Kfz-Betriebe müssen sich auf Wandel einstellen

Professor Stefan Reindl spricht bei Versammlung der Kfz-Innung Ostthüringen

| Autor: Holger Zietz

IFA-Professor Stefan Reindl in der Mitgliederversammlung der Kfz-Innung Ostthüringen.
IFA-Professor Stefan Reindl in der Mitgliederversammlung der Kfz-Innung Ostthüringen. (Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Der Automobilvertrieb steht vor einem umfangreichen Wandel. Auch in Zukunft wird es Autohäuser und Werkstätten geben, doch insgesamt wird deren Zahl zurückgehen. Diese Auffassung vertrat in der Mitgliederversammlung der Kfz-Innung Ostthüringen in Altenburg Professor Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.

„Bei Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Konnektivität verlassen sich die Verantwortlichen in den Markenbetrieben häufig auf Herstellerinitiativen. Dabei gäbe es viele Prozesse und Funktionen in den Autohausunternehmen, die - ohne den Einfluss der Herstellerseite - einer eigenständigen Optimierung zugänglich wären“, so Reindl. Als Beispiel nannte er administrative Prozesse wie Fakturierung, die Zentralisierung von Funktionen wie Disposition und Marketing sowie die Schaffung von Kompetenzzentren wie zum Beispiel Lack- und Karosserie-Zentren.

Die Entwicklung wird sich nach Einschätzung Reindls fortsetzen. Denn einige Hersteller und Importeure drängen ins Direktgeschäft und wollen ihren Flottenvertrieb weiter ausbauen.

Den Beteuerungen der Hersteller, auch morgen noch ausschließlich mit dem Handel arbeiten zu wollen, glaubt Reindl nicht. „Die denken an Direktgeschäfte!“ Dies unterstreicht der Wirtschaftsprofessor mit dem Hinweis, dass sie damit ihre Vertriebskosten senken könnten.

Die Werksniederlassungen hält Reindl für ein Auslaufmodell: Denn durch die eigenen Standorte verbrennen Hersteller und Importeure in der Regel Geld. „So etwas könne nicht profitabel betrieben werden.“

Ausgezeichnet: (v. li.) Geschäftsführer Stefan Haase, Kerstin Guse (langjährige Mitarbeiterin), Obermeister Andreas Jokisch und Wolfgang Hauer (silberne Ehrennadel des Kfz-Gewerbes Thüringen).
Ausgezeichnet: (v. li.) Geschäftsführer Stefan Haase, Kerstin Guse (langjährige Mitarbeiterin), Obermeister Andreas Jokisch und Wolfgang Hauer (silberne Ehrennadel des Kfz-Gewerbes Thüringen). (Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Die von Reindl erwartete Konsolidierung trifft sowohl größere als auch kleinere Autohausunternehmen. Dabei gibt es aus seiner Sicht unterschiedliche Reaktionen: Während bei größeren Händlergruppen wohl kleinere Standorte geschlossen oder auf den Servicebereich konzentriert werden, kann ein kleinerer Händler nach Beendigung seines Vertrags zunächst als freier Betrieb weiterarbeiten. „Die hohen Anforderungen an die Standorte zwingen zu immer größeren Betriebseinheiten.“

Um sich weiterhin am Markt behaupten zu können, empfiehlt Reindl den Betrieben, ihr Geschäftsmodell kontinuierlich an neuere Entwicklungen anzupassen. Carsharing werde zum Beispiel zusammen mit anderen Mobilitätskonzepten die Zahl der Zweit- und Drittfahrzeuge in den Haushalten reduzieren. Einzelne Autohäuser werden kaum in der Lage sein, Carsharing oder andere Mobilitätskonzepte umzusetzen. Sie können aber Teil der Wertschöpfung werden, indem Kooperationen mit den Betreibern für die Bereitstellung von Fahrzeugen und deren Instandhaltung genutzt werden. In der Fläche werde der Service nach wie vor unverzichtbar sein; aber bis zum Jahr 2025 rechnet Reindl hier mit zehn bis zwölf Prozent weniger Beschäftigung.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45787540 / Verbände)

Plus-Fachartikel

Byton: „Ein digitales Erlebnis“

Byton: „Ein digitales Erlebnis“

45.000 Euro netto will das chinesische Start-up Byton für sein Elektro-SUV M-Byte verlangen. Nach dem Start in China Anfang 2020 soll das Auto ein Jahr später auch nach Europa kommen. Byton-Manager Andreas Schaaf erläutert die Pläne des Fabrikats. lesen

Caroobi: Räuber oder Robin Hood?

Caroobi: Räuber oder Robin Hood?

Caroobi schaltet sich immer häufiger zwischen freie Werkstatt und Endkunde. Aus Sicht der Berliner geschieht das nur zum Vorteil der Betriebe. Die künftigen Pläne des Start-ups erläutert Geschäftsführer Philipp Grosse Kleimann. lesen