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»kfz-betrieb«-Auto-Check: Renault Talisman – ein Glücksbringer?

Autor: Steffen Dominsky

Mit dem „Talisman“ versucht sich Renault mal wieder in der oberen Mittelklasse. Die Zutaten sind einfach, aber wirkungsvoll: eine klassische Limousine mit viel Platz, ordentlich Wumms, und der Preis stimmt auch.

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Seit 2016 ist der Talisman auf dem Markt. Er bietet viel Platz und moderne Technik zum akzeptablen Preis.
Seit 2016 ist der Talisman auf dem Markt. Er bietet viel Platz und moderne Technik zum akzeptablen Preis.
(Bild: Renault AG)

Ein Talisman ist ein kleiner Gegenstand, der Glück verheißen soll. Mit gut 4,9 Meter Länge ist das gleichnamige Fahrzeug aus dem Hause Renault schon mal das krasse Gegenteil, bezogen auf die moderne automobile Welt. Doch die schiere Größe hat bei einer Limousine bzw. einem Kombi – als den es den Talisman ebenfalls gibt – anders als bei vielen sogenannten SUVs auch einen Vorteil: Innen ist der Franzose ganz „Grand Nation“. Platz für Mensch und Material in Hülle und Fülle. Einziges Manko im Fall des von uns getesteten Viertürers: Die Luke zum Kofferraum ist klein, die Ladekante ist echt eine solche und liegt zudem ziemlich weit oben.

Gerade vorne lässt es sich im Talisman vorzüglich reisen. Die Sitze sind, anders als in französischen Modellen (früher) oft üblich, ausreichend straff und dennoch komfortabel. In der getesteten Top-Ausstattungsvariante „Initiale Paris“ sind sie mit Leder bezogen und verfügen zusätzlich über eine Klimatisierung (Belüftung) sowie eine Massagefunktion. Die bzw. ihre dezidierten Einstellungen muss der Fahrer über den großen zentralen Touchscreen aufrufen. Das verlangt nach „Blättern“ in diversen Menüs und Unter-Untermenüs. Was schick aussieht – wenige Taster und Schalter – ist in der Praxis leider oft lästig, zwingt es dem Anwender doch, seine Aufmerksamkeit vom Verkehr weg auf besagten Bildschirm zu richten. Das gilt übrigens für zahlreiche Funktionen des Renaults.

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Technikfeatures, die man spürt und nützlich sind

Auch beispielsweise für das in diesem Modell serienmäßige Bose-Soundsystem und seine Einstellungen. Dafür aber entschädigt das us-amerikanische System mit einem ausgezeichneten Klangerlebnis. Und nicht nur das: Dank des Prinzips des „Interferenz“reduziert es zudem aktiv Geräusche im Innenraum. Ein Prinzip, das funktioniert, denn der große Franzose ist wahrlich ein Leisetreter. Komfortabel zeigt sich auch das Fahrwerk, das serienmäßig adaptiv, d. h. in drei Stufen einstellbar ist. Die physikalischen Nachteile der bei diesem Modell montierten „Riesenräder“ (19 Zöller) kann es aber nicht ungeschehen machen: Das Vorhandensein kleiner Straßenunebenheiten wie Querfugen und Kanaldeckel bekommen die Insassen zweifelsfrei mitgeteilt.

Zweifelsfrei mitgeteilt bekommt der Wagenlenker auch das, was die Vorderräder machen, allen voran beim Einschlagen. So ist die Lenkung sehr direkt übersetzt, was der Handlichkeit zugute kommt. Sie bietet aber auch eine gute Rückmeldung. Zudem verfügt der Talisman über eine Allradlenkung („4 Control“). Wer gerne zügig bzw. sehr zügig auf Autobahnen unterwegs ist, profitiert hier von einer spürbar gesteigerten Fahrstabilität. Dass er die nutzen kann, dazu trägt allen voran der Antrieb seinen Teil bei, der sich hinter dem Kürzel „TCe 225 GPF“ verbirgt. Hinter diesem steckt ein gerade mal 1,8 Liter großer 4-Zylinder-Benzinmotor, der es dank Aufladung auf satte 225 PS bringt. Damit ist der Glücks-Renault mehr als ausreichend motorisiert und tut dies – so man das Drehzahlband auch nicht ausreizt –, auch zurückhaltend leise.

Sparsam beim Verbrauch, großzügig bei der Ausstattung

Beeindruckend ist der Verbrauch, im positiven Sinne: Zurückhaltend gefahren ist problemlos eine Sechs vor dem Komma drin, normal gefahren stets eine niedrige Sieben. Und selbst beim ordentlichen Schluck aus der Leistungspulle mutiert die große Limousine keineswegs zum Quartalsäufer.

Auch auf der anderen Seite, der „Vernunftseite“ weiß sie zu überzeugen – Stichwort aktive und passive Sicherheit. Egal ob Spurhalteassistent, Totwinkelassistent, radargestützter Tempomat oder Head-up-Display: Der Renault-Besitzer muss sich am Stammtisch bei dem Thema keineswegs verstecken.

Da fragt sich obligatorisch am Ende nur: Was kost‘ das alles? „43.050 Euro“, antwortet darauf Renault. Das hört sich, zugegeben, nicht nach einem Schnäppchen an. Aber erstens gibt es den großen Talisman bereits für 31.600 Euro, und zweitens bietet der Wagen bei erstgenanntem Preis wirklich eine ganze Menge an Ausstattung. Und wer einen Glücksbringer hat, der zahlt vielleicht beim Händler eh (einiges) weniger.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group