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»kfz-betrieb« Auto-Check: VW Golf – Kompaktes Highend-Gerät

| Autor: Christoph Seyerlein

Auch vor Bestsellern macht die Digitalisierung nicht Halt. Und so findet sich im überarbeiteten Golf VII deutlich mehr High-Tech als bislang. Das steht dem Kompakten gut zu Gesicht, hat aber auch seinen Preis.

Seit Anfang 2017 ist das Facelift des Golf VII auf dem Markt.
Seit Anfang 2017 ist das Facelift des Golf VII auf dem Markt.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Runderneuern und gleichzeitig bloß nicht zu viel verändern: Es gibt für Autodesigner, Ingenieure und Produktstrategen sicher einfachere und dankbarere Aufgaben als einen VW Golf neu aufzulegen. Kürzlich war es wieder soweit, Anfang des Jahres enthüllten die Wolfsburger das Facelift der mittlerweile siebten Golf-Generation. Auf den ersten Blick stellt sich wie so oft bei einer Überarbeitung die Frage: „Und was genau ist daran jetzt neu?“

Am äußeren Erscheinungsbild haben die Designer beim jüngsten Facelift kaum gerüttelt. Müssen sie auch nicht, schließlich soll das Auto sofort als echter Golf erkannt werden. Als grundlegend neu war an unserem Testwagen nur die Farbe sofort zu identifizieren: Als Marketinglook für den Golf haben sich die Produktplaner in Wolfsburg auf „Kurkumagelb“ festgelegt. Das ist – vorsichtig ausgedrückt – gewöhnungsbedürftig und dürfte auch wegen eines Aufpreises von 715 Euro vermutlich kaum das künftige Straßenbild dominieren. Etwas prägnanter als bislang fällt die Lichtgestaltung aus, erstmals können Kunden Voll-LED-Scheinwerfer ordern.

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Der tatsächliche Fortschritt zum Vorgänger wird für den Fahrer aber erst ersichtlich, wenn er in den neuen Golf einsteigt. Im Inneren treffen wohlbekannte Elemente auf aufregende neue Spielereien. Wer bereit ist, für den Kompakten ordentlich Geld in die Hand zu nehmen, dem stellt VW ein automobiles Highend-Gerät auf die vier Räder. Schließlich macht die Digitalisierung auch vor einem Bestseller nicht Halt.

Neu im Golf gibt es für 665 Euro Aufpreis das bereits von Audi bekannte „Virtual Cockpit“. Einziger Unterschied: VW nennt das volldigitale Kombiinstrument „Active Info Display“. Per Knopfdruck kann der Fahrer sich so allerlei Information ins Kombiinstrument holen, sei es Navigation, Geschwindigkeitsanzeige, Verbrauch oder die aktivierten Assistenzsysteme. Die wichtigste Angabe lässt sich durch eine vergrößerte Einstellung hervorheben. Das sieht alles super aus, birgt aber auch die Gefahr, von Infos überflutet zu werden.

Schalter und Knöpfe wegdigitalisiert

Ein weiteres digitales Element im Golf ist das gegen 2.385 Euro Aufpreis erhältliche Multimediasystem „Discover Pro“. Für diese üppige Investition zimmert der Hersteller dem Kunden ein dominantes 8-Zoll-Display ins Auto. Auffällig: Gewohnte Elemente wie etwa einen Drehregler für die Einstellung der Lautstärke hat VW radikal wegdigitalisiert. Knöpfchen raus, Touchscreen rein lautet die Wolfsburger Devise. Das erleichtert die Bedienung teilweise enorm, ist das Auto doch nicht mit Schaltern überfrachtet. Andererseits sind die unvermeidlichen und sich schnell vermehrenden fettigen Abdrücke auf dem Bildschirm optisch alles andere als ein Augenschmaus.

Vielleicht auch deshalb sind die Ingenieure in der neuen Golf Generation in Sachen Bedienung noch einen Schritt weiter gegangen. Erstmals hat die Gestensteuerung ihren Weg in einen Kompaktwagen gefunden. Bislang gab es das nur in den BMW-Modellen 5er und 7er. Allerdings steckt das System noch in den Kinderschuhen und ist längst kein vollwertiger Ersatz für Touchscreen oder Sprachbedienung. Bislang lassen sich nur recht simple Funktionen wie die Wahl des Musiktitels oder des Radiosenders per Geste steuern. Und selbst das ist während der Fahrt nicht zu empfehlen, lenkt es doch gewaltig vom Geschehen auf der Straße ab und kann eine ganze Weile dauern, bis der Wunschsender gefunden ist.

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