Kadjar richtig gut motorisiert. Das schnell schaltende Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Schaltstufen hält zudem immer den richtigen Gang parat und verkneift sich auch das ruckelige, abrupte Anfahren, das dieser Bauart bei anderen Herstellern manchmal zu eigen ist. Zusammen mit der vorbildlichen Laufruhe und Geräuscharmut des Vierzylinders steht hier ein wirklich komfortabler und angenehmer Antriebsstrang zur Verfügung, der zudem dank Partikelfilter sehr sauber ist.

Modellpflege bringt neue Assistenzsysteme in den Kadjar

Im Vergleich zu den „echten“ Renaults wie dem Scenic zeigt der auf dem Nissan Qashqai basierende Kadjar im Innenraum eine gestalterische Schlichtheit. Wohin man blickt: schwarzer Kunststoff. Drei Drehschalter sind für die Bedienung der Klimaautomatik vorhanden; ansonsten werden alle Fahrzeugfunktionen über den Sieben-Zoll-Touchscreen des R-Link-Systems gesteuert. Es besitzt leider keine Schnellwahltasten, was den Wechsel zwischen Navi- und Radioanzeige etwas mühsam macht. Vom Bose-Soundsystem mit acht Lautsprechern der getesteten „Bose Edition“ hätten wir einen etwas wuchtigeren Klang erwartet.

Das Platzangebot ist der Fahrzeugklasse angemessen und reicht für vier Erwachsene. Die im Testwagen verbauten teilbelederten Sitze sind gut konturiert und bieten eine bequeme Sitzposition. Eine variable Rücksitzanlage gibt es im Kadjar nicht, mehr als das Umklappen der geteilten Rücksitzlehne ist nicht drin. Das Gepäckraumvolumen beträgt 472 Liter (umgeklappt: 1.478 Liter).

Bei der Modellpflege Anfang 2019 hat Renault den Kadjar mit einem breiten Aufgebot an radar- und kamerabasierten Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. Hierzu zählen in der Ausstattung „Bose Edition“ der Spurhaltewarner und die Verkehrszeichenerkennung mit Geschwindigkeitswarner und Fernlichtassistent. Optional kann darüber hinaus das Protection-Paket für 990 Euro bestellt werden, das einen Parkassistenten, einen Toter-Winkel-Warner und einen Notbremsassistenten enthält. Damit und mit der Metalliclackierung in „Ural-Grün“ kam der Testwagen auf moderate 35.250 Euro. Der Grundpreis für die gut ausgestattete „Bose Edition“ mit dem TCE-160-Motor liegt bei 33.590 Euro. Das Einstiegsmodell der Kadjar-Baureihe ist für 23.090 Euro zu haben. Zum Vergleich: Beim ähnlich großen Volkswagen Tiguan steht immer eine 3 vorne.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group